Text-Bild-Ansicht Band 130

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daß die unteren Schnittflächen der Hölzer ins Trockne gerathen, und nun Luft einsaugen, die, wenn sie auch nach erneuertem Aufguß das fernere Aufsteigen der Flüssigkeit nicht verhindert, dasselbe doch verlangsamt. Man halte daher durch täglichen Zuschuß den Stand der Flüssigkeit in den ersten Tagen auf derselben Höhe und im Allgemeinen so lange, bis sich nach einer ungefähren Schätzung übersehen läßt, daß die im Reservoir vorhandene Flüssigkeit hinreichen wird, um die äußersten Spitzen des Holzes zu erreichen und somit den Proceß zu beendigen. Sollen Pfähle welche schon zugespitzt sind, imprägnirt werden, so muß die Flüssigkeit so hoch hinaufreichen, wie die Zuspitzung geht und stets so hoch erhalten werden. Denn wenn auch die Flüssigkeit durch Endosmose von innen nach außen dringt, so erfolgt dieß doch langsam und ist also mit Zeitverlust verknüpft, auch bleibt das Imprägniren der äußeren Holzschichten wohl ganz aus, wenn die Flüssigkeit zu tief unter dem Anfang der Zuspitzung steht.

In Bezug auf die Zeitdauer, in welcher das Aufsteigen der Flüssigkeit erfolgt, ist zu bemerken, daß dieß, wie ich schon erwähnt habe, anfangs schneller vor sich geht als später, und im Allgemeinen abhängig ist von der Temperatur und dem Feuchtigkeitszustand der Atmosphäre, demnächst aber von der größeren oder geringeren Dicke des Holzes. In den ersten drei Tagen steigt die Flüssigkeit gewöhnlich in je 24 Stunden zwei Fuß hoch, später nur anderthalb Fuß und so abnehmend im Verhältniß der Länge des Holzes. Wenn also sechs- bis achtzölliges, zehn Fuß langes Holz in drei Tagen bereits bis zur Hälfte seiner Höhe imprägnirt ist, so dauert es doch 10 bis 12 Tage, bevor es sich bis auf 10 Fuß Länge vollgesogen hat. Kommt es also, wie in den meisten Fällen, nur darauf an, Hölzer, wie Zaunstiele, Baumpfähle u.s.w. vor derjenigen rapiden Zerstörung zu schützen, die sie in und zunächst über der Erde erleiden, so können sie innerhalb dreier Tage vollkommen befähigt werden, jedwedem Angriff der Fäulniß Widerstand zu leisten. Kommt es aber darauf an, die Conservirung des Holzes auf größere Längen auszudehnen, so sehen wir, daß sich die Zeit unbequem mit ins Spiel mischt, daß also andere Maßregeln getroffen werden müssen.

Bevor wir hierzu übergehen, habe ich noch anzuführen, daß es nothwendig ist, sich von Zeit zu Zeit von der Höhe, bis zu welcher die Flüssigkeit vorgedrungen ist, zu überzeugen, damit man das Holz weder zu früh der Flüssigkeit entzieht, noch dasselbe länger als es nöthig ist, darin verweilen läßt. Es ist nicht schwierig, hierüber Gewißheit zu erlangen. Denn hat man eine Kupferauflösung angewandt, welche zwei bis drei Procent Vitriol enthält, so erkennt man schon durch den Augenschein