Text-Bild-Ansicht Band 130

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und durch den Temperaturunterschied über und unter Tage entstehen, nicht immer hinlänglich und so bewirkt werden, daß die Wetter in den Grubenbauen gesund und ohne nachtheiligen Einfluß auf die Arbeiter sind und daß sich auch keine explodirbaren Gemische oder schlagenden Wetter bilden.

Es ist daher häufig eine künstliche Wetterführung nothwendig und ihre gehörige Vorrichtung einer der wichtigsten Punkte eines guten Bergbaubetriebes. Man muß sogar sagen, daß ihre Wichtigkeit in dem Maaße größer wird, als die Mittel der Strecken- und der Schachtzimmerung sich vervollkommnen, um mittelst einer gesteigerten Förderung die Productionskosten der gewonnenen Substanzen zu vermindern. Denn es ist klar, daß eine größere Förderung auch im Allgemeinen ein ausgedehnteres Abbau- oder Grubenfeld, eine stärkere Arbeiter-Belegung erfordert, wobei aber zu gleicher Zeit eine stärkere Entwickelung von schlagenden Wettern stattfindet, indem dieselben bis auf einen gewissen Punkt mit der Menge der gewonnenen Kohlen im Verhältniß stehen.

Die künstliche Wetterführung einer Grube wird entweder durch Wetteröfen, oder mittelst verschiedener saugender oder blasender Maschinen hervorgebracht. Die Anwendung der erstem ist älter als die der letztern; sie bilden noch jetzt die einfachsten, die am wenigsten Reparaturen bedürfenden und dadurch Unterbrechungen veranlassenden Mittel, und die einzigen, welche die Schächte, aus denen die Wetter ausziehen, zur Förderung ganz frei lassen. Wenn die Wetteröfen unter den erforderlichen Bedingungen angelegt worden sind, d.h. auf der Sohle hinlänglich tiefer und weiter und so trockener Schächte, daß ihre Wirkung einen gehörigen Wetterzug veranlaßt, so wird ihre Anwendung auch noch fortwährend von Nutzen seyn. In den Steinkohlengruben zu Newcastle in England werden nur Wetteröfen und gar keine Maschinen angewendet.

Der Haupteinwurf gegen die Wetteröfen besteht in der Möglichkeit, daß in denselben eine Explosion veranlaßt werde, oder vielmehr, daß wenn eine solche durch andere Ursachen herbeigeführt worden ist und dadurch die Wetterdämme und Wetterthüren zerstört wurden, schlagende Wetter zum Ofen gelangen und eine zweite Explosion erzeugen. Unser College, Hr. General-Bergwerksinspector und Professor Combes (zu Paris), hat jedoch in seinem Traité de l'exploitation des mines 51) nachgewiesen, daß

51)

Handbuch der Bergbaukunst, oder die Lehre von der Aufsuchung und Gewinnung der nutzbaren Mineralien; deutsche Bearbeitung von Carl Hartmann 2te Aufl. Weimar 1851, Bd. II, S. 120. H.