Text-Bild-Ansicht Band 185

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gesteigerten Belastungen gedehnt, und es sind die drei Verlängerungscurven verzeichnet worden. Die erste Curve ergab die Elasticitätsgrenze bei 685, die zweite bei 835 und die dritte bei 925 Pfd.; es erlitt also diese eine Erhöhung von 240 Pfd. Bemerkenswerth ist es, daß die in der Richtung der Abscissen verlaufenden Curvenäste in derselben Richtung liegen, was auch bei vielen anderen Versuchen immer so gefunden worden ist, sobald nur die Versuchsreihen nacheinander folgten und die Temperatur während derselben constant blieb. – Die bleibenden Verlängerungen sind nicht den ganzen Belastungen, sondern ihren Differenzen proportional, sie werden vorzüglich für Eisen und weiche Stahlsorten kurz nach Erreichung der Elasticitätsgrenze sehr bedeutend, weßhalb die Curven hier einen gegen die Abscissen nahezu convexen Theil besitzen, welcher möglicher Weise von der Erwärmung in Folge der Dehnung herrühren kann; wenigstens zeigte die Verlängerungscurve eines Stabes, als er mit Wasser umgeben war, welches eine gleiche Temperatur bedingte, nicht mehr diesen convexen Theil. –

Als Maaß der absoluten Festigkeit erscheint die Bruchbelastung pro Flächeneinheit des ursprünglichen Querschnittes. Für die Dehnbarkeit oder Zähigkeit gelten die bleibende Verlängerung des Stabes nach dem Zerreißen und die Contraction des Bruchquerschnittes; jene wird ermittelt, indem man den eingetheilten Versuchsstab nach dem Zerreißen mißt und diejenige Abtheilung, in welcher der Bruch erfolgte, nicht berücksichtigt. – Wenn Strecken und Kalthämmern die Elasticitätsgrenze und Festigkeit erhöhen, die Dehnbarkeit hingegen vermindern, so hat das Glühen gerade die entgegengesetzte Wirkung, und das in einem um so höheren Maaße als die angewendete Temperatur höher war. –

Es ist schon augeführt worden, daß die bleibenden Verlängerungen zwischen der Elasticitätsgrenze und Bruchbelastung der Belastungsdifferenz nahe proportional sind, wie das auch der Verlauf der Verlängerungscurve zeigt; aus diesem Grunde ist auch die Angabe der percentualen Längenveränderung für eine gewisse Belastungszunahme, zwischen jenen Grenzen, ein Maaß für die Dehnbarkeit. Diese ist am geringsten für kohlenstoffreiche Stahlsorten, und nimmt zu mit der Abnahme des Kohlengehaltes, so daß sie bei weichem Eisen den größten Werth erlangt. – Es ist wahrscheinlich, daß sich in dieser Hinsicht noch eine größere Gesetzmäßigkeit herausstellen würde, wenn die zu den Versuchen verwendeten Stäbe homogen und von durchaus gleicher Stärke gewesen wären, denn da hier bloß die bleibenden Verlängerungen in jenen Abtheilungen, wo der Bruch nicht erfolgte, berücksichtigt sind, so muß die Beschaffenheit der Bruchstelle auf jene von großem Einfluß seyn; ist sie z.B. unganz oder