Text-Bild-Ansicht Band 130

Bild:
<< vorherige Seite

Die Anwendung des Silbers war schon des hohen Preises wegen von vornherein ausgeschlossen. Wismuth auf die verschiedenste Weise (Wismuthoxyd und Wismuthsuperoxyd mit Kalk; Wismuthoxydlösung und Schwefelleber u.s.w.) angewendet, gab ungenügende Resultate.

Das Quecksilber, als Oxyd mit gelöschtem Kalk und Wasser zu einem Brei angerührt, hat nicht die Eigenschaft, das Horn schwarz zu färben, vermuthlich aus dem Grunde, weil das Quecksilberoxyd sich mit dem Kalkhydrat nicht chemisch verbindet.

Ich zog es daher vor, von dem Schwefelgehalt des Hornes gänzlich abzusehen, die Kämme mit einer Quecksilberlösung zu beizen und sodann das Quecksilber durch Behandeln des Hornes mit einer Schwefelleberlösung in schwarzes Schwefelquecksilber umzuwandeln.

Unter den Quecksilberlösungen, mit denen ich Versuche anstellte, fand ich eine Auflösung von Quecksilber in salpetriger Salpetersäure am geeignetsten und zwar dieselbe Auflösung, die in der neueren Zeit von Millon 64) als Reagens auf die sogenannten Proteïnsubstanzen vorgeschlagen worden ist.

Zur Bereitung der Quecksilberlösung löst man in der Kälte 8 Loth Quecksilber in 8 Loth concentrirter Salpetersäure und verdünnt die Lösung mit 1/2 Maaß (1 Pfd.) Wasser.

In die Lösung legt man die zu beizenden Kämme und läßt sie eine Nacht darin liegen; sodann entfernt man sie aus der Flüssigkeit, spült sie mit etwas Wasser ab, welches zur Quecksilberlösung zurück gegossen wird, und wäscht sie von neuem mit Wasser, bis das ablaufende Wasser nicht mehr sauer reagirt.

Die Kämme haben durch diese Behandlung eine rothe Färbung angenommen, die, wenn die Quecksilberlösung concentrirter angewendet wurde, ins Braune geht, so daß diese Farbe, wenn sie bloß örtlich hervorgebracht wird, wohl zur Herstellung von Schildkrot dienen könnte.

Diese roth gebeizten Kämme bringt man in verdünnte Schwefelleberlösung (1 Th. Kalischwefelleber der Apotheker in 1 Maaß Wasser gelöst) und läßt sie höchstens 1 bis 2 Stunden lang darin.

Die nun schwarz gefärbten Kämme werden zuerst mit reinem, dann mit essighaltigem und zuletzt wieder mit reinem Wasser gewaschen, getrocknet, polirt. Die so behandelten Kämme haben nach dem Urtheile von Kennern ganz das Ansehen von Büffelhorn. In Bezug auf das Poliren

64)

Annal. der Chem. und Pharm. Bd. LXXII S. 349; Journ. f. prakt. Chem. Bd. XLVII S. 350 und Pharm. Centralblatt, 1849, S. 185.