Text-Bild-Ansicht Band 180

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vorausgesetzt wird. Wird solcher Graphit auch auf das Allerfeinste zerrieben, so hängt gleichwohl dem kleinsten Ständchen ein entsprechendes Quantum Asche an, und es ist klar, daß in einem solchen Falle der Schlämmproceß völlig wirkungslos bleiben muß. Directe Versuche zeigten, daß durch den allersubtilsten Schlämmproceß Graphiten, denen Asche innig beigemengt ist, von letzterer auch nicht ein Procent entzogen werden kann. Um viel weniger ist ein Resultat demnach von den im Großen zumeist in höchst primitiver Weise ausgeführten Schlämmungen zu erwarten.

Die Anwendung chemischer Manipulationen zur Reinigung des Graphites wird den Export in diesem Artikel, der bis jetzt fast allein von Böhmen aus betrieben wird, auch für andere inländische Bergbau-Unternehmungen ermöglichen. Für die in Rede stehenden Baue in Niederösterreich dürfte aber ein solches Unternehmen um so leichter durchführbar seyn, da erstlich das natürliche Vorkommen theilweise von Natur aus schon hochwerthig ist, anderseits aber die Raffinirung, wie gezeigt wurde, sich als mit geringen Schwierigkeiten ausführbar zeigte. Durch Reinigung auf chemischem Wege läßt sich endlich aus unseren österreichischen Graphiten mit nicht allzu großen Kosten ein Product erzielen, welches sich wie irgend ein anderes zur Bleistift-Fabrication eignet; seit dem Versiegen der Graphitgruben in Cumberland bestand das Vorurtheil, daß für Bleistift-Fabrication nur mehr der böhmische Graphit geeignet sey. Wie ungerechtfertigt diese Ansicht ist, zeigt aber zur Evidenz das Resultat des angeführten Versuches mit den Graphiten von Brunn-Taubitz, aus welchen mit Leichtigkeit die Äsche bis auf den geringen Rückstand von 2 Proc. entfernt werden konnte. – Vorgetragen in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 6. Februar 1866. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1866, Nr. 12.)

Ueber einen in Oesterreich entdeckten Bauxit.

In der vorjährigen November-Versammlung des Vereins für Gewerbfleiß in Preußen legte Hr. Berg-Assessor Dr. H. Wedding eine Probe des neuerdings in Oesterreich entdeckten Bauxits, welche er durch die Gefälligkeit des Hrn. M. v. Lill in Wien erhalten, vor. Das Mineral tritt in einem Lager in der Wochein (Krain) auf, 1500 Fuß über der Thalsohle. Es besteht aus einer erdigen Grundmasse von schmutzig röthlich-gelber Farbe, welche von Adern einer dichten rothbraunen Substanz mit muschligem Bruche durchzogen ist. Nach einer in der österreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen (1865, Nr. 35) mitgetheilten Analyse enthält:

Die Grundmasse. Das rothbraune Material.
Kieselsäure 6,30 5,30
Thonerde 58,02 34,88
Eisenoxyd 8,80 40,62
Manganoxyd Spur Spur
Kalkerde 0,65 0,50
Magnesia 0,20 0,45
Schwefelsäure 0,49 0,11
Phosphorsäure 0,25 0,10
Wasser 25,20 17,75
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99,91 99,71

Es ist ersteres daher hinsichtlich seines Thonerdegehalts dem französischen Bauxit gleichstehend zu erachten, hat aber einen höheren Kieselsäuregehalt als dieser. Das letztere bildet einen Uebergang zum Brauneisenstein und stellt sich dem irischen Bauxit an die Seite. Obwohl wegen der örtlichen Lage die Entdeckung für Oesterreich in nächster Zeit kaum eine große Bedeutung erlangen dürfte, so liegt ein großes allgemeines Interesse in der abweichenden Structur. Während der (in diesem Verein bereits früher von dem Vortragenden vorgelegte) Bauxit von Baux (Frankreich) und Antrun (Irland) conglomeratartig ist, zeigt der vorliegende Bauxit reine erdige, dichte Structur. Dieß dürfte ein Beweis seyn, daß die Structur allein nicht maaßgebend ist, und die Hoffnung vergrößern, unter den preußischen Brauneisensteinen gleichfalls Bauxit zu finden. (Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1865 S. 127.)