Text-Bild-Ansicht Band 182

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Während dieser Zeit wirkt das Wasser in der Art auf den Weizen ein, daß eine saure Gährung resp. eine Art Fäulniß entsteht, bei welcher sich Kohlensäure, Sumpfgas und geringe Mengen Schwefelwasserstoff entwickeln.

Diese sich entbindenden Gase sind mit den flüchtigen Zersetzungsproducten des Klebers geschwängert; sie enthalten also Essigsäure, Buttersäure, Valeriansäure etc. und verdanken diesen Bestandtheilen und dem Schwefelwasserstoff ihren unangenehmen Geruch. Die Gase, welche für die Nachbarschaft höchst belästigend werden können und außerdem auf die Gesundheit mancher Individuen schädlich einwirken, müssen aus den Arbeitsräumen entfernt und unschädlich gemacht werden. Man bewerkstelligt dieses am besten durch Ableitung unter den Rost einer Feuerung (z.B. unter den Rost der Dampfkesselfeuerung oder den der Trockenstube).

Das bei dem Aufquellen abfallende Wasser, das Quellwasser (auch Sauer- und Setzwasser genannt), sowie das erste Schlämmwasser des gequetschten Weizens haben eine schwach gelbe Farbe und sind schwach getrübt; sie besitzen einen höchst unangenehmen Geruch nach altem faulendem Käse und reagiren beide stark sauer.

Zur Untersuchung wurde das Gemisch von Sauer- und Schlämmwasser einer Partie Weizen verwendet, in dem Verhältniß wie es sich bei der Fabrication ergibt. Das Quantum betrug circa 100 Liter.

Der Abdampfrückstand dieser Mischung, welcher einen auffallend ähnlichen Geruch nach thierischem Leim besitzt und eine klebrige Masse bildet, gibt beim Erhitzen, nachdem das Wasser verdunstet ist, einen höchst unangenehmen penetranten Geruch nach verkohlenden Thiersubstanzen (Horn oder Haaren).

Das Wasser direct mit Alkalien im Ueberschuß versetzt, entwickelte ammoniakalische Dämpfe neben einem unerträglichen Fischgeruch (Häringslacke).

Die Asche des Abdampfrückstandes bestand zum größten Theil aus den in Milch- und Essigsäure löslichen, phosphorsauren alkalischen Erden und Alkalien, neben geringen Mengen von Chloriden der Alkalien, Eisenoxyd, Spuren von Mangan und schwefelsauren Salzen (Gyps).

Zum Nachweis der in diesen Wässern enthaltenen organischen Verbindungen, der Säuren und Basen, wurden 100 Liter der gemischten Flüssigkeit (Sauer- und Schlämmwasser) mit dünner Kalkmilch neutralisirt und der Destillation bei guter Kühlung unterworfen. Der Destillations- resp. der Kühlapparat war so hergerichtet, daß das Auffangen der sich während der Destillation entbindenden Gase ermöglicht war.