Text-Bild-Ansicht Band 284

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In dem eigentlichen Mischraume sind drei wagerecht in einander greifende Mischgarnituren angebracht, welche durch Zahnradvorgelege in entsprechende Rotation zu einander versetzt werden, wodurch die innige Mischung von Sand und Kalk erfolgt. Selbsthätig wird die Masse auch aus dem Mischraume entfernt, von einem Arbeiter weggenommen und bleibt nun – in den meisten Fällen – 10 bis 12 Stunden lang zur Trocknung liegen.

Textabbildung Bd. 284, S. 234
Eine Mischmaschine von 2 bis 3 mischt in einer Schicht leicht Materialien für 9000 bis 10000 Stück Ziegel.

Das so vorbereitete Material kommt hierauf in die Presse. Die hier Fig. 2 dargestellte Presse stammt ebenfalls von Albrecht Stein.4) Der Füllkasten a wird während des Ganges der Maschine vom Arbeiter stets voll gehalten. Ein mittels zweier Excenter von der Kurbelwelle aus bethätigter Zubringer schliesst diesen Raum nach unten, dem eigentlichen Pressraume, ab. Der Zubringer lässt so viel Material in den Pressraum fallen, als zur Herstellung eines Ziegels erforderlich ist. Ist die Füllung erfolgt, so bewegt sich der an den Kreuzkopf gekuppelte Presskolben A vorwärts, während ein kleiner, von einem Schlitten geführter Kolben B, welcher auf dem Maschinenbrette seine Führung hat, sich nach rückwärts bewegt und im Pressraume so lange vorschiebt, bis der Kolben A auf die Ziegelmasse zu drücken anfängt. In diesem Momente kommt der Kolben B zur Ruhe und wird von den Schlittenexcentern so lange festgehalten, bis die Pressung erfolgt ist. Hierauf treten die beiden Schlittenexcenter ausser Wirksamkeit, der Schleppkolben B wird zurückgeschoben, während der Presskolben A den fertigen Ziegel in wagerechter Lage aus dem Presskasten drückt.

Der Presskolben A weicht zurück; sobald er seinen Rücklauf vollendet hat, ist bereits eine neue Füllung erfolgt und das Spiel beginnt von Neuem.

Die Leistungsfähigkeit einer solchen Ziegelpressmaschine von 7 bis 8 beträgt bei 10stündiger effectiver Arbeitszeit 9000 bis 10000 Stück Ziegel, sie würde aber noch bedeutend steigen, wenn der Arbeiter im Stande wäre, die Ziegel schnell genug wegzunehmen.

Die aus der Pressmaschine kommenden Ziegel (ihre Grösse beträgt 210 mm, 140 mm und 70 mm) sind weich und leicht zerbrechlich; sie müssen mit grosser Vorsicht nach dem Trockenplatze gebracht werden. Man schichtet die Ziegel in möglichst langen Reihen, meist 11 Scharen über einander, so dass ein solcher Ziegelstoss 17000 bis 20000 Stück zählt. Während der ersten Tage der Luftlagerung müssen die Ziegel mit Sorgfalt vor Regenwasser geschützt werden, später sind sie unempfindlich dagegen.

Nach ½ bis 1 Jahr sind die Ziegel so fest, dass sie als Baumaterial verwendet werden können.

Die Erhärtung ist theils der chemischen Einwirkung des Kalkes auf die granulirte Schlacke, theils der Bildung von Kalkcarbonat zuzuschreiben. Wie bedeutend die Festigkeit der Schlackenziegel durch diese Processe werden kann, zeigt folgende Tabelle, welche die Resultate einer Prüfung der Schlackenziegel von Seiten der königl. Prüfungsstation für Baumaterialien zu Berlin wiedergibt:

Gedrückte Fläche = 300 qc.

Lufttrocken Wassersatt An der Luft ausgefroren Unter Wasser ausgefroren

Nr.
Zerstörung bei
k auf 1 qc

Nr.
Zerstörung bei
k auf 1 qc

Nr.
Zerstörung bei
k auf 1 qc

Nr.
Zerstörung bei
k auf 1 qc
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
129,9
167,0
148,5
150,3
139,2
152,2
170,8
126,2
144,8
148,5
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
129,9
159,6
144,8
133,6
163,3
148,5
141,1
141,1
148,5
144,8
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
148,5
144,8
139,2
150,3
163,3
137,3
126,2
133,6
155,9
129,9
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
155,9
148,5
129,9
133,6
135,5
129,9
139,2
133,6
154,1
137,3
Mittel 148 Mittel 146 Mittel 143 Mittel 140
Eigenes
Gewicht
3,970 k Eigenes
Gewicht
4,041 k Eigenes
Gewicht
3,988 k Eigenes
Gewicht
4,052 k

Die 20 für die Frostversuche bestimmten Steine wurden zunächst 12 Stunden ins Wasser gelegt; hierauf wurden 10 von ihnen bei einer Temperatur von – 12 bis – 15° C. 25 Stunden dem Froste an der Luft, die übrigen 10 Steine während derselben Zeit und derselben Temperatur dem

4)

Vgl. Lürmann, Stahl und Eisen, 1891 S. 72.