Text-Bild-Ansicht Band 178

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Es ist nicht zweckmäßig, eine sehr starke Lösung zur Untersuchung zu wählen, obwohl sich in dieser Beziehung keine allgemeine Regel aufstellen läßt. Wenn das Biot'sche Gesetz streng richtig ist, daß die Größe der Drehung, welche dieselbe Substanz aus die Polarisationsebene der verschiedenen einfachen Strahlen bewirkt, proportional dem Quadrat der entsprechenden Exponenten ist, so kann die anzuwendende Lösung um so stärker seyn, je weniger verschieden die Exponenten der zu untersuchenden und der compensirenden Flüssigkeit sind. Ist die erstere eine Zuckerlösung und die letztere Terpenthinöl, so kann man ohne Nachtheil eine Lösung anwenden, welche in jedem Kubikzoll 30 Grains Zucker29) enthält.

Dieses Polarisationsinstrument ist vielfacher Anwendung fähig. So hat z.B. der Berichterstatter dasselbe zur Untersuchung von Terpenthinöl angewandt. Französisches und amerikanisches Terpenthinöl haben nämlich entgegengesetztes Rotationsvermögen, während die Ersatzmittel dafür, nämlich die Producte aus amerikanischen Erdölen, ganz unwirksam auf den polarisirten Lichtstrahl sind; man kann daher nicht allein eine qualitative, sondern selbst eine quantitative Untersuchung ausführen.

C. Tichborne.

 Miscellen.

Ueber die Verwitterung oder von selbst erfolgende Zersetzung der Stein- und Braunkohlen und ihren Einfluß auf die Heizkraft derselben.

Aus den von Grundmann mit Steinkohlen angestellten Versuchen, sowie aus Barrentrapp's Untersuchungen über das Verhalten von Braunkohle gegen atmosphärische Luft (polytechn. Journal Bd. CLXXV S. 156) ergibt sich die unbestreitbare Thatsache, daß Stein- und Braunkohle beim massenhaften Lagern an freier Luft durch eine Art von Verwitterung, in Folge eines langsamen Verbrennungsprocesses einen Verlust an gasförmig entweichendem Kohlenstoff erleiden, der unter bestimmten Umständen über die Hälfte des gesammten Kohlenstoffgehaltes vom Brennmaterial betragen kann. Auch in England ist diese Thatsache erkannt, aber allgemein noch zu wenig gewürdigt worden. Wenn deutsche Kohlenhändler bekannt machen, daß die von ihnen gelieferte Kohle durch längere Einwirkung der Luft nicht an Güte verliere, so pflegen die Newcastler Kohlenwerksbesitzer bei jeder Verschiffung von Steinkohlen eine Bescheinigung auszustellen, daß das verladene Kohl „frisch gefördert“ sey – offenbar eine stillschweigende Anerkennung der Thatsache, daß auch die Newcastle-Kohle, gleich allen anderen Mineralkohlen, durch längeres Aufbewahren bei Luftzutritt an Güte, d.h. an Brennwerth oder Heizkraft, verliert.

In der Einleitung zu seiner Abhandlung „über die Bestimmung der Heizkraft der Steinkohle“ (im London Journal of arts, Juni 1865, S. 321) unterscheidet L. Thompson, dem wir bereits verschiedene, von Ure benutzte, allein allem Anscheine

29)

Also eine Lösung von etwa 11 Proc. Zuckergehalt.

A. d. Red.