Text-Bild-Ansicht Band 130

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Cylinder, sog vermittelst einer durch eine Dampfmaschine getriebenen Luftpumpe die Luft aus dem Cylinder und somit auch aus dem Holze heraus, und ließ nun seine conservirende Flüssigkeit hinein. Natürlicherweise drang diese, ebenso gut wie in den Cylinder, auch in die geöffneten Poren des Holzes, durch den gewaltigen Druck der Atmosphäre getrieben, ein, und imprägnirte dasselbe auf diese Weise durch und durch. Apparate dieser Art sind unter mancherlei Abänderungen gegenwärtig mehrfach in Anwendung, doch überall nur zum Imprägniren von Bahnschwellen. Auch hier in Spandau befindet sich eine solche Anstalt, welche die Schwellen für die Hamburger Eisenbahn unter gutem Fortgang präparirt.

Die Sache ist also abgemacht. Aber bedenkt man, daß auf diese Weise nur Hölzer von etwa zehn Fuß Länge imprägnirt werden können, daß dazu ein großer eiserner Cylinder gehört, daß eine Luftpumpe von erheblichem Caliber dabei thätig seyn, daß eine Druckpumpe zuletzt den Atmosphärendruck unterstützen, und das Ganze durch eine Dampfmaschine betrieben werden muß, so kann man sich des gleichzeitig auftretenden Bedenkens nicht erwehren, daß dieser Weg weder der einfachste ist, noch daß er überhaupt genügt, wenn man Bauholz von circa 40 Fuß Länge vor Augen hat. Stellt man gar endlich die Frage, ob die gedachte Methode des Imprägnirens auch der ländlichen Bevölkerung zu Gute kommen kann, so muß man dieselbe entschieden verneinen.

Wenn also auch Payne's Methode die Sache um einen Schritt weiter gebracht und die Eisenbahnverwaltungen in den Stand gesetzt hat, ihre Bahnschwellen bis auf die längste Zeit hinaus zu conserviren, so ist der ländlichen Bevölkerung daraus doch nicht der geringste Nutzen erwachsen. Und doch bedarf gerade die Bevölkerung des platten Landes Vorzugsweise eines Schutzmittels gegen das schnelle Verderben des hier in so großen Quantitäten erforderlichen Nutz- und kleinen Bauholzes.

Dieß veranlaßte mich, zunächst unter bescheidenen Anforderungen, Versuche dieser Art auch meinerseits in die Hand zu nehmen. Ich ging von da aus weiter, wo Boucherie stehen geblieben war, d.h. wo er die Mitwirkung der sogenannten Lebenskraft aufgegeben hatte. Die Mitwirkung dieser Kraft schien mir überhaupt sehr problematisch, besonders wenn ich berücksichtigte, daß der Baum die giftigsten Substanzen mit derselben Bereitwilligkeit aufnahm wie die indifferentesten. Das konnte die Lebenskraft nicht seyn, die so ohne alle Rücksichten gegen sich selbst verfuhr, es mußte eine andere Kraft seyn, auf deren Geheiß die giftige Flüssigkeit in dem Baum emporstieg – und es war auch eine andere Kraft.