Text-Bild-Ansicht Band 178

Bild:
<< vorherige Seite

Bei Räumung von Gruben ist nämlich zu zahlen: für jede Kubikelle (5,88 preuß. Kubikfuß) entleerten Stoffes 3–7 Sgr., je nach Lage der Grube und Beschaffenheit ihres Inhalts; bei Abholung von Latrinenfässern, je nach der Zahl, per Stück 7 1/2 bis 10 Sgr.

München mit 175,000 Einwohnern. – Die Aufsammlung der Excremente findet hier ausschließlich in Gruben statt, nach welchen Abfallröhren gehen und die eine Größe von circa 112 Kubikfuß haben. Die auf Wagen ruhenden Gefäße, in welchen die Latrinenstoffe abgefahren werden, sind tonnenförmig gestaltet und aus Holz hergestellt; sie haben einen Inhalt von circa 66 Kubikfuß. Die zwei Abfuhrunternehmer Münchens arbeiten mit zwei verschieden construirten Pumpen; der eine nämlich mit Saug- und Druckpumpen, welche nach Art der Feuerspritzen construirt sind, der andere mit Schiettinger'schen Schieberpumpen92), welche ähnlich wie liegende Dampfmaschinen gebaut sind. Um beim Füllen der Tonnenwagen die sonst entweichenden und übelriechenden Gase für die Umgebung unwirksam zu machen, werden dieselben mittelst eines Apparates verbrannt, welcher aus einem tonnenförmigen Behälter besteht, der zum Theil mit Wasser gefüllt ist und dessen oberer Boden ein Rohr trägt, worin ein kleiner Rost angeordnet ist, auf welchem während des Betriebes ein Holzkohlenfeuer unterhalten wird; nach dem unteren Theile dieses Apparates führt ein, von der Tonne herkommendes Luftrohr, und beim Durchgehen der Luft durch das Feuer wird dieselbe verbrannt.

Was die financielle Seite des Abfuhrwesens in München betrifft, so bezahlen die Hauseigenthümer den Unternehmern, welche an die Stadt keine Abgabe entrichten, für das Abholen von so viel Excrementen als einen Tonnenwagen (66 Kubikfuß) füllen, 2 fl., während die Bauern den Unternehmern für den Inhalt eines Tonnenwagens nur 1 fl. bezahlen. Der größte Theil der Excremente wird in der Umgegend von München von den Bauern und zwar im rohen Zustande verbraucht.

Carlsruhe mit 25,762 Einwohnern. – Für die Bürgerhäuser befindet sich Carlsruhe in Bezug auf die Abfuhr der Dungstoffe in einem noch sehr primitiven Zustande, und bieten hier die städtischen Einrichtungen nichts Bemerkenswerthes dar. Die Aufsammlung der Abtrittsstoffe findet nämlich in Gruben statt, in welche zugleich auch der Straßenkehricht gethan wird, da das Kehren der Straßen den Bürgern obliegt und besondere Fuhrwerke zum Abholen für dieselben nicht existiren. Das Gemenge von Excrementen und Straßenkehricht, eine dicke Masse, wird

92)

Beschrieben im polytechn. Journal Bd. CLXXIV S. 256.