Text-Bild-Ansicht Band 285

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die Anziehung von a, also auch die dadurch hervorgerufene Kuppelung zwischen r und r1 verhältnissmässig nur ganz kurz, so kommt b schon früher zur Wirksamkeit und stellt s wieder in die Ruhelage zurück, ehe R auf eine einflussnehmende Höhe gehoben werden kann. Tritt jedoch eine Unterbrechung der Morseleitung ein, die länger als 30 Secunden dauert, dann gelangt der Schraubengang i bis zu seiner vollen Höhe unter R; die Kraft der Feder f1 wird überwunden und H1, sowie die Arme H2 und H3 werden so weit nach oben bezieh. seitwärts gedrückt; dass das bisher durch H2 arretirt gewesene Laufwerk L, welches die Zeigereinstellung zu besorgen hat, sich in Gang setzen kann. Auf der Trommelachse X (Fig. 124 und 125) des Laufwerkes sitzt die Scheibe E, welche sich nach erfolgter Auslösung des Laufwerkes in der Richtung des in Fig. 124 und 126 eingezeichneten Pfeiles bewegt und dabei mit dem aufgedrehten schief eingeschnittenen Rande q1 (Fig. 125) auf den um x4 drehbaren Hebel v1, v2 bei v2 so einwirkt, dass das gabelförmige Ende g des Armes v1 (siehe auch Fig. 123) den Druck der Spiralfeder F überwindet und die gezahnte Scheibe K1 von K abhebt, also die Bewegungsübertragung von Z1 auf Z2 unterbricht. Die vorbesagte Scheibe E steht ferner durch eine Gelenkstange U mit dem um X1 drehbaren, eigenthümlich geformten, in Fig. 126 eigens herausgezeichneten Hebel D in Verbindung, welcher mit den beiden Rollendaumen d1 und d2 versehen ist. In der Bewegungsebene dieser Daumen sitzt auf der Achse k, k1 das Stück G fest. Gleich nachdem durch den Auflaufrand p1 der Scheibe E die Kuppelung K, K1 gelöst wurde und die Zeigerleitung still steht, hat die Stange U den Hebel D in der durch den Pfeil (Fig. 126) angedeuteten Richtung gedreht, wobei der Rollendaumen d1 wie ein Zahn in den Ausschnitt n des Theiles G eintritt, dieses ein Stückchen zurückdreht und dadurch der Achse k, k1, also auch dem ganzen Zeigergestänge eine bestimmte Correcturlage ertheilt. Sobald der höchste Punkt dieser Rückwärtsstellung der Zeiger erreicht ist, tritt beim Weiterdrehen von E ein Rückgang der Stange U und des Hebels D ein. Knapp vorher fällt aber v2 von dem Anlaufrande p1 ab und stellt sich in Folge dessen die Kuppelung K, K1 wieder her, damit die vom Daumen d1 bewirkte Correctur nicht durch störende Nebeneinflüsse, wie Spannungen, Uebergewicht o. dgl. beeinträchtigt werden könne. Gelegentlich der vorher betrachteten Bewegung des Hebels D ist auch vom Daumen d2 eine Arbeit verrichtet worden, indem er unter das Ende des Armes c4 (Fig. 124) getreten ist und dadurch das ganze Hebelsystem der Achse a1 wieder in die Normallage zurückgehoben hat, in welcher es vorläufig durch den Haken h und den Stift o1 festgehalten bleibt, bis die Scheibe S wieder mit ihrem vollen Rande unter n gelangt. Durch diese Vermittelung des Daumens d2 ist also die Kuppelung zwischen r und r1 wieder gelöst und die Schieberstange a1 wieder in die Ruhelage zurückversetzt worden. Wenn der Hebel D seinen Rückweg antritt, gelangt d2 in den Ausschnitt n2 ; kurz vorher wird aber die Kuppelung K, K1 neuerlich gelöst, indem ein zweiter Auflaufrand p2 der Scheibe E unter v2 gelangt. Der in n2 eingetretene Daumen d2 bewirkt nun ein Vorwärtsdrehen der Achse h, h1 bezieh. des Zeigergestänges und stellt es damit genau auf die richtige Zeit ein. Unmittelbar nach dieser endgültigen eigentlichen Richtigstellung fällt v2 von p2 wieder ab und stellt sich die Kuppelung K, K1 wieder her. Das Laufwerk läuft bezieh. die Scheibe E dreht sich nur noch so lange, bis die Ausgangsstellung wieder gewonnen ist, wo dann durch das Einfallen der Nase des Hebels H3 auch H1 und der Arretirungsarm H2 des Laufwerkes ihre Normallage wiedergewonnen haben.

Der Constructeur dieses Apparates, Uhrmacher W. Matthies in Osterode a. H., hat seine Anordnung später noch dahin vervollständigt, dass ausser der alle 24 Stunden sich einmal umdrehenden Einfallscheibe (S in Fig. 124) noch eine zweite ähnliche Scheibe vorhanden ist, die alle Stunden einmal ihre Umdrehung vollendet. Die Nase n des Einfallshebels c1 muss dann, um die oben geschilderten Vorgänge zu ermöglichen, natürlich in beide Scheiben einfallen können, wodurch eine noch grössere Genauigkeit als wie bei einer Scheibe erzielt wird.

Bei neuen Uhren werden zweckmässig die Einstellungsapparate gleich mit in das eigentliche Uhrwerk eingebaut, da sich in diesem Falle der Anschluss an die Zeigerleitung wesentlich einfacher gestalten lässt.

Sind auf einer Station mehrere von einander unabhängige Uhren zu richten, so erhält doch nur eine derselben den beschriebenen Apparat; die übrigen erhalten einfachere Einrichtungen, da ihre Elektromagnete nicht erst in die Telegraphenleitung einbezogen zu werden brauchen, sondern in eine Localleitung zu schalten sind, die durch einen Contact des Hauptuhrapparates geschlossen wird. Bei Uhren endlich, deren Zeigerwerke direct, nämlich ohne Vermittelung von Zeigerleitungen angetrieben werden, entfällt selbstverständlich im Hauptapparate wie in den Nebenapparaten die Einrichtung zum Loskuppeln der Zeigerleitung vom Uhrwerke, weil die Einstellung gleich unmittelbar am Zeigerwerke selbst vorgenommen werden kann (vgl. Vortrag des Telegrapheninspectors Fink, gehalten am 28. Januar 1887 in der Sitzung des Hannoverschen Bezirksvereins deutscher Ingenieure, Osterode 1887, Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. 31 S. 321). Es wäre schliesslich nur noch beizufügen, dass ein Matthies'scher Apparat zur Regulirung der Stationsuhren im Bahnhofe Hildesheim bereits seit 1886 mit bestem Erfolge in Verwendung steht.

Jene Systeme elektrischer Uhren, welche bei Eisenbahnen ausgedehntere Anwendung gefunden haben, waren in der Halle für Wissenschaft und Medicin durch die Hipp'schen Constructionen, ausgestellt von Hipp's Nachfolger, Peyer, Favarger und Co. in Neuenburg, und in der Halle für Telegraphie und Telephonie durch das bei C. Theod. Wagner in Wiesbaden erzeugte und seitens dieser Firma ganz besonders reich ausgestellte Grau'sche System vertreten. Beide Systeme sind bekannt (vgl. Hartleben ' s Elektr.-Techn. Bibliothek, Bd. 13, Die elektrischen Uhren u.s.w. von Prof. Dr. A. Tobler) und das erstere in der Schweiz, in Frankreich und Belgien, das zweite besonders in Deutschland sehr verbreitet. Nach einem im October 1889 ausgegebenen Verzeichnisse der Wiesbadener Firma C. Th. Wagner sind von derselben bis dorthin neben einer ganz beträchtlichen Zahl Einrichtungen von industriellen Etablissements aller Art, von Lehranstalten, Verwaltungsgebäuden, Hotels u.s.w. auch eine stattliche Reihe vollständiger Städteeinrichtungen ausgeführt, sowie 38 grosse deutsche Bahnhöfe mit elektrischen Uhrenanlagen nach