Text-Bild-Ansicht Band 130

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Die mathematische Theorie der erstem Apparate kennt man jetzt genügend in Folge der Arbeiten des Hrn. Combes; dennoch scheint keine von diesen Maschinen in der Praxis einen Vorzug erhalten zu haben; keine hat bei den zahlreichen Versuchen, die damit angestellt worden sind, ganz genügende Resultate gegeben.

Was nun die Kolben- oder die Glockenmaschinen betrifft und im Allgemeinen diejenigen, welche mit Ventilen versehen sind, so haben sie bei der Anwendung zur Wetterhaltung der Gruben einen Nachtheil, von welchem man sich leicht Rechenschaft geben kann. Um einen hinlänglichen Wetterzug herzustellen, ist es nur erforderlich, in dem Schacht aus welchem die Wetter ausziehen, eine Luftverdünnung herzustellen, die einer Wassersäule von einigen Centimetern Höhe entspricht und gleich der Differenz des Druckes ist, welche unter und über einer Klappe vorhanden seyn muß, damit dieselbe functionirt. Man kann daraus leicht folgern, daß die von dem Motor erzeugte Kraft auf diese Weise ohne Nutzeffect verdoppelt oder verdreifacht werden kann. Nun kann man zwar diesen Verlust sehr vermindern, indem man möglichst viel Klappen anbringt und sie sehr sorgfältig und genau mit Gegengewichten versieht, oder indem man eine den Luftpumpen der Physiker ähnliche Vorrichtung anwendet, wobei die Ventile durch die Bewegung des Apparats selbst, anstatt durch den Druck der Luft gehoben werden. Man könnte auch den Vertheilungsmechanismus mit Schiebern anwenden, wie man ihn jetzt bei den Gebläsen anbringt. Aber selbst bei diesen Verbesserungen würde man den Nachtheil bedeutender Anlagekosten haben, weil die Cylinder und Kolben solcher Maschinen große Dimensionen haben müssen. Zur Wetterführung in einer ausgedehnten Grube ist nämlich eine weit größere Luftmenge erforderlich, als zur Speisung mehrerer Hohöfen.

Diese Mängel und Nachtheile der verschiedenen Wettermaschinen veranlaßten den belgischen Bergingenieur Fabry zu Charleroi, einen neuen Apparat herzustellen, der jetzt in Belgien sehr verbreitet ist und bereits auch im nördlichen Frankreich angewendet wird. Der Erfinder hat denselben der Beurtheilung der Société d'Encouragement unterstellt, die ihn einer Kommission überwies, in deren Auftrag ich diesen Bericht erstatte. Der Fabry'sche Apparat ist in Belgien und Frankreich patentirt und unter der Benennung Roue pneumatique bekannt. Er besteht im Wesentlichen aus zwei horizontalen parallelen Wellen, die mit Flügeln und mit Zahnrädern versehen sind, welche ineinander greifen und sich mit einer gleichen Winkelgeschwindigkeit in zwei Läufen oder Mänteln bewegen, die sie so genau als möglich umfassen.