Text-Bild-Ansicht Band 181

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eine wesentliche Erleichterung des Betriebes gewähren wird. W. Bender. (Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins, 1866 S. 104.)

Eisenbahnschienen aus Bessemermetall in Oesterreich.

In den „neuesten Erfindungen“ gibt Hr. J. Schlegel eine Berechnung bezüglich der Anwendung von Eisenbahnschienen, deren Verbindungslaschen, Mittel- und Stoßplatten, Bolzen und Nägel aus Bessemermetall bestehen. Er schreibt: Die Kaiser Ferdinands Nordbahn hat ein großes Quantum von Schienen, ganz aus Bessemermetall bestehend, zur Anfertigung in Bestellung gegeben. – Das Profil ist die Vignoleschiene und im Ganzen eine Verjüngung des Südbahn-Schienenprofils bei gleichgebliebener Höhe und Verschwächung des Kopfes, des Stingels oder Steges und des Fußes. Das ältere Profil wiegt per 1 Currentfuß 19,96 Pfund österr. Gewicht oder 22,35 Pfd. Zollgewicht. Das Profil der Bessemermetallschiene wiegt per 1 Currentfuß 17 Pfd. österr. Gewicht oder 19,04 Pfd. Zollgewicht; es ergibt sich somit eine Gewichtsdifferenz per Currentfuß von 3,31 Pfd. oder per Stück Schiene von 21 Fuß Länge = 69,51 Pfd., und da auf 1 Meile Bahn 2528 Stück Schienen jede zu 21 Fuß Länge entfallen, so ergibt sich in Zollcentnern gerechnet pro Meile eine Gewichtsersparung von 1758 Zollcentnern, mithin ein Verhältniß mehr wie 8 zu 7. Es mögen der Gründe vielleicht mehrere obgewaltet haben, warum sich die Nordbahn veranlaßt fand, dieses Profil und Gewicht für Schienen aus Bessemermetall vor der Hand zu wählen.

Nach den früheren Proben darf man jedoch annehmen, daß bei sonst entsprechender Schienenform ein Verhältniß von Eisen gegen Bessemermetall wie 8 zu 5 mehr als ausreichen sollte, und wäre es gewiß von großem praktischen Werthe, wenn zum Versuche derlei kleinere Schienen aus Bessemermetall in Gebrauch kämen, um zur Ueberzeugung ihrer Widerstandsfähigkeit zu gelangen. Bei dem Verhältnisse des Eisens zum Bessemermetall wie 8 zu 5 müßte nach der bestehenden Profileisenschiene per Fuß von 22,35 Pfd. Zollgewicht die Bessemermetallschiene ein Gewicht per Fuß von 14,955 Pfd. Zollgewicht erhalten; es würde demnach an Schienengewicht gegen Eisen pro Meile weniger ausfallen um 3902 Zollcentner. Von Wesenheit auf Qualität der Schienen ist die leichtere oder schwierigere Form für die Erzeugung; da hiervon das mehr oder weniger Pressen (Dichtmachen) des Schienenkopfes abhängt, und bei Vignoleschienen an sich schon der Körper des Kopfes weniger als alle übrigen Theile gedrückt werden kann, und je höher das Schienenprofil ist, desto weniger senkrechter Druck auf den Kopf ausgeübt wird. Das Gesagte erweist am besten die Bruchfläche einer Bessemermetall-Vignoleschiene. Das gröbere Korn zeigt der Kopf, das seinere der Stingel und das feinste die Ausläufer des Fußes, was auch Jedem einleuchtend seyn muß, wenn er die Querschnitte oder Profilirung der Walzenkaliber einer Prüfung und Flächenberechnung unterzieht; denn die Thatsache kann nicht bestritten werden, daß z.B. Stahlstangen von zwei Zoll bis herab auf drei Quadrat-Linien aus ein und demselben Materialstück ausgeschmiedet oder ausgewalzt, ein immer zunehmend feineres Korn im Bruch zeigen werden und müssen, also an Dichtheit zunehmen. Die Form der Vignoleschiene läßt nun einmal keine andere Wahl, als das Pressen oder den Druck ungleich ausüben zu müssen, und zugleich erwächst mit der größeren Höhe dieser Schienen auch die Erzeugungsschwierigkeit, und zwar in beiden Manipulationsstadien, nämlich beim Walzen, sowie beim Adjustiren; was denn doch auch auf den Preis der Schienen von Einfluß ist. Man kann übrigens mit dem früher projectirten Vignoleschienenprofil von 15 Pfd. Zollgewicht einen ebenso ziemlich richtigen Ueberschlag nachweisen, wozu Detailrechnungen anerkannt hervorragender Eisenbahn-Ingenieure als Leitfaden dienen, wobei allerdings die Eisenpreise gegen damals bedeutend abweichen und sich keine so große Differenz gegen das Bessemermetall, wie z.B. in England, ergibt, wo man gegenwärtig für Schienen aus Bessemermetall für den Zollcentner 9 fl. 30 kr. österr. Währung bezahlt, während dort die gewöhnlichen Eisenschienen um 4 fl. und 4 1/2 fl. verkäuflich waren. Ob übrigens bei Anwendung der oben bezeichneten Vignoleschienen aus Bessemermetall von 15 Pfd. per Currentfuß an Mittelschwellen erspart werden dann, z.B. bei 21 Fuß Länge statt 6 nur 5, müßte die Erfahrung lehren; nach den