Text-Bild-Ansicht Band 284

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dem Distanzsignal in Abhängigkeit zu bringenden Rangirsignals geführt und daselbst an die beiden Contactfedern l1 und l2 (Fig. 71) angeschlossen. Diese zwei Federn, welche zunächst dem Elektromagnete der zum Rangirsignal gehörigen Controlvorrichtung, M1 in Fig. 70, auf einem Messingbügel P (Fig. 71) isolirt befestigt sind, müssen also erst leitend mit einander verbunden sein, wenn ein freimachender Strom zum Distanzsignal soll abgesendet werden können. Eine solche Verbindung entsteht, sobald der an einem zweiarmigen Hebel m, n isolirt befestigte Neusilberstift g an die beiden Federn gepresst wird. Für gewöhnlich drückt aber die um die Drehachse q gewundene Wurmfeder den linksseitigen Arm des Hebels m, n von den Federn l1, l2 weg und mit dem Ende m gegen das Ende k eines um o drehbaren Tasterhebels T. An dem linksseitigen Ende des Hebels m, n ist ferner ein seitlich vorstehender Stahlstift s eingesetzt und im Anker A eine Bohrung vorhanden, die dem Stifte genau gegenüber liegt, wenn die Controlvorrichtung bezieh. die Ankerlage dem Signale „Rangiren verboten“ (Fensterchen im Telegraphenbureau weiss) entspricht. Bei der zweiten Ankerlage (Fensterchen roth) liegt jedoch das volle Fleisch des Ankers dem Stifte s gegenüber. Vermöge dieser Einrichtung wird ersterenfalls, wenn man den durch die Kastenwand des Rangirsignalstellapparates nach aussen geführten Tasterknopf T niederdrückt, der Arm n oder vielmehr der Stift g an die Federn l1 und l2 gepresst und von einer zur anderen der Stromweg hergestellt, wobei der Stift s in die gegenüberliegende Ankerbohrung eintritt; zweitenfalls kann hingegen T nicht so weit niedergedrückt werden, dass g an die Contactfedern gelangt, weil sich s gegen A stemmt.

Textabbildung Bd. 284, S. 76

Um das Distanzsignal auf Erlaubte Einfahrt zu stellen, muss also nicht nur die Umschalterkurbel im zugehörigen Stellapparate nach links gestellt sein, es muss auch der im Stellapparate des mit dem Distanzsignale in Abhängigkeit gebrachten Rangirsignals vorhandene Taster T niedergedrückt werden, was jedoch dargestelltermaassen lediglich möglich ist, wenn das letztgenannte Signal auf Rangiren verboten zeigt und in dieser Lage verriegelt ist.

Eine in dieser Art gegenseitig gekuppelte Anlage, bestehend aus zwei Distanzsignalen und zwei Rangirsignalen, steht beispielsweise in Chiasso, Station der Gotthardbahn, in Benutzung.

Einen ganz besonders imposanten Eindruck machten die von Siemens und Halske in der Halle für Eisenbahneinrichtungen aufgestellt gewesenen Stations-Blockeinrichtungen und Weichen- und Signalstellwerke für die Ostseite des Bahnhofes Zütfen. Durch eine oberhalb dieser Apparate aufgehängte grosse Zeichnung war die genannte Station der „Niederländischen Staatsbahnen“ mit ihren drei einmündenden eingeleisigen Bahnstrecken und der gesammten Geleisanlage ersichtlich gemacht. Der Apparat für die Station erhielt 14 Blockfelder; das Stellwerk für die Weichen und Signale war dreitheilig und umfasste 22 Blockfelder. Der ganzen Anordnung liegt die Bedingung zu Grunde, dass die Station die ausschliessliche Verfügung über sämmtliche Ein- und Ausfahrten besitzt und dass die Lage der Ein- und Ausfahrtsignale sowohl in der Stellung auf Frei, als auf Halt von der Station festgehalten und nur mit ihrer Zustimmung gewechselt werden kann. Nebenbei ist die Einrichtung auch mit der ähnlichen Sicherungsanlage der Westseite des Bahnhofes Zütfen und mit den von dort nach den Richtungen Deventer, Hengeloo und Winterswyk laufenden drei Blocksignallinien in Verbindung gebracht. Der elektrische Theil der einzelnen Blockfelder gleicht im Wesentlichen den bekannten Siemens und Halske'schen Apparaten dieser Gattung; die Verriegelungsmechanismen jedoch, welche die wechselseitige Abhängigkeit der Blockfelder eines Stellwerkes zu bewirken haben, sind in Abweichung von der früher und für gewöhnlich angewendeten Constructionsform nicht der Höhe nach, sondern der Breite bezieh. Länge nach angeordnet, was die Uebersichtlichkeit erhöht und, wie es scheint, insbesondere etwa später wünschenswerthe oder nothwendige Aenderungen im Abhängigkeitsverhältnisse leichter ausführen lässt.

Aehnliche grosse Anlagen waren vom Wiener Werke der Firma Siemens und Halske in dem Pavillon nächst der Telephonhalle ausgestellt und sind diesbezüglich seitens der bezeichneten Anstalt die nachstehenden näheren Erläuterungen bekannt gegeben worden. Das für einen Weichenthurm bestimmte, in Fig. 72 und 73 ersichtlich gemachte Stellwerk mit Fahrstrassenverschluss ist mit dem im Stationstelegraphenbureau aufgestellten Blockapparate durch die später noch des Näheren in Betracht zu ziehende entsprechende Anzahl von Leitungen verbunden. Selbstverständlich können in einer Station aber auch zwei oder mehrere Stellwerke vorhanden sein, die dann alle mit dem Blockapparate der Station in übereinstimmender Weise in Verbindung gebracht sind. Das Hebelwerk des Stellwerkes gleicht im Wesentlichen ganz der bekannten Siemens und Halske'sche Anordnung dieser Gattung und besteht also vorerst aus zwei oder nach Erforderniss aus mehreren gusseisernen Ständern S, welche durch zwei Querträger P und Q zu einem festen Gestelle verbunden werden. Auf den Querträgern sind vorn, und zwar behufs Raumersparnisses in zwei ungleich hohen Reihen, die gusseisernen Böcke festgeschraubt, in welchen die Achsen der Hebelrollen R lagern. Ueber jede der letzteren ist ein in den Doppeldrahtzug der betreffenden Signal Vorrichtung oder Weiche eingeschaltetes Kettenstück geschlungen und an derselben festgemacht, so dass Drehungen der Rolle auch