Text-Bild-Ansicht Band 130

Bild:
<< vorherige Seite

Die Steigungsverhältnisse sind natürlich die günstigsten, da Cairo nur etwa 40 Fuß über dem mittelländischen Meere liegt und das Delta eine fast vollkommene Ebene bildet. Die Höhenlage der Bahn wird daher nur durch die größte Wasserhöhe des Nils bestimmt, wodurch eine durchschnittliche Aufdämmung von 8–10 Fuß entsteht.

Die Planie wird durchgängig für zwei Geleise hergestellt, wovon man anfänglich nur eins legt. Bei der Herstellung im Rauhen erhalten die Dämme anderthalbmalige Böschung, welche später auf zweimalige planirt wird. Man rechnet, daß sich die Dämme um etwa 1/6 setzen. Das Material für dieselben gewinnt man immer in zwei Gruben, welche links und rechts des künftigen Bahnkörpers eröffnet werden. Das Verfahren hiebei ist folgendes: die stärkeren Arbeiter hauen mit einer Breithaue von etwa 5 Zoll Schneide und 10 Zoll Höhe die Erde auf und laden sie mit derselben in Palmkörbe, welche zwischen ihren Füßen liegen und die Gestalt einer halben Sphäre von 15 Zoll Durchmesser mit zwei starken Handhaben haben. Diese beladenen Körbchen nehmen die jüngeren Arbeiter entweder auf den Kopf oder sie tragen sie, gekrümmt gehend und einen Henkel erfassend, auf dem Rücken. An Ort und Stelle angekommen, wird die geschüttete Erde mit derselben Haue wieder auseinander gebreitet, da die Schaufel ein völlig unbekanntes Werkzeug ist. Während der Arbeit lassen besonders diejenigen, welche den Transport besorgen, beständig einen eigenthümlichen monotonen Gesang in kurzen Sätzen erschallen, wobei litaneiartig einer von jeder Gruppe vorsingt und die anderen im Chor einfallen. Dieser Gesang, welcher weder Freude noch Trauer ausdrückt, hat zur Begleitung in Zwischenräumen ein allgemeines Klatschen mit den Händen. Um von der Leistung dieser Arbeiter einen Begriff zu geben, wollen wir eine Beobachtung anführen, nach welcher 3000 Männer und Buben in einem Tage etwa 1200 Schachtruthen förderten.

Der Oberbau der Bahn wird nach dem Greave'schen Systeme hergestellt, wonach statt der Quer- oder Langschwellen hohle Halbkugeln von Eisen mit angegossenen Schienenstühlen in Anwendung kommen.

Die Schienenstöße erhalten Laschen, und um nun das wegen der Bolzenlöcher besonders unangenehme Abhauen der Schienen in den Curven zu vermeiden, hat man folgendes Auskunftsmittel getroffen: es werden außer den Schienen von der regelmäßigen Länge von 20 Fuß auch eine kleine Anzahl von 19 Fuß 10 1/5 Zoll Länge angefertigt, welche zu der inneren Curvenlinie in Verwendung kommen, und zwar

in Curven von 1/4 engl. Meile Radius eine kurze Schiene auf 2 lange oder 1 : 2
3/8 3 1 : 3
1/2 4 1 : 4
5/8 5 1 : 5
3/4 6 1 : 6
7/8 7 1 : 7
1 8 1 : 8
1 1/4 10 1 : 10
1 1/2 12 1 : 12
2 16 1 : 16
3 24 1 : 24
4 32 1 : 32

Was die Kunstbauten anbelangt, so haben wir hier nur von den zwei Uebergängen über den Nil, d.h. über den Arm von Rosette und den von Damiette zu sprechen. Bei dem ersteren ist eine feststehende Brücke aus localen Gründen nicht zulässig, und es soll der Uebergang durch eine Dampffähre bewerkstelligt werden. Zu diesem Behufe wird vorerst die Bahn auf beiden Seiten des Flusses vermittelst eiserner Piloten wöglichst weit in das Flußbett hineingeführt, um den mit der Fähre zurückzulegenden Weg thunlichst zu verkürzen. Die Fähre besteht alsdann aus dem Maschinenraume und dem beweglichen Verdecke. Ersterer enthält eine große Welle, auf welcher die Leitketten aufgerollt werden, die den Gang der Fähre reguliren. Ein Theil des Verdeckes, so groß, daß acht Wagen, je vier nebeneinander, Platz haben, ist durch einen Schraubenapparat in verticalem Sinne deßwegen beweglich, um bei dem stark veränderlichen Wasserstande die Schienen der Fähre mit denen der Bahn ins Niveau zu bringen.