Text-Bild-Ansicht Band 182

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II. Ueber die Bestandtheile und die Benutzung des in den Weizenstärke-Fabriken abfallenden Wassers.

Die aus den Weizenstärke-Fabriken abfließenden Wässer sind nicht allein durch ihren unangenehmen Geruch für die Nachbarschaft höchst belästigend, sondern es ist auch die Einwirkung der Ausdünstungen derselben auf die Gesundheit der Umwohnenden eine höchst schädliche, so daß der Ausfluß derselben in die offenen Straßenrinnen in sanitätspolizeilicher Hinsicht nicht gestattet werden darf. Ebensowenig dürfen dieselben ohne Weiteres den öffentlichen Canälen zugeführt werden, da sie hier theils ein Verschlammen, theils die Verbreitung eines unausstehlichen Gestankes in Folge einer weiteren Fäulniß des aufgelösten Klebers hervorrufen.

Einer zweckmäßigen Behandlung unterworfen, können jedoch diese stinkenden Wässer auf verschiedene Weise unschädlich und zu Gute gemacht werden.

Schon zu Anfang des Jahres 1840 wurde von der Société d'Encouragement in Paris ein Preis von 3000 Francs für die Angabe von Mitteln zur Beseitigung dieser Uebelstände ausgeschrieben. In Folge dessen erschien bald nachher eine Arbeit von Leduc, welche mit einer Prämie von 500 Francs honorirt wurde; der Rest des Preises von 2500 Francs blieb bis zum Jahre 1843 zur Concurrenz bestehen, da das Verfahren von Leduc nicht in jeder Hinsicht ausreichend war; meines Wissens haben keine weiteren Bewerbungen stattgefunden und ist diese Angelegenheit bis jetzt unerledigt geblieben.

Um mit der Unschädlichmachung zugleich eine nutzbringende Verwerthung zu verbinden, ist vor allen Dingen die genaue Kenntniß der Bestandtheile dieser abfallenden Wässer erforderlich.

Eine derartige genaue Untersuchung dieser Wässer wurde von mir im Interesse eines hiesigen Stärkefabrikanten, welcher bei der Anlage einer neuen Fabrik die abfallenden Wässer dem hiesigen städtischen Canale zuführen wollte, ausgeführt.

Die Fabrication des Stärkemehls aus Weizen zerfällt, abgesehen von dem Formen (Patentstärke) und Trocknen desselben, in drei Hauptoperationen:

1) Aufquellenlassen des Weizens unter Wasser;

2) Zerquetschen des gequollenen Weizens und

3) Ausschlämmen des Stärkemehls aus dem Weizenbrei.

Das Aufquellen des Weizens wird in großen Bottichen oder Kufen vorgenommen und dauert, je nachdem die Witterung warm (Sommermonate) oder kalt (Wintermonate) ist, etwa 14 Tage oder 3 bis 4 Wochen.