Text-Bild-Ansicht Band 182

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Das Schieß- und Sprengpulver von G. A. Neumeyer, sogenanntes Haloxylin.

Ueber dieses sehr beachtenswerthe neue Pulver hat der herzoglich sächsische Berginspector Wohlfarth in Altenburg kürzlich eine Broschüre veröffentlicht, worin er dessen Eigenschaften genau auseinandersetzt und eine Menge damit angestellter Versuche aufführt. Wir theilen aus dieser Broschüre im Folgenden das Wesentliche mit:

„Hr. G. A. Neumeyer von Taucha bei Leipzig hat ein Pulver erfunden, welches der höchsten Beachtung von Seiten der Techniker würdig ist, da es die Aufgabe, alle sonstigen Eigenschaften eines guten Pulvers zu besitzen, beim Aufbewahren und beim Transport aber nicht zu explodiren, auf die bisher vollkommenste Weise löst. Es sind mit diesem Pulver gründliche Schießversuche in der kaiserlichen Pulverfabrik zu Bouchet bei Paris ausgeführt; in dem königl. Steinsalzbergwerk zu Staßfurt hat Hr. Berginspector Pinno mit solchem Sprengpulver in großer Masse experimentirt, ich selbst habe seit einem Jahre mich mit der Prüfung des Pulvers nach allen Richtungen hin beschäftigt; ich habe Sprengungen in härterem und milderem Gestein beigewohnt und Schießversuche mit dem ballistischen Pendel gemeinschaftlich mit einem sehr erfahrenen Officier vorgenommen; es sind endlich in Gegenwart amtlicher Commissionen und vor einem großen Publicum Experimente angestellt, durch welche die Unschädlichkeit des Pulvers beim Aufbewahren und beim Transport dargethan ist – und über alle diese Versuche liegen amtliche und private Zeugnisse vor, welche einstimmig den Eingangs aufgestellten Satz bestätigen. – Im Speciellen lassen die stattgefundenen Untersuchungen Folgendes erkennen:

1. Das Pulver verbrennt, aber explodirt nicht bei Zutritt von Luft. Am 16. November 1865 wurden in Gegenwart des Stadtrathes zu Altenburg folgende Versuche angestellt: a) Eine thönerne Röhre (Drainröhre), 0,283 Meter lang und mit 0,118 Meter lichtem Durchmesser, wurde auf einen Ziegelstein gestellt, mit diesem bis zu 2/3 ihrer Höhe in die Erde eingegraben, mit 2 Kilogram. Pulver angefüllt und dasselbe dann entzündet. Das Pulver brannte in hoher Flamme, aber ruhig aus der Röhre heraus; die Thonröhre zeigte sich nach dem Versuche unverletzt. – b) Eine conische Thonröhre, 0,401 Met. hoch, unten 0,118 und oben 0,029 Met. weit, wurde bis zu 2/3 der Höhe in die Erde eingegraben und mit 0,62 Kilogr. Pulver bis an die Mündung angefüllt. Angezündet brannte das Pulver etwas rascher, als bei Versuch a ab. Das Gefäß blieb unverletzt. – c) Eine thönerne Flasche mit weitem Bauche und sehr engem Halse wurde mit 0,75 Kilogr. Pulver gefüllt. Dasselbe brannte sehr rasch und mit hoher Flamme heraus; der obere Theil des Gefäßes sprang ab (eine Folge der hohen Hitze) und lag neben dem unteren Theile. Als Gegenbeweis wurde ein ähnlich geformtes, aber kleineres Gefäß mit 0,25 Kilogr. gewöhnlichen Pulvers gefüllt, welches mit starkem Knall explodirte; das Gesäß flog in vielen Trümmern weit umher. – d) Ein höchst instructiver Versuch wurde mit einem eisernen Flintenlauf von 0,613 Met. Länge und 0,02 Met. Durchmesser angestellt. Der Lauf wurde bis an die Mündung mit Pulver gefüllt und diese durch das Zündloch angezündet. Das Pulver brannte in einem bogenförmigen Strahle aus dem Zündloche heraus und nur die letzten Reste flogen in einer schwachen Feuergarbe aus der Mündung heraus.

Am 27. Nov. 1865 wurde in Gegenwart der Herren Hauptmann Heß und Apotheker Dörfel von Altenburg und der meinigen in einem Steinbruche bei Taucha folgendes Experiment angestellt: Es war ein massives Häuschen von 0,142 Meter Wandstärke, 1,132 Met. Länge, 0,749 Met. Tiefe und 0,749 Met. Höhe gebaut; dasselbe hatte vorn eine 0,283 Met. im Quadrat große Thüröffnung, an jedem Giebel eine Fensteröffnung von 0,094 Met. im Quadrat, mit Bretchen leicht verschlossen; das Dach war mit Ziegeln abgedeckt. Durch die mit einem Eisenblech zugesetzte Thüröffnung wurde ein Holzkasten mit 15 Kilogr. Pulver eingesetzt und letzteres mittelst Zündschnur entzündet. Es verbrannte, ohne irgend einen Eindruck auf das Häuschen zu äußern, ja selbst der Holzkasten blieb zusammengefügt und war nur angekohlt. – Um den Gegensatz der sonstigen Pulverwirkung zu zeigen, sprengte man mit 0,50 Kilogrammen gewöhnlichen Pulvers, auch frei in das Häuschen gesetzt, dasselbe bis auf den letzten Stein auseinander.