Text-Bild-Ansicht Band 178

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zieht aus seinen Petroleumquellen eine jährliche Nettorevenue von 150000 Pfd. Sterl. oder 1 Million Thaler.

Schon seit den ältesten Zeiten ist das Vorkommen von Petroleum in den verschiedensten Theilen der Welt bekannt. Herodot erwähnt eine solche Quelle in Zante und Dioscorides berichtet, daß die Einwohner von Agrigent in Sicilien es gesammelt und auf Lampen gebrannt haben. In Baku in Georgien, in Rangoon in Birma wird es schon seit Jahrhunderten gewonnen. Sonstige Vorkommnisse sind Amiano (Parma), St. Zibio (Modena), Neuschatel (Schweiz), Clermont (Frankreich), Val di Noto (Sicilien), Tegernsee (Bayern), endlich Zante, Galizien, Wallachei, Barbados u.s.w.

In Amiano gewinnt man das Petroleum seit etwa 200 Jahren, indem man einfache Schachte gräbt und das aussickernde Oel in Gefäßen auffängt, die am Boden des Schachtes eingegraben sind. Es wurde im ungereinigten Zustande zur Straßenbeleuchtung in Parma und Genua benutzt.

Zu Baku dringen auf einer Strecke von geringer Ausdehnung (12 engt. Quadratmeilen) große Quantitäten von brennbaren Gasen und Petroleum zur Oberfläche. Dieselbe besteht aus einem porösen thonigen Sandsteine der Tertiärformation, der voll von fossilen Muscheln ist. Das in ganz ähnlicher roher Weise gesammelte Oel ist im Innern des fraglichen Districts hellgelb gefärbt, während es nach den Rändern zu immer dunkler wird, und endlich in Asphalt übergeht. Die jährlich gewonnene Quantität wird auf circa 800,000 Thlr. Werth geschätzt. In einem großen Theil von Persien bedient man sich desselben ausschließlich zur Beleuchtung. Auch in Rangoon ist die Petroleumgewinnung sehr alt und sehr ausgedehnt. Es sollen 520 Quellen vorhanden seyn, von denen jede im Durchschnitt 175 Fässer zu 950 Pfd. liefert. Man braucht das Oel zur Beleuchtung in Vorder- und Hinterindien, zur Conservirung der Bauhölzer und zu Heilzwecken. In Price's Candle Works zu Battersea werden große Massen davon zu Photogen und Paraffin verarbeitet.

In Nordamerika war das Petroleum den Seneca-Indianern bekannt, und die Tradition lautet dahin, daß einer ihrer Häuptlinge vom großen Geist im Traume nach dem Fundorte gewiesen, wo er eine Flüssigkeit aus der Erde schwitzend finden werde, die für seinen Stamm ein heilender Balsam seyn werde. Das Seneca-Oel findet sich noch heute in den Apotheken Nordamerikas und wird gegen Hautkrankheiten und Rheumatismus gebraucht.

Als die Weißen die den Indianern abgenommenen Ländereien in