Text-Bild-Ansicht Band 284

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entleert werden kann. Eine genauere Beschreibung dieser Wagen gibt Fritz W. Lürmann in Stahl und Eisen, 1891 S. 370.

In einem im Berliner Architektenverein am 1. December 1890 gehaltenen Vortrage besprach Stadtbauinspeetor Pinkenberg die Gewinnung und Verwendung des Schlackencementes. (Bezüglich der Herstellung von Schlackencement vgl. die Arbeit von Prost 1890 275 445 und 1891 279 69.)

Zur Zeit sind in Deutschland etwa zehn Fabriken mit der Herstellung von Schlackencement beschäftigt mit einer Jahreserzeugung von ungefähr 600000 t. Für den Berliner Markt kommt hauptsächlich der Schlackencement der Victoriafabrik in Thale am Harz in Betracht. Dieselbe verwendet Schlackensand aus den Hochöfen Blankenburg und Harzburg, ihr Fabrikat kostet die Tonne zu 170 k Inhalt frei Berlin etwa 5 M.

Bei der Verwendung von Schlackencement für Bauzwecke kommen vornehmlich zwei Eigenschaften in Betracht, die sich unter Umständen in unangenehmer Weise bemerkbar machen können: 1) ein sehr langsames Abbinden (15 bis 22 Stunden) und 2) das geringe Eigengewicht von Schlackencement.

Das langsame Abbinden des Schlackencementes kann die Festigkeit desselben bei Einwirkung von Frost beeinflussen, das geringe Eigengewicht dagegen kann bei Betonschüttungen störend wirken, weil dasselbe zu Entmischungen der Mörtelmasse Veranlassung geben kann.

Einwirkung von Frost während des Abbindens führte zu ungünstigen Ergebnissen bei Schlackencement, während Frostproben, welche die königl. Prüfungsstation im J. 1889 mit bereits abgebundenen Probekörpern aus Schlackencement angestellt hatte, die Zugproben glänzend bestanden.

Die Verwendung von Schlackencement unter Wasser beim Bau der Kaiser-Wilhelm-Brücke und der Moltke-Brücke zu Berlin hat ungünstige Resultate ergeben, dagegen hat der Schlackencement sich bei Hochbauten sehr gut bewährt.

Soll der Cement zum Vermauern angewendet werden, so thut man gut, den Mörtel möglichst steif anzumachen und auf das Sorgfältigste durchzuarbeiten. Die Steine müssen mit Wasser vollständig durchnässt sein, damit sie dem Cement nicht die zum Abbinden nöthige Wassermenge entziehen. Während des Abbindens ist der Cement in Ruhe zu lassen, nachher ist es vortheilhaft, zum Nachhärten möglichst viel Wasser zuzubringen.

Eine sehr gute Eigenschaft des Schlackencements ist die, dass er, beim Versetzen von Sandsteinquadern verwendet, entgegen dem Portlandcement, nicht ausschlägt. An der Moltke-Brücke ist der Victoriaschlackencement (im Gemenge 1 Th. Cement: 1 Th. Sand) mit durchaus gutem Erfolge zum Vergiessen der rothen Mainsandsteine verwendet worden.

Ein Treiben des Cementes ist in Rücksicht auf seine Erzeugung vollkommen ausgeschlossen. Solange der Cement der Einwirkung des Wassers ausgesetzt ist, hat derselbe eine blaugrüne Färbung, die beim Trocknen einer gelblichen Färbung Platz macht.

Der Schlackencement erfordert eine verständige Behandlung und Verwendung am richtigen Platze, besitzt aber – abgesehen von der Billigkeit – derartig gute Eigenschaften, dass er die Aufmerksamkeit der Ingenieure beanspruchen kann.

Dr. R. Zsigmondy.

Methoden zur Untersuchung von Nahrungs-, Genussmitteln und Verbrauchsgegenständen.

Gerinnen der Milch beim Aufkochen.

Aus Versuchen, die W. Thörner anstellte, bei welchem Säuregehalt die Milch beim Aufkochen gerinnt, ergab sich, dass dies bei einem Säuregehalt von 23° stattfindet. Der Gehalt an Säure wurde durch Titration ermittelt und zwar so, dass 10 cc der Milch mit 20 cc Wasser verdünnt und darauf mit

Kalilauge titrirt wurden. Die Anzahl der verbrauchten 1/10 cc Alkalilösung werden dann direct als Säuregrade bezeichnet. – Im Allgemeinen beträgt der Säuregehalt der Milch unmittelbar oder bis 4 Stunden nach dem Melken 12 bis 16°. Beim Aufbewahren nimmt der Säuregehalt rasch zu, und zwar um so rascher, je höher die Temperatur; die Einwirkung des Lichtes ist hierbei nicht von Bedeutung.

Um in der Praxis rasch zu erfahren, ob eine Milch das Aufkochen noch verträgt oder nicht, verfährt man nach dem Verfasser wie folgt: 10 cc Milch mit 20 cc Wasser verdünnt und mit einigen Tropfen Phenolphtaleïnlösung versetzt, werden mit

Kalilauge kräftig geschüttelt. Bleibt eine schwache Rothfärbung bestehen, so liegt der Säuregehalt unter 20 und die Milch wird beim Aufkochen nicht gerinnen. Entfärbt sich dagegen die Milch rasch, so wird beim Erwärmen vermuthlich Gerinnen eintreten. (Nach Chemiker-Zeitung, 1891 Bd. 15 S. 1108.)

Prüfung der Milch auf elektrischem Wege durch Ermittelung des Leitungswiderstandes.

Durch Messung des elektrischen Leitungswiderstandes der Milch versuchte W. Thörner zu entscheiden, ob sich eine Verfälschung der Milch, sei es durch Entrahmung oder Wässerung, nachweisen lasse. Verfasser benutzte zu seinen Versuchen eine Kohlrausch'sche mit Galvanoskop, Inductorium und Telephon versehene Messbrücke, welche gestattete, Widerstände von 0,1 bis 10000 Ohm rasch zu messen. Zunächst ergab sich, dass der elektrische Leitungswiderstand der frischen Milch mit einem Säuregehalt von 9 bis 17° nur innerhalb weniger Ohm schwankt und dass derselbe durchaus unabhängig ist von dem jeweiligen Fettgehalt. Selbst nach dem mehr oder weniger vollständigen Entrahmen der Milch bleibt der Leitungswiderstand derselbe, vorausgesetzt, dass der Säuregehalt nicht wesentlich steigt. Es ist somit nicht möglich, durch Messung des elektrischen Leitungswiderstandes einen Rückschluss auf den Fettgehalt der Milch zu ziehen.

Bezüglich des Wassergehaltes der Milch ermittelte Verfasser, dass der Leitungswiderstand entsprechend der Menge des zugesetzten Wassers zunimmt. Da jedoch die verschiedenen Trinkwasser je nach ihrer Reinheit verschiedene, sehr von einander abweichende Widerstände zeigen, so kann man nicht mit Sicherheit entscheiden, ob einer Milch Wasser zugesetzt ist oder nicht; insbesondere ist es nicht möglich, die Grösse des Wasserzusatzes zu bestimmen. (Nach Chemiker-Zeitung, 1891 Bd. 15 S. 1674.)

Bestimmung des Fettgehaltes der Milch.

Bei der Bestimmung des Fettgehaltes in geronnener Milch empfiehlt M. Kühn statt der Mensurgläschen zum