Text-Bild-Ansicht Band 225

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armen Sätze der zweiten Reihe intensiv gefärbt erschienen. Der Gehalt an Kieselsäure ist demnach für die Annahme oder Nichtannahme der Färbung entscheidend. Es ist schon früher dargethan, daß diese Färbung des Glases von nichts anderm als gelöstem Schwefelnatrium herrühren kann. Nur da kann sich Schwefelnatrium bilden, wo der Schwefel mit disponiblem Alkali zusammentrifft. Es erscheint danach der Schluß einigermaßen gerechtfertigt, daß ein Glas, welches die Fähigkeit besitzt, nach vollständiger Läuterung mit Schwefel sich braun zu färben, freies, nicht an Kieselsäure oder andere Säuren gebundenes Alkali gelöst enthält.

Vielleicht könnte eingewendet werden, der Schwefel sei im Stande, der Kieselsäure die Basen zu entziehen und sie zu schwefeln; die Braunfärbung beweise also nicht die Anwesenheit von freiem Alkali. Dem entgegen ist noch zu bemerken, daß die Kieselsäure bei hoher Temperatur eine sehr starke Säure ist und die Verwandtschaft des Schwefels zu den Metallen bei diesen Temperaturen dazu kaum hinreichen dürfte. Ferner ist die Grenze zwischen den durch Schwefel färbbaren und den damit nicht färbbaren Gläsern eine sehr eng gezogene, und genügt in der Nähe dieser Grenze eine geringe Menge Kieselsäure, um das Glas aus der einen Kategorie in die andere zu verweisen. Der Schwefel ist in der That ein scharfes Reagens für das Verhältniß zwischen Kieselerde und Alkali in dem Glase, d.h. für das Vorhandensein von disponiblem (im Glase wohl als frei anzunehmendem) Alkali. Wie die Lackmustinctur in Flüssigkeiten angibt, ob Säure oder Basen im Ueberschuß vorhanden sind, thut es der Schwefel in feurigflüssigen Lösungen. Der neutrale Punkt kann angenähert gefunden und die überwiegende Säure damit zu gleicher Zeit nachgewiesen werden.

Die Schwefelreaction scheidet alle Gläser und ähnliche Schmelzproducte in zwei Reihen, in saure Gläser und in basische Gläser; der neutrale Punkt liegt zwischen beiden Reihen und kann durch Versuche ermittelt werden.

Benrath hat bereits in seinen Arbeiten über die Constitution der Gläser zwei Reihen von Gläsern angenommen und durch ausgedehnte Versuche das dem neutralen Glase entsprechende Verhältniß von Kieselsäure zu den Basen festzustellen gesucht. Er nimmt für dasselbe die Formel (RO₂ + SiO₂) an. Die schon oben beschriebenen, nach ihrem Verhalten gegen Schwefel dem Grenzverhältniß zunächst stehenden Gläser können zur Entscheidung dieser Frage benutzt werden. Es sind dies die den Sätzen II b und I c entsprechenden Schmelzproducte. Die beiden Sätze waren: