Text-Bild-Ansicht Band 182

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zuerst von ihren gewöhnlichen Verunreinigungen durch salpetersauren Baryt und salpetersaures Silber, und hernach durch fractionirte Destillationen befreit. Die vollständige Abscheidung der Untersalpetersäure bietet einige Schwierigkeiten dar, wenn die Säure sehr concentrirt ist. Sie gelingt jedoch durch fractionirte Destillationen in einem gegen den Zutritt des Lichtes geschützten Apparat, durch welchen man einen Strom Kohlensäure leitet. Es ist wesentlich, die Untersalpetersäure vollständig zu verjagen, denn ihre Gegenwart ist von großem Einfluß auf die Resultate. So habe ich gefunden, daß das Salpetersäurehydrat NO⁵, HO, wenn es frei von Untersalpetersäure ist, bei der Temperatur 0° die Dichtigkeit 1,559 hat, während dieselbe Säure, wenn sie viel röthliche Dämpfe enthält, bei derselben Temperatur das specifische Gewicht 1,570 zeigt.“

LXV. Methode zum Färben mit wasserlöslichem Anilinblau auf Wolle; von Lachmann und Breuninger in Glauchau (Sachsen).

Ein Haupterforderniß beim Färben von Stoffen, sey es nun von Wolle, Seide, Baumwolle oder Leinen, ist, daß die Farbe nicht bloß rein und glänzend, sondern auch vollkommen gleichartig auf die Faser aufgebracht werde. Die Stoffe sollen, wie man sich auszudrücken pflegt, egal gefärbt seyn.

Beim Färben mit wasserlöslichen Anilinfarben, namentlich mit wasserlöslichem Anilinblau auf Wolle, bietet obiger Umstand nun eine Schwierigkeit, welche bis jetzt die Veranlassung war, daß das letztere das in Spiritus auflösliche Anilinblau noch nicht verdrängen konnte, weil in vielen Färbereien die Mehrausgabe für den Spiritus der Möglichkeit eines Mißlingens beim Färben mit wasserlöslichem Blau vorgezogen wird.

Forscht man der Ursache obiger Schwierigkeit nach, so findet man, daß sie in der zu großen Verwandtschaft der Wollfaser zu dem wasserlöslichen Blau liegt.

Ein Zusatz von in Spiritus gelöstem Blau zu einem Färbebade zeigt zunächst die Erscheinung, daß der Farbstoff als in Wasser unlöslich, oder vielmehr sehr schwer löslich, in den kleinsten Atomen sich ausscheidet und in der Flotte suspendirt schwimmt, so daß diese Atome nur ganz langsam und bloß bei längerem Kochen sich auflösen und nach und