Text-Bild-Ansicht Band 185

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sonst nicht fehlerfrei, so wird die Ausdehnung vorzüglich an derselben Platz greifen, und die übrigen Theile des Stabes wenig alteriren. –

Der Kohlenstoffgehalt steht im innigen Zusammenhange mit den elastischen Eigenschaften des Stahles und Eisens, und die Versuche lehren, daß mit zunehmendem Kohlengehalte bis ungefähr 1,2 Proc. auch die Elasticitätsgrenze und Festigkeit zunehmen, die Dehnbarkeit hingegen abnimmt.

Der Einfluß des Phosphorgehaltes wurde durch Versuche mit 0,24 bis 0,29 Proc. phosphorhaltigen Eisensorten von Cleveland und Aeryd ermittelt. Die ersteren zeichneten sich durch großen Schlackengehalt (spec. Gewicht = 7,65) aus, während das Aeryd-Eisen ziemlich schlackenfrei war. Die Festigkeit derselben war groß, und sie konnten den besten Eisensorten an die Seite gestellt werden. Rothglühhitze veränderte sie nicht, und erst Weißglühhitze übte eine Wirkung, jedoch bloß auf das schlackenfreie Aeryd-Eisen, welches alsdann mit grobkrystallinischer Bruchfläche riß, und seine Festigkeit sich auffallend verringerte; das Cleveland-Eisen zeigte sich im Bruche wenig und in der Festigkeit fast gar nicht geändert. – Bezüglich dieser Thatsache macht der Hr. Verfasser die Ansicht geltend, daß Phosphor bloß die Härte und Festigkeit innerhalb der Eisenkrystalle erhöht, die Cohäsion derselben jedoch verringert; Weißglühhitze bewirkt das Krystallinischwerden, jedoch nur bei schlackenfreiem Eisen, wie jenes von Aeryd und beeinträchtigt dadurch die Festigkeit, während wie bei dem Cleveland-Eisen die eingeschlossene Schlacke, ohne sich selbst zu verändern, die Gruppirung der Atome zu Krystallen verhindert, die Festigkeit dieses Eisens daher nicht leidet. Die Elasticitätsgrenze wird bei diesem Eisen durch Weißglühhitze nicht merklich geändert. Auf Stahl hat Phosphor einen nachtheiligeren Einfluß, und es soll ein geringer Gehalt die Ursache seyn, daß er bei öfterem Glühen rascher degenerirt wird; guter Stahl hat nie einen höheren Phosphorgehalt als 0,04 Proc. aufzuweisen.

Wird der Stahl und selbst Eisen erhitzt und rasch abgekühlt, so wird ihre Elasticitätsgrenze erhöht und die Dehnbarkeit verringert. Die absolute Festigkeit wird durch Härtung ebenfalls erhöht, sobald diese auf passende Art vorgenommen wird. Bei härterem Stahl wird, wenn die vorangehende Erhitzung bedeutend war und das Abschrecken im Wasser vorgenommen wurde, die Festigkeit sehr wesentlich verringert, indem dadurch eine besondere Art von Spannungen im Material auftritt, welche jedoch durch nachheriges Glühen (Anlassen) beseitigt werden.

Der Elasticitätsmodul des Stahles und Eisens wurde durch Ausdehnung von Stäben mit 4–5 Fuß Länge und 9–16 Quadratlinien