Text-Bild-Ansicht Band 284

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einem Fensterchen des Apparatkastens sichtbar wird und dieses roth erscheinen lässt, bei der anderen Lage jedoch unsichtbar bleibt, so dass in diesem Falle das Fensterchen vermöge seines weissbemalten Hintergrundes Weiss zeigt. Das in der Fig. 70 dargestellte Verhältniss ist jenes, welches der normalen Ruhelage entspricht; dabei zeigt das Controlfensterchen in der Station Weiss, das in II Roth, die Umschalterkurbeln stehen in der Mittellage, die Wecker schweigen, die Wendescheibe steht auf Rangiren verboten und ist elektrisch verriegelt; die beiden Contactfedern w und x berühren sich. In dieser Beziehung besteht in der Fig. 69 insofern eine Unrichtigkeit, als der auf der Kurbelachse h sitzende Daumen k – was der Uebersichtlichkeit wegen absichtlich veranlasst wurde – nach aufwärts gekehrt dargestellt erscheint, während er mit Rücksicht auf die Stellung des Sperriegels u nach abwärts stehen und die Feder w auf x drücken sollte.

Textabbildung Bd. 284, S. 75
Soll nun rangirt werden, so hat der betreffende Rangirmeister oder Bahnwärter hierzu erst die Zustimmung und Erlaubniss der Stationsleitung einzuholen und zu diesem Ende seine Umschalterkurbel in II nach rechts umzulegen. In Folge dessen gelangt ein Strom vom +-Pole der Batterie B2 über d2, c2, E2, E1, d1, 9, b1 in den Wecker W1 und über Z1, f1, 7, L2, 4, f2, U2, 6 zum – -Pole zurück. Der Wecker in I läutet. Kann die Stationsleitung die Erlaubniss zum Rangiren ertheilen, so wird in I die Umschalterkurbel U1 nach links gestellt. Hierdurch gelangt die Batterie B2 in Thätigkeit, und zwar vorerst vom + -Pole über 10, U1, F1, a1, M1, 9 und d1 zum Zinkpole, dann ebenso über 10, U1, F1, a1, 8, L1, 3, a2, M2, 5, d2, c2, E2, E1 und d1, sowie über 10, U1, F1, a1, 8, L1, 3, a2, 2, x, S, c2, E2, E1 und d1. Durch diese Ströme wird das Fensterchen in I roth, jenes in II weiss gemacht und zugleich der elektrische Verschluss des Rangirsignals in S aufgeschlossen. Nach dem Einlangen dieser Deblockirung, die sich durch das weissgewordene Fensterchen in II signalisirt hat, bringt der Bahnwärter oder Rangirmeister die Kurbel U2 wieder in ihre Mittelstellung zurück; die Wendescheibe kann nunmehr auf „Rangiren erlaubt“ gestellt und mit dem Rangiren kann begonnen werden. Will die Stationsleitung das Rangiren wieder einstellen lassen, so wird in I die Umschalterkurbel U1 nach rechts gelegt, demzufolge von B1 ein Strom über 10, U1, f1) 7, L2, 4, f2, Z2, W2, 5, d2, c2, E2, E1 und d1 zur Wirksamkeit gelangt und den Wecker in II läuten macht. Gemäss dieses Auftrages hat der betreffende Bahnwärter oder Rangirmeister die Verschiebungen sofort einstellen zu lassen, ferner die Wendescheibe vorerst wieder auf Rangiren verboten zurückzustellen und sodann in II die. Umschalterkurbel U2 nach links zu legen. Hierdurch wird die Batterie B2 in drei Schleifen geschlossen, und zwar über d2, c2, E2, E1, d1, 9, M1, a1, 8, L1, 3, a2, 2, x, w, 1, F2, U2 und 6, ferner über d2, 5, M2, a2, 2, x, w, 1, F2, U2 und 6, sowie schliesslich über d2, c2, S, x, w, 1, F2, U2 und 6. Durch diese Theilströme werden also sowohl M1 als M2 und S erregt, und da ihre Richtung die entgegengesetzte jener Ströme ist, welche, wie früher gesehen wurde, von I aus mit Hilfe des Umschalters U1 in die gleichen Apparate entsendet wurden, so wird jetzt das Fensterchen zu M1 wieder weiss, jenes zu M2 wieder roth und das Stellwerk des Rangirsignals in S wieder verriegelt. Schliesslich bringen die Station, sowie der Wärter die Umschalterkurbel U in die Mittelstellung zurück, wonach die ganze Anlage ihren normalen Zustand wiedererlangt hat.

In den seltensten Fällen kann jedoch das hier geschilderte Verhältniss zwischen den Rangirsignalen und der Stationsleitung als zureichend gelten, es erscheint vielmehr geboten, mindestens auch die zur Regelung der Zugseinfahrten dienenden Stationssignale mit den Rangirsignalen in directe Abhängigkeit zu bringen, damit die Stationsleitung ausser Stande gesetzt sei, eine irrthümliche Verfügung zu treffen. In diesem Sinne sind denn auch die Hipp'schen Distanzsignale, d. s. elektrische, mit Hilfe zweier Leitungen und einer galvanischen Batterie betriebene Wendescheiben (vgl. Zetzsche, Handbuch der Telegraphie, Bd. 4 S. 499, 524 und 532), welche die gleiche Aufgabe haben, wie vorgeschobene Bahnhofabschlussignale in Deutschland oder die sogen. Stationsdeckungssignale in Oesterreich-Ungarn, mit den bezüglichen Rangirsignalen entsprechend gekuppelt. Von den vorbesagten zwei Betriebsleitungen dient die eine ausschliesslich nur für das Umstellen des Signals von Halt auf Frei und die zweite ebenso ausschliesslich für die Rückstellung von Frei auf Halt. Das Stellen der Distanzscheiben bezieh. die Entsendung der betreffenden Ströme geschieht mit Hilfe eines ganz ähnlichen Apparates, wie solche in Fig. 70 bei I und II dargestellt sind, und zwar steht die Scheibe auf „Einfahrt verboten“ (Halt), wenn die Umschalterkurbel nach rechts gelegt ist, hingegen zeigt das Signal „Einfahrt erlaubt“ (Frei), wenn die Kurbel nach links liegt. Damit das Rangirsignal nur dann deblockirt werden könne, wenn das Distanzsignal auf Halt steht, ist die Leitung L1 (Fig. 70), auf welcher der Deblockirstrom von der Station aus seinen Weg zum Rangirsignale finden muss, nicht direct an die Anschlussklemme 8 des zugehörigen Stellapparates, sondern vorher erst noch durch einen Federncontact geführt, der im Stellapparate des bezüglichen Distanzsignals, und zwar so angebracht ist, dass er nur durch die Umschalterkurbel des Distanzsignals geschlossen werden kann, wenn dieselbe ganz nach rechts umgelegt wurde, d.h. also, wenn das letztgenannte Signal selbst sich in der Haltlage befindet. Kaum weniger einfach ist die umgekehrte Bedingung erfüllt, nämlich dass ein Freistellen des Distanzsignals nur dann möglich sei, wenn das Rangirsignal auf Rangirverbot steht. Es wird zu diesem Ende jene Leitung, auf welcher die freigebenden Ströme ihren Weg zu nehmen haben, auch wieder nicht direct an die zugehörige Stellvorrichtung, sondern vorerst durch die Stellvorrichtung des mit