Text-Bild-Ansicht Band 178

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die sich nach Bedürfniß erneuern läßt. Dieser Kessel steht mit einer Reihe von Waschgefäßen in Verbindung, welche kalt erhaltenes Wasser enthalten. Das Ganze ist so angeordnet, daß man zwischen diesem Kessel und den Waschgefäßen nach Belieben eine Tonne von Eisenblech einschalten kann.

Erhitzt man nun den Kessel, so zieht das aus demselben entwickelte Gas durch die Tonne und vertreibt aus dieser die Luft. Letztere entweicht bei ihrem Durchzuge durch die Waschgefäße und hinterläßt darin das Ammoniak, welches sie mitgerissen hatte. Nachdem die Operation einige Minuten lang fortgesetzt worden ist, besteht die innere Atmosphäre der Tonne ausschließlich aus Ammoniakgas. Um den Wiedereintritt von Luft zu verhindern, kann man die Tonne unter einem höheren Druck als dem der Atmosphäre mit dem Gase beschicken: dabei kann man sich auch leicht von dem dichten Zustand der Wände versichern, indem man einen mit Salzsäure benetzten Glasstab denselben annähert, um zu sehen, ob durch entweichendes Ammoniakgas Salmiaknebel entstehen.

Man kann nun die Tonne, wenn man will, an den Ort fahren, wo sie benutzt werden soll, um sie daselbst mit der zu entleerenden Grube in Verbindung zu setzen. Bis zur Benützung der so vorbereiteten Tonne kann man acht Tage und noch mehr Zeit verstreichen lassen, unterdessen bleibt der innere Druck derselben immer gleich demjenigen der Atmosphäre, wenn er nicht größer ist.

In der an die Grube gefahrenen Tonne wird auf folgende Weise die Luftleere hergestellt, damit sie die Latrinenmasse aufsaugt: Ueber der Tonne ist ein kleiner Recipient angebracht, welcher einige Liter Wasser enthält und den man mittelst eines Hahns mit dem Innern derselben in Verbindung setzen kann; man öffnet diesen Hahn, das Wasser fließt in die Tonne und absorbirt sehr rasch das in derselben enthaltene Gas (es sind etwa 6–7 Liter Wasser per Kubikmeter erforderlich), wodurch augenblicklich die Luftleere erzeugt wird, welche bewirkt, daß nach dem Oeffnen eines Hahnes die Tonne in zwei bis drei Minuten mit der aufgesaugten Latrinenmasse gefüllt ist.

Damit das angewandte Ammoniak nicht verloren geht, sammelt man die gebildete Auflösung in einem unteren Behälter, welchen man von der Tonne durch einen Hahn absperrt, ehe die Latrinenmasse aufgesaugt wird.

Wie man sieht, beschränken sich die Kosten dieser Operation fast auf den Werth der Kohle, welche erforderlich ist, um das Ammoniak aus der wässerigen Lösung wieder auszutreiben; der Aufwand hierfür dürfte im Großen nur 4–5 Centimes per Kubikmeter betragen.12)

In der Anwendung des Ammoniaks hat somit die Industrie ein Mittel zur leichten und augenblicklichen Erzeugung der Luftleere, welches sich um so mehr benutzen läßt, da das Ammoniak gewisse Metalle gar nicht angreift.“

Desinfection von Senkgruben nach dem Müller-Schür'schen System.

Von allen Vorschlägen, die in neuerer Zeit behufs der Desinfection von Senkgruben gemacht worden sind, verdient das vollständig praktische Desinfectionssystem des Prof. A. Müller in Stockholm, das durch Dr. O. Schür in Stettin wesentlich verbessert wurde, die größte Aufmerksamkeit und praktische Verbreitung. Das angewendete

12)

In Leipzig wird statt der Grubenreinigung durch Pumpen schon seit einiger Zeit die Methode angewandt, daß luftleer gemachte Eisenblechkessel an die Grube gefahren werden, welche dann nach dem Oeffnen eines Hahnes die Latrinenmasse aufsaugen. Um einen solchen Kessel luftleer zu machen, wird er mit einem Dampfkessel in Verbindung gesetzt und der Dampf von etwa 1 1/2 Atmosphären Spannung so lange durchgeleitet, bis alle Luft aus dem Kessel verdrängt ist, was sich in sehr kurzer Zeit erreichen läßt. Alsdann werden alle Hähne am Kessel geschlossen, in welchem sich nun bei der Abkühlung desselben dadurch, daß die Wasserdämpfe sich verdichten, ein luftleerer Raum bildet. Dieses Abkühlen geschieht in der Zeit, welche zur Beförderung des Kessels an die zu räumende Grube gebraucht wird. Auf dem Kessel ist ein Luftdruckzeiger angebracht, welcher dazu dient, um einerseits zu sehen, ob der Kessel auch luftleer ist, dann aber auch zur Beobachtung des Zeitpunktes dient, wann der Kessel voll ist. Die Zeit, welche ein solcher Kessel braucht, um 100 Kubikfuß Latrinenstoff aufzusaugen, ist nur 10 Minuten.

Anm. d. Red.