Text-Bild-Ansicht Band 285

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wirkt auf eine Nase des Ankerhebels a so, dass der steif mit a verbundene Arm i, n bezieh. der Steg n im Sinne des Zeitzeichenanrufes gehoben wird und also auf sämmtlichen Leitungen L die Morsezeichen m e z fortwährend abspielt. Der zweite in der Localleitung I eingeschaltete Elektromagnet M2 hat durch sein Thätigwerden bei Schliessung des Contactes p, q eine Contactvorrichtung A2 eingerückt, welche aus zwei leitend mit einander verbundenen Federn x und y besteht und bei abgerissener Lage des Ankers A2 weder bei s noch bei t eine Verbindung herstellt. Auf einer Achse des Chronometerwerkes, die sich alle zwei Minuten einmal herumdreht, sind zwei, in der Zeichnung der Uebersichtlichkeit wegen getrennt dargestellte, aus Achat gearbeitete Excenterstücke r1 und r2 so angebracht, dass bei Eintritt des Contactes p, q, d. i. bei der Einrückung der Contactvorrichtung s, x – t, y die Feder x auf den inneren schmalen Theil des Excenters r1 , die Feder y hingegen auf die äussere Daumenkante des Stückes r2 zu ruhen kommt. Diese Lage, bei welcher sowohl x als y keinen Contact herstellen kann, währt vom Augenblicke an, in dem durch die Daumen d die Localleitung I geschlossen wird, etwa 70 Secunden lang, während welcher Zeit das Rad R2 fortwährend den Ruf – – • – – • • fortspielt. Dann aber tritt die in der Fig. 121 dargestellte Lage ein, weil r1 endlich mit seinem Daumentheile unter die Feder x tritt, so dass x mit s in Berührung gelangt, während gleich darauf y vom Daumenrande des Excenters r2 abfällt und sich auf den Contact t legt. Auf diese Weise kann nunmehr auch die Batterie B2 in der Localleitung II wirksam werden und den Elektromagneten M3 thätig machen; sobald dieser seinen Anker a anzieht, wird der Elfenbeinsteg n gehoben und werden sämmtliche Telegraphenleitungen L unterbrochen. Diese Unterbrechung dauert genau bis acht Uhr, weil erst in diesem Momente die Feder x vom Daumenrande des Excenters r1 wieder abfällt und damit den Stromschluss in der Localleitung II aufhebt. Der Elektromagnet M3 lässt also Punkt acht Uhr seinen Anker los, welcher Vorgang durch den Ankerabfall an den in den Telegraphenleitungen eingeschalteten Morseapparaten deutlich wahrnehmbar ist und das eigentliche Zeitsignal bildet, nach dem die Dienstuhren zu richten sind. Nach diesem eigentlichen Zeitzeichen bleibt der Tagescontact bei p, q nur mehr so lange geschlossen, dass noch dreimal das Zeichen – – • – – • • erscheint, wonach schliesslich der genannte Contact gleichfalls aufhört und einerseits die Wiedereinlösung des Laufwerkes der Schablonenscheibe, sowie andererseits die Ausrückung der Contactvorrichtung x, y erfolgt. Die ganze Vorrichtung ist damit für die Abgabe eines nächsten Zeitzeichens wieder vorbereitet.

Gleich neben der geschilderten Einrichtung befand sich ein von der königl. Eisenbahndirection Hannover beigestellter „Matthies'scher Apparat“ zum selbsthätigen Richtigstellen der Eisenbahnstationsuhren mittels des täglichen telegraphischen Zeitzeichens (Uhrsignals). Es hat diese Vorrichtung den Zweck, den Unvollkommenheiten abzuhelfen, welche der auf Grund des einlaufenden telegraphischen Zeitzeichens mit der Hand auszuführenden Uhrregulirung mehr oder minder naturgemäss anhaften; sie darf dabei die gewöhnliche Benutzung der mit ihr in Verbindung gebrachten, zur Abgabe des Zeitzeichens dienenden Telegraphenleitung in keiner Weise beeinträchtigen, sondern überhaupt nur einmal im Tage auf die Dauer des Uhrzeichens in Wirksamkeit gelangen. Die Matthies'sche Construction fusst ferner auf der Voraussetzung, dass das eigentliche telegraphische Zeitzeichen in der betreffenden Morseruhestromleitung, ähnlich wie in dem früher behandelten Falle, aus einer etwa 50 bis 60 Secunden langen Unterbrechung bestehe und dass in der Station die verschiedenen Uhren u1, u2.... (Fig. 122) im Wartesaal, am Bahnsteige u.s.w. von einer Hauptuhr U durch Vermittelung von Zeigergestängen Z, Z1, Z2 ... betrieben werden. Die Regulirvorrichtung B wird in das zu den verschiedenen Zeigerwerken (Nebenuhren) führende Gestänge gleich hinter dem Werke der Hauptuhr U, nämlich ehe sich die Zeigerleitung verzweigt, eingeschaltet, und bildet auf diese Weise gleichsam ein Stück der letzteren. Die wesentlichsten Theile dieses in Fig. 123 in der Vorderansicht, in Fig. 124 in der Seitenansicht und in Fig. 125 in der Draufsicht – unter Weglassung aller die Uebersicht störenden Theile – dargestellten Apparates sind ein mit Gewicht betriebenes Laufwerk, das die eigentliche Zeigerstellung besorgt und ein unter Vermittelung eines Relais in die vorerwähnte Telegraphenleitung eingeschalteter Elektromagnet M (Fig. 124), welcher zur Auslösung des besagten Laufwerkes dient.

Textabbildung Bd. 285, S. 242

Das von der Hauptuhr angetriebene Stück Z1 des Zeigergestänges übersetzt seine Drehung mit Hilfe der beiden Kegelräder W und W1 auf die Achse k, k1 , von der sie sich durch die Stiftenkuppelung i1, i2 auf die Zeigerleitungsstange Z2 und damit weiter auf die übrige Gestängsanordnung fortpflanzt. Diese Bewegungsübertragung wird durch die Kuppelung K, K1 (Fig. 123) vermittelt. Die Nabe N, auf der die Räder W1 und K festgekeilt sind, sitzt nämlich nur lose auf der Achse k1, k, während K1 so angebracht ist, dass diese Zahnscheibe zwar längs der Achse verschoben werden, sich aber nicht ohne dieselbe drehen kann. Solange die Zähne von K und K1 in einander greifen, was der Druck der Spiralfeder F bewirkt, bleibt auch die Bewegungsübertragung von Z1 nach Z2 aufrecht. Die sich unter regulären Umständen also stetig, wie das Zeigerleitungsgestänge Z1 , drehende Achse k, k1 überträgt ihre Bewegung ferner durch das Zahnrad K, welches in ein Trieb T eingreift, auf das Kegelrad K2 und dann durch K3 auf die stehende Achse y, y1. Auf der letzteren steckt lose eine Scheibe s, an deren Nabe eine Rosshaarschnur o. dgl. festgemacht ist, welche