Text-Bild-Ansicht Band 182

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und endlich hat man und wird noch bei Gewehren mit langem engen Zündcanal viele Versager erhalten. Gegenüber solchen Ergebnissen muß an die zwei wichtigen Eigenschaften des Pulvers erinnert werden, daß es um so vollkommener explodirt, je dichter der Luftverschluß ist und daß es schwer entzündlich ist. Es folgt daraus: 1) Im stark zerklüfteten Gestein wird es keine bessere, vielleicht noch geringere Wirkung als gewöhnliches Pulver zeigen. – 2) Man schoß in festem Conglomerat mit Raketen, nicht mit Zündschnur; nur letztere ist anwendbar, wenn man nicht einen guten Theil der Wirkung verlieren will, denn die Schnur stellt einen vollkommenen Verschluß des Bohrlochs her, was bekanntlich bei der Rakete nicht stattfindet. – 3) Als man die ersten Versuche in Bouchet anstellte, lud man in der gewöhnlichen französischen Manier, d.h. ziemlich lose. Erst allmählich verstärkte man die Pfropfen und setzte den Ladstock kräftiger auf; dann aber erreichte man auch die hohe Geschwindigkeit des Geschosses. – 4) Beim Laden der Flinten und Büchsen mit langem engem Zündcanal rollt das Pulver gewöhnlich nicht bis in das Piston, weil es in unpolirtem Zustande eckigkörnig angewendet wird. Dann aber ist das Feuer des Zündhütchens nicht im Stande, bis in die Pulverkammer zu dringen und dort das Pulver zu entzünden; daher erklären sich die vielen Versager. Es folgt aber hieraus nicht etwa, daß das Pulver schlecht, sondern nur, daß es für die gewöhnlichen Gewehre nicht geeignet ist. Bei Hinterladungsgewehren hat das Pulver noch niemals versagt, und da letztere sich immer größere Verbreitung verschaffen, so dürfte obiger scheinbarer Vorwurf des neuen Pulvers immer seltener gehört werden.“

Nachschrift.

In der österreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, Nr. 41 und 43, theilt Hr. Carl Cerny, k. k. Bergwerks-Praktikant in Pribram, „einige Erfahrungen über die Wirkungen des Haloxylins als Sprengpulver“ mit. Wir entnehmen seinem Berichte das Nachstehende über die chemische Zusammensetzung des neuen Sprengpulvers:

„Das Haloxylin löst sich im Wasser mit Zurücklassung eines schwarzen Rückstandes zu einer bräunlichen Flüssigkeit auf, und ist schwefelfrei. Eine qualitative Untersuchung ergab neben einer unvollkommen verkohlten, für sich mit Flamme brennbaren Kohle, eine vorwaltende Menge salpetersauren Kalis, dessen wässeriger Auszug eine sehr geringe Menge Cyankalium und Kaliumeisencyanür nebst etwas braunem Extractivstoff enthält. Das Verhältniß von Kohle zum Salpeter wurde beiläufig mit 22 : 78 bestimmt. Es nähert sich dieses Verhältniß dem eines Sprengpulvers von der Zusammensetzung 62 Salpeter, 18 Kohle, 20 Schwefel, mit Auslassung des Schwefels. Mit Umrechnung der Kohle auf 78 Salpeter, ergibt sich aus der Proportion:

KO, NO⁵ : C = KO, NO⁵ : C
62 : 18 = 78 : x
x = 22 Kohle.

Die Anwesenheit des kaum 1 Procent betragenden Cyans ist der Gesundheit durchaus unschädlich, weil Haloxylin wegen des entfallenden Schwefels im Vergleich zum gewöhnlichen Sprengpulver überschüssig viel Sauerstoff enthält, welcher, so wie er keine Spur Kohle unverbrannt zurückläßt, jene noch leichter als Kohle brennbaren Cyanverbindungen desto leichter zu unschädlichen Gasen und Dämpfen vollkommen verbrennen kann. Je feuchter der Ort, wo der Schuß weggethan wird, desto schneller condensiren sich die Verbrennungsgase und desto durchsichtiger ist der Rauch.

Das Haloxylin kann im freien Raume ganz ohne Gefahr einer Explosion angezündet werden; es verbrennt dabei mit rothvioletter Flamme langsam von oben nach unten zu, ähnlich wie eine bengalische Zündmasse unter Entwickelung eines weißgrauen Rauches, und hinterläßt gelblichweiße Kügelchen als Rückstand, welche auf der Zunge einen sehr ätzenden, dem kohlensauren Kali ähnlichen Geschmack haben. Im Bohrloche verbrennt es vollständig, ohne die Bohrlochswände zu schwärzen.

Die Verbrennungsgase wirkten auf mich säuerlich ein, etwa so wie sehr schwache Dämpfe von Untersalpetersäure einwirken.

Im Bohrloch entzündet sich das Haloxylin, sey der Besatz noch so fest aufgesetzt, deutlich langsamer als das gewöhnliche Pulver. – Beim Treffen des richtigen Maaßes