Text-Bild-Ansicht Band 182

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Rückstand in Form dicker, grünlichgrauer Perlen. Im Gewehre dagegen hinterläßt das Pulver einen bemerkenswerth geringeren und wegen seiner Trockenheit leichter zu entfernenden Rückstand als das gewöhnliche Pulver. Zu Bouchet betrug das Gewicht des Gewehres

vor dem Schießen 4430 Gramme,
nach dem Schießen 4431 Gramme,
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also Rückstand 1 Gramm;

dagegen bei französischem Musketenpulver

vor dem Schießen 4430 Gramme,
nach dem Schießen 4433 Gramme,
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also Rückstand 3 Gramme,

d.h. dreimal so viel, als bei Neumeyer's Pulver.

Ich selbst habe beim Sprengen an den Gesteinswänden in der Umgebung des Schusses stets weniger Rückstand getroffen als bei gewöhnlichem Pulver, und Herr Pinno hat diesen Rückstand so gefunden, daß er wenigstens an Menge den des alten Pulvers nicht übertrifft.

5. Es zieht aus der Luft nicht mehr Feuchtigkeit an als das gewöhnliche Pulver. Man hat genaue Beobachtungen über diese Eigenschaft zu Bouchet angestellt und gefunden, daß nach 10 Tagen

300 Gramme französisches Pulver 2,7 Gramme zunahmen,
300 „ neues Pulver polirt 3,1 „ „
300 „ „ „ „ 3,2 „ „
300 „ „ „ unpolirt 2,5 „ „
300 „ 1 „ „ 2,0 „ „

wobei sich überdieß die unerklärliche Thatsache herausstellt, daß das Poliren eher einen schädlichen als nützlichen Einfluß auf die Absorption auszuüben scheint. Hierbei darf ich nicht unerwähnt lassen, daß das neue Pulver seine Explosionseigenschaft nicht verliert, selbst wenn es sehr naß geworden und dann wieder getrocknet ist, während bekanntlich das alte Pulver seine Explosionskraft verliert, wenn es mehr als 5 Procent Feuchtigkeit absorbirt hatte und dann wieder getrocknet wurde. (Wagner, chemische Technologie.)

6. Es hinterläßt weniger Pulverrauch; derselbe ist leicht, zieht schnell ab und äußert keine nachtheilige Wirkung auf die Gesundheit der Arbeiter, wie Hr. Pinno bei dem großen Versuche zu Staßfurt gefunden hat; auch wird von den Mansfeld'schen Bergwerken dasselbe berichtet.

7. Es ist billiger als gewöhnliches Pulver. Aus dem ad 3 Gesagten geht hervor, daß beim Schießen 4,96 Gramme so viel und noch etwas größere Wirkung hatten wie 5,16 Gramme gewöhnliches Schießpulver. Da nun die Preise dem Gewichte nach gleich seyn werden, wie der Erfinder versichert, so stellt sich das neue Schießpulver im Verhältniß von 30 zu 31 billiger als das alte. Noch auffallender ist der Unterschied beim Sprengpulver. Nach den Untersuchungen des Hrn. Pinno hatten gleiche Volumina vom neuen und alten Pulver gleiche Wirkungen. Es ermittelte sich aber das Gewicht gleicher Volumina des neuen und des gewöhnlichen Staßfurter Sprengpulvers wie 30 : 37 und in diesem Verhältniß wäre also das neue Sprengpulver billiger. Beispielshalber wird man daher in Staßfurt statt wie bisher 50,000 Kilogramme altes nur 41900 Kilogr. neues Pulver jährlich brauchen, was beim Preise von 12 Thlrn. pro 50 Kilogr. eine Ersparniß von 2000 Thlrn. ergibt.“

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„Wenn ich in Vorstehendem alle günstigen Urtheile zusammengestellt habe, welche die Güte der Erfindung auf's Unzweifelhafteste documentiren, so will ich nunmehr auch nicht unterlassen, die umgekehrten Beurtheilungen zu erwähnen, welche dem Erfinder von verschiedenen Seiten zugegangen sind, denn gerade sie sind im Stande, das klarste Licht über die Vortrefflichkeit des Pulvers zu verbreiten.

Man hat gefunden, daß im stark zerklüfteten Gestein das Sprengpulver eine unbefriedigende Wirkung äußert; ebenso hat man umgekehrt im festen Conglomerat des Rothliegenden bei gleichem Volumen einen geringeren Effect mit dem neuen Pulver erzielt; man hat ferner bei den ersten Schießversuchen zu Bouchet die Kugel kaum aus dem Laufe getrieben und erst allmählich die oben erwähnte Geschwindigkeit erreicht,