Text-Bild-Ansicht Band 182

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Für den technischen Betrieb ist es nothwendig Folgendes zu beachten:

  • 1) ein vollständiges Knirschen der Samen;
  • 2) die Behandlung des geknirschten Samens im Extractionsapparat bei Siedhitze des Lösungsmittels;
  • 3) vollständige Trennung des Lösungsmittels von den fetten Oelen;
  • 4) Entfernung der Extractionsflüssigkeit aus dem Samenrückstand.

Das Knirschen der Samen geschieht in besonders dazu hergerichteten Mühlen, welche in 12 Stunden 60 bis 70 Zollcentner geknirschten Samen liefern können.

Die Extractionsapparate haben einen Fassungsraum von 150 bis 200 Pfd. Zollgewicht und die Extraction ist in 1 1/2 bis 2 Stunden beendet.

Die Separationsapparate zur Trennung des Canadols von den fetten Oelen werden mit Dampf geheizt und das Oel schließlich durch Abblasen von den letzten Spuren des Lösungsmittels befreit.

Der Samenrückstand wird in dem Extractionsapparat von dem Lösungsmittel getrennt.

Der vermittelst Canadol ausgezogene Samenrückstand.

Dieser Samenrückstand hat frisch eine grünlichgelbe Farbe und kann durch eine einfache Beutelmaschine in Mehl und Kleie getrennt werden.

Durch Behandlung mit siedendem Alkohol erhält man aus diesem Rückstand Harz, Wachs und Chlorophyll nebst geringen Mengen Oel; man kann aus demselben sogenanntes Sinapin darstellen.

Wird der Samenrückstand mit Wasser zu einem dünnen Brei angemengt und bis auf 20–30° R. erwärmt, so entwickelt sich ätherisches Senföl.

(Der mit Alkohol behandelte Rückstand liefert kein ätherisches Senföl mehr, da ihm der zur Bildung desselben nöthige Gehalt an Sinapin fehlt.)

Sowohl der Samenrückstand, wie auch das aus demselben erhaltene Mehl kann als Viehfutter Verwendung finden und wird zu dem Ende mit heißem Wasser angebrüht, resp. gekocht, wobei alsdann das Senföl entweicht und die Freßlust der Thiere nicht mehr beeinträchtigen kann.

Dr. H. Vohl.