Text-Bild-Ansicht Band 185

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5) Durch Kochen mit Aetznatronlauge wird das Benzonitril unter Ammoniakentwickelung in benzoesaures Natron übergeführt, aus dessen Lösung durch Salzsäure die Benzoesäure gefällt wird.

Ueber die finanzielle Seite dieses Verfahrens, welche zu gerechten Bedenken Veranlassung gibt, konnte ich nichts erfahren.

In Classe 44 (Katalognummer 205) war von J. Casthelaz etwa 1 Kilogr. von Benzoesäure aus Naphtalin ausgestellt. (Bayerisches Kunst- und Gewerbeblatt, 1867 S. 329.)

Schutz der Frauenkleider gegen Verbrennung.

Die traurigen Vorfälle, welche in letzter Zeit die schon so oft beklagte Feuerempfänglichkeit der weiblichen Kleiderstoffe neuerdings wieder zum Gegenstande allgemeinen Nachdenkens gemacht haben, wurden begreiflicherweise Anlaß, daß in vielen chemischen Laboratorien Versuche zur Herstellung von „feuersicheren“ Stoffen für die Frauenkleidung gemacht wurden. Es ist wohl an und für sich nicht so schwer, Gewebe durch Präparirung mit verschiedenen Stoffen minder entzündlich (um nicht zu sagen „unverbrennlich“ ) zu machen; aber um einer solchen Zubereitung (Appretur) allgemeine Verbreitung zu sichern, muß sie möglichst einfach, wohlfeil und Jedermann leicht zugänglich seyn.131) Nun veröffentlichte der Hüttenchemiker Bergrath Patera in der „Neuen freien Presse“ ein sehr einfaches Verfahren, durch einen mit Salmiak und Gypsbrei versetzten Stärkekleister Unterrocksstoffe, sowie leichtere Gewebe, z.B. Tülle, bei der gewöhnlichen Operation des Wäsche-Steifens so zu präpariren, daß sie von der Flamme eines Zündhölzchens wohl entzündet, aber nicht in Flamme gesetzt werden können und ein Stück oder ein Streifen des Stoffes verglimmt, ohne den Brand weiter zu verbreiten. Wir haben mehrere Stücke solcher nach Patera's Anleitung von einer gewöhnlichen Wäscherin präparirter Stoffe selbst angebrannt und das rasche Verlöschen eines glimmenden Stückchens mitten auf dem Stoffe oder vom Rande aufwärts beobachtet. Es wäre immer schon viel werth, wenn das Unglück, welches ein Funke anrichten kann, solchergestalt auf einen höchstens handbreiten Brandfleck localisirt werden könnte. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen.)

Ziegler's Surrogat für thierische Kohle.

Ein Surrogat für thierische Kohle stellt Ernst Ziegler, Oekonom in Heilbronn, nach einem ihm in Bayern patentirten Verfahren durch eine derartige Vermischung von reinem Thon und Kohle dar, daß der Thon die Kohle einer feinen mechanischen Vertheilung unterwirft und beim Brennen ihre Verdichtung verhütet, während er dem Ganzen zugleich eine gewisse Festigkeit verleiht. Als kohlegebende Substanz können alle organischen Körper dienen, welche beim Glühen in verschlossenen Gefäßen reinen Kohlenstoff liefern und zugleich flüssig sind oder aufgelöst werden können, z.B. Leim, Fette, Oele, Gummi, Harze etc., am vortheilhaftesten aber Steinkohlen- oder Holztheer. Der Thon wird je nach seiner Fettigkeit mit dem dritten bis fünften Theile seines Volumens Theer unter Zusatz von Wasser möglichst innig gemengt, bis das Ganze eine durchaus gleichförmige plastische Masse von brauner Farbe darstellt; bei stärkerem Theerzusatz erhält man eine etwas wirksamere, bei geringerem eine etwas dauerhaftere Substanz. Die ganz gleichmäßig gemischte Masse wird in kleine Stücke, z.B. in hohle Cylinder von 4 bis 5 Zoll Länge und 1 Zoll Durchmesser, geformt, und dabei zugleich etwas zusammengepreßt, um die Festigkeit des Productes zu erhöhen; die

131)

Auf Veranlassung der Königin von England haben die Chemiker Versmann und Oppenheim schon im Jahre 1859 ausführliche Versuche angestellt, um zu ermitteln welche Substanzen am geeignetsten seyen, baumwollene und leinene Stoffe vor Entflammung zu schützen. Die Methode, welche seitdem zu diesem Zweck in englischen Manufacturen von gewebten Stoffen (Muslins, Tarlatans etc.) angewandt wird, sowie die Methode, welche in englischen Manufacturen und Wäschereien für Fabricate angewandt wird, welche (wie fertige Kleider etc.) gebügelt werden müssen, wurden im polytechn. Journal Bd. CLXVII S. 467 mitgetheilt. A. d. Red.