Text-Bild-Ansicht Band 182

Bild:
<< vorherige Seite

Präparate besitzen dann die durch obige Formel ausgedrückte Zusammensetzung.“

Endlich habe ich noch über das, was Knaffl in Bezug auf das in Rede stehende Präparat sagt, und zwar etwas ausführlicher zu referiren. „Für die Ansicht, daß der Goldpurpur metallisches Gold und Zinnoxyd enthalte, spricht: daß er getrocknet so aussieht, als wäre feinzertheiltes Gold mit Zinnoxyd gemengt; daß er zum Rothglühen erhitzt ein wenig Wasser, aber keinen Sauerstoff abgibt; daß Königswasser dann aus demselben Gold löst; daß die Menge des Sauerstoffs derjenigen des Zinnoxyds entsprechend ist. Feuchtem Purpur entzieht Salzsäure nach längerer Digestion das Zinnoxyd und metallisches Gold bleibt zurück. Auch wurde die Solution des Purpurs in Ammoniakliquor, welche Berzelius als besonderen Grund angibt, daß metallisches Gold nicht darin sey, als keine solche erkannt, indem Mitscherlich unter dem Mikroskope deutlich Flocken wahrnehmen konnte, welche sich nach monatelangem Stehen in der Flüssigkeit absetzten und sich als Gold erwiesen. So auffallend auch diese Beispiele für die feine Vertheilung des Goldes sprechen, so nehmen doch andere Chemiker, besonders Berzelius und Fuchs, das Gold im Purpur im oxydirten Zustande an, nämlich als AuO². Die Ursachen, welche zu dieser Annahme führten, gründen sich hauptsächlich auf die Eigenschaften des Rubinglases; ferner auf die purpurne Färbung, welche Seide, Papier, Haut etc. annehmen, wenn man sie mit Goldlösung bestreicht, und darauf, daß Quecksilber aus dem Purpur bei gewöhnlicher Temperatur kein Gold aufnimmt, wie Robiquet angibt, und als Beweis für das Oxydirtseyn des Goldes im Purpur ansieht, welche Angabe aber von Buisson widerlegt wurde, da er durch Digestion mit Quecksilber bei 120–130° C. dem Purpur alles Gold entziehen konnte. Berzelius verwirft indessen letzteren Beweis als ungenügend, da auch Goldoxyd von Quecksilber aufgenommen wird. Die purpurne Färbung, welche Seide, Papier, Haut etc. annehmen, dürfte wohl nur von feinzertheiltem metallischem Golde herrühren, denn Seide, welche purpurn gefärbt und aus welcher die überschüssige Goldlösung gut weggewaschen ist, konnte ich nicht metallisch glänzend erhalten, wenn ich sie einer Atmosphäre von Wasserstoff aussetzte.

„Gold kann metallisch durch metallisches Gold aus seinen Lösungen selbst herausgefällt werden; wenn man nämlich mit Oxalsäure gefälltes Gold in einer Porzellanschale mit Wasser übergießt, vorsichtig Königswasser zusetzt bis es sich (bei gewöhnlicher Temperatur) aufgelöst hat, dann noch mit dem 5–6fachen Volum Wasser verdünnt und mit Oxalsäure gefälltes Gold einträgt, so entstehen prachtvolle Dendriten.