Text-Bild-Ansicht Band 225

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Aus den Resultaten der Analyse berechnet sich für a ein Verhältniß der Basen zu der Kieselsäure für a wie 1 : 2,57 At., für b wie 1 : 2,44 At. und aus beiden Verhältnissen der mittlere Werth = 1 : 1/2 (2,57 + 2,44) = 1 : 2,50. Also auch für das neutrale Barytglas ergibt sich die Formel RO + 2,5 SiO₂ = 2 RO + 5 SiO₂.

Schlußfolgerungen.

Aus den bis dahin mitgetheilten Untersuchungen über die Natur des Glases ergeben sich im Ganzen folgende Wahrheiten.

Die Verbindungen der Kieselerde mit den Erden, Alkalien etc. sind im feurigen Flusse kräftige Auflösungsmittel für Metalle als solche, für Metalloxyde und Salze.

Die im feurigen Fluß aufgelösten Stoffe nehmen beim Erkalten je nach den dabei obwaltenden Bedingungen verschiedene Zustände an. Ist die Erkaltung rasch, so erstarrt die Lösung als solche; es entsteht eine homogene amorphe Masse; ist die Erstarrung langsam, so scheiden sich die gelösten Körper aus, entweder amorph (Kupfer in Hämatinon) oder in Krystallen (Kupfer in Aventurin, Thonerde, Magneteisen, Chromoxyd, Zinnoxyd etc.).

Das gemeine, hüttenmäßig erzeugte Glas (Hohl-, Tafel-, Spiegelglas etc.) ist eine im feurigen Fluß hervorgebrachte Lösung von Metalloxyden und Salzen in geschmolzenen Silicaten, als Lösung erstarrt. Ebenso die mit Gold, Silber und Kupfer gefärbten durchsichtigen Gläser. Die undurchsichtigen Erzeugnisse der Glasmacherkunst dagegen – wie Hämatinon, Kupfer- und Chromaventurin, Milchglas u.a. – sind Geschmelze, bei denen im Erstarren Ausscheidungen statt gefunden.

Die Ansicht, daß Metalle als solche von schmelzendem Glasfluß aufgenommen werden, findet in der Thatsache eine besondere Stütze, daß Metalle wie Gold im feurigen Fluß nur regulinisch gedacht werden können. Nicht minder stehen der Ansicht, daß auch Metalloxyde im feurig flüssigen Glasfluß gelöst (nicht chemisch gebunden) vorhanden sein können, bedeutsame Thatsachen zur Seite. Dahin gehört die ungeheure Menge, in der sie aufgenommen werden, und zwar im Widerspruch zu einfachen stöchiometrischen Verhältnissen (z.B. 54 SiO₂ + R₂O₃ + 5 RO). Ferner die Thatsache, daß die Ausscheidungen der dem Glase einverleibten Metalloxyde wesentlich von der Art der Abkühlung abhängen, ganz wie bei Lösungen sonst, namentlich aber von der Dauer der Langsamkeit der Abkühlung. Endlich gehört die Thatsache hierher, daß die Quantität an Metalloxyden, welche daran reiche Gläser nach der durch