Text-Bild-Ansicht Band 182

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Dieser Versuch wurde später vor einem größeren Publicum zu Altenburg ganz mit demselben Erfolge wiederholt, und es wird hierdurch der augenscheinliche Beweis geliefert, daß das Neumeyer'sche Pulver bei der Aufbewahrung und dem Transporte jede Gefahr des Explodirens ausschließt.

2. Es kann durch Druck oder Stoß nicht zur Entzündung gebracht werden. Diese Eigenschaft, welche es mit dem gewöhnlichen Pulver gemein hat57), folgt schon aus der dem letzteren ähnlichen Zusammensetzung und ist durch Versuche erwiesen, welche Hr. Professor Erdmann zu Leipzig anstellte; dabei wurde gleichzeitig die Entzündungstemperatur ermittelt, sie schwankte bei Schießpulver zwischen 260 und 300° C., bei Sprengpulver war sie noch etwas größer, während gewöhnliches Schießpulver bei 300° sich entzündet. (Wagner, chemische Technologie.)

3. Es explodirt im verschlossenen Raume mit derselben, ja mit höherer Wirkung, als das gewöhnliche Pulver. Zahlreiche und sorgfältige Untersuchungen bestätigen diese Eigenschaft. In einem Steinbruche auf Syenit bei Taucha, einem bekanntlich sehr festen und zähen Gestein, sind in meiner Gegenwart Sprengversuche angestellt, wobei der am besten meßbare Schuß folgende Resultate ergab: An einer Stelle war eine lange Bahn des Gesteins mit fast senkrechter Wand' vorhanden. Ein Bohrloch, parallel der Wand laufend, wurde in 0,566 Meter Entfernung hinter demselben angesetzt (also eine Stärke von 0,566 Met. vorgegeben), so daß der abzusprengende, als Parallelopiped zu betrachtende Gesteinskörper bloß auf 2 Seiten frei war. Das Loch, 0,595 Met. tief und 0,029 Met. weit, wurde mit 200 Grammen Pulver geladen und dann mit trockenen Lehmstücken besetzt. Die Zündung geschah mit etwas in das Pulver versenkter Bickford'scher Zündschnur. Es wurde damit ein Gesteinskörper von – im Minimum – 0,566 Met. Breite, 2,547 Met. Länge und 1,273 Met. Tiefe, theils absolut losgesprengt, theils so gelockert, daß der Rest mit leichter Mühe losgetrennt werden konnte. Der Schuß lieferte also eine Masse von 1,835 Kubikmeter oder 7700 Kilogramme Gestein. Aehnliche Resultate stellten sich bei anderen weniger genau meßbaren Schüssen heraus.

Im October 1865 probirte Hr. Berginspector Pinno auf dem königl. Steinsalzbergwerk zu Staßfurt das Neumeyer'sche Sprengpulver und berichtete darüber im „Berggeist“ Nr. 90 von 1865, daß dieses Pulver in Bohrlöcher von 0,749 bis 1,132 Met. Tiefe im Steinsalz dem Volumen nach in gleicher Menge, als das gewöhnliche Sprengpulver, angewendet zu werden pflegt, eingebracht und nachdem die Bohrlöcher scharf besetzt waren, mit Bickford'scher Zündschnur abgebrannt wurde. Von überhaupt 58 Schüssen zeigten nur 5 eine ungenügende, die übrigen aber eine so befriedigende Wirkung, daß das qu. Pulver dem gewöhnlichen Sprengpulver unbedingt gleichgestellt werden kann.

In mehreren Steinbrüchen auf Syenit bei Taucha und auf Porphyr bei Altenburg wird das neue Sprengpulver seit mehr als Jahresfrist ausschließlich verwendet, und zwar zur größten Zufriedenheit der Besitzer und Arbeiter.

Höchst beachtenswerth sind ferner die ballistischen Resultate, welche mit dem Neumeyer'schen Schießpulver erlangt wurden. Ich habe in Gemeinschaft mit Hrn. Hauptmann Heß am ballistischen Pendel als Durchschnitt einer Reihe von Schüssen und unter Anwendung eines Zündnadelgewehres die Geschwindigkeit des Projectils

beim gewöhnlichen Pulver auf 458,9 Met. per Secunde
bei Neumeyer's Pulver 463,7 „ „ „

ermittelt, wobei überdieß vom alten Pulver 5,16 Gramme, vom neuen bloß 4,96 Grm. pro Schuß angewendet wurden, was entschieden sehr zu Gunsten des letzteren spricht.

Zu Bouchet bei Paris wurde am 3. April c. mit französischen Musketen geschossen, die Geschwindigkeit des Projectils war

bei neuem Pulver 445 Meter,

bei altem französischen bloß 414 Meter.

Die Ladung war in beiden Fällen 7 Gramme.

4. Es hinterläßt weniger Rückstand als das alte Pulver. Verbrennt man eine Probe des Pulvers bei freiem Zutritt der Luft, so bleibt ein auffallender

57)

Wenigstens kann das Pulver nur durch außerordentlich starke Schläge und außergewöhnliche Umstände, so wenn Eisen auf Eisen, Eisen auf Messing geschlagen wird, entzündet werden.