Text-Bild-Ansicht Band 130

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den Stand der Flüssigkeit im Holze, indem sich dieselbe durch ihre grüne Farbe, besonders in dem ausschwitzenden Harz bei Fichtenholz, hinreichend sichtbar macht. Enthielt die Auflösung jedoch nur 1 Procent, oder neben einem Zinksalz noch weniger Vitriol, so ist das Erkennen schwieriger. In diesem Fall kann man sich durch ein einfaches Reagens helfen. Man löst nämlich ein Loth Cyan-Eisenkalium (Blutlaugensalz) in etwa vier Loth Wasser auf und benetzt hiermit vermittelst eines Pinsels diejenige Stelle, bis zu welcher man die Kupferauflösung vorgedrungen glaubt. Nimmt hierbei die benetzte Stelle nach Verlauf einer Minute eine mehr oder weniger braunrothe Farbe an, so ist sie mit Kupfer durchdrungen; bleibt sie dagegen weiß, so ist die Flüssigkeit noch nicht bis soweit aufgestiegen. Bei Ausführung dieser Probe habe ich noch zu erinnern, daß bei dünnen und sehr langen Stangen das genannte Reagens mitunter keinen rothen Fleck macht, wenn schon die Stange bis soweit imprägnirt ist. Dieß kommt daher, daß zuweilen die äußerste Holzschicht früher ausgetrocknet ist, bevor die Kupferauflösung dahin gelangen konnte. In diesem Fall enthält also die äußerste Schicht kein Kupfer und kann daher auch nicht darauf reagiren; obgleich das Innere des Holzes vielleicht schon längst durchtränkt ist. Um sich aber auch hier zu versichern, bis wie hoch das Holz imprägnirt ist, braucht man nur an der zu untersuchenden Stelle einen Span von einem Achtelzoll Dicke wegzuschneiden und auf der Schnittfläche, also etwas tiefer, das Reagens zu appliciren.

Hat das Holz die Flüssigkeit bis zur gewünschten Höhe aufgesaugt, so ist, wie sich von selbst versteht, der Zweck erreicht, und man hat jetzt nichts weiter zu thun, als die Hölzer aus dem Behälter herauszunehmen und umgekehrt, also das Zopfende nach unten aufzustellen, um der im untersten Theil des Stammendes überflüssig vorhandenen Metallauflösung Gelegenheit zu geben sich mehr zu vertheilen. Nach vierundzwanzig Stunden kann das Holz darauf der ferneren Verwendung übergeben werden.

Wenn das obige Verfahren in den meisten Fällen genügt, um das Holz für landwirtschaftliche Zwecke in einen Zustand zu versetzen, der eine bis jetzt ungemessene Dauer verspricht, so reicht dasselbe noch keineswegs für eigentliches Bauholz hin. Denn da das Aufsaugen der conservirenden Flüssigkeit nur in dem Maaße stattfindet, als die Verdunstung des natürlichen Saftes erfolgt, so würde begreiflicherweise zum Imprägniren von Sägeblöcken eine längere Zeit erforderlich seyn, als man dazu einräumen könnte.

Hier mußte also ein anderer Weg eingeschlagen werden, und da schien mir als der einzig mögliche der der Infiltration oder Verdrängung.