Text-Bild-Ansicht Band 285

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Fällt nun wieder das Wasser, dann bewegt sich die Kette in verkehrter Richtung, so dass k2 das Gewicht P2 wieder hebt und s2 bezieh. der Hebel T2 in seine Ruhelage, die durch das Uebergewicht des schwereren, linksseitigen Armes bedingt ist, zurückkehrt. Vermindert sich der Wasserstand schliesslich bis zur zulässigen Grenze, dann ist k1 durch s1 abwärts geschlüpft und das auf s1 liegen bleibende Gewicht P1 drückt nun den Hebel T1 nach aussen nieder. Die Scheibe s1 (Fig. 128) hängt beweglich in dem gabelförmigen Ende des um die Achse d1 drehbaren Hebels T1 t1 und wird durch pendelartige Angusstücke dauernd wagerecht erhalten. Der zweite Arm des Hebels ist durch Bleigewichte so stark belastet, dass er im Ruhezustande stets niedergedrückt bleibt; er trägt einen kräftigen Stahlmagnet m1, dessen Nordpol ein Stückchen über das Hebelende hinausragt. Oberhalb und unterhalb des Hebelarmes t1 ist je ein kleiner Stahlmagnet m2 und m3 um eine Achse x1 bezieh. y1 drehbar angebracht. Bei der Ruhelage des Hebels T1, t1 berührt der Nordpol des Magnetes m1 den Südpol von m3. Die Pole sämmtlicher Magnete sind mit dünnem Platinblech belegt. Wird der Hebel T1, t1 beim Abnehmen des Wasserstandes in der früher besagten Weise gekippt, so nimmt der emporsteigende Magnet m1 den Magnet m3 vermöge der obwaltenden magnetischen Anziehung so weit mit, bis der letztere durch den Stift a1 am Weitergehen verhindert und daher plötzlich von m1 abgerissen wird, um sodann wieder in seine Ruhelage zurückzufallen. Der Magnet m1 bewegt sich mit t1 indessen weiter aufwärts, bis er endlich in die Nähe des Magnetes m2 gelangt, diesen anzieht und sich an ihn anlegt, wodurch nun ein Stromschluss entsteht. Die zweite Contactvorrichtung T2, t2 ist ganz gleich wie die geschilderte eingerichtet. Die Leitung und Batterie sind an den beiden Contactvorrichtungen, wie Fig. 127 zeigt, in folgender Weise angeschlossen: T1 bezieh. m1 steht mit der zum Pumphause führenden Leitung, T2 bezieh. m4 mit der Erdleitung, m2 und m5 mit dem Zinkpol und m3, m6 mit dem Kupferpol der Batterie in leitender Verbindung. Im Pumphause bezieh. an der beliebigen Controlstelle ist ein grosses Galvanoskop V mit breiter, weithin sichtbarer Magnetnadel als optischer Zeichenapparat zwischen Leitung und Erde geschaltet. Solange weder der höchste oder niederste Wasserstand eintritt, steht also m1 mit m3 und m4 mit m6 in Berührung, d.h. die Leitung ist direct zur Erde verbunden und die Batterie bleibt unwirksam; weil ihr Zinkpol sowohl bei m2 , als m5 keinen Anschluss findet; gelangt aber beim grössten Wasserstande m1 mit m2 in Contact, dann geht ein negativer Strom, beim Minimalwasserstande hingegen durch die Herstellung des Contactes m4, m5 ein positiver Strom der Batterie durch das Galvanoskop, die Nadel in dem einen Falle rechts, in dem anderen links ablenkend. Es empfiehlt sich übrigens, dieses sichtbare Signal durch ein hörbares zu ergänzen, weshalb auch noch ein Läutewerk hw in die Linie geschaltet wird, dessen Anker eine doppelte Falle besitzt. Bei jedem Contactschlusse erfolgt also die Anziehung des Ankers und wird das Läutewerk einmal ausgelöst, so dass es die Gruppe Glockenschläge abgibt, für welche es eingerichtet ist. Die Einlösung erfolgt dann, in Betracht der bekannten, ungleich hohen Fangschnapper, ohne weiteres, gleichgültig, ob der Strom noch vorhanden oder schon wieder unterbrochen ist. Solche Tormin'sche Wasserstandsanzeiger sind in den Stationen Rheine und Osnabrück mit Erfolg verwendet und als vortheilhaft daran erweist sich die eigenthümliche Anwendung von Stahlmagneten zur Contactgebung, weil vermöge derselben das Schliessen und Oeffnen des Stromkreises stets nur einmal und plötzlich erfolgt, wogegen bei anderen Anordnungen und insbesondere bei Federcontacten ein störendes Zittern bezieh. mehrmaliges Schliessen vorkommen kann.

Textabbildung Bd. 285, S. 246
Wesentlich anders ist die Anordnung und Zeichengebung bei dem in der Sammlung der königl. preussischen Staatseisenbahnverwaltung ausgestellt gewesenen Sesemann'schen Wasserstandsanzeiger. Bei dieser 1883 im Deutschen Reiche patentirten Einrichtung, welche die schematische Fig. 129 verdeutlicht, hat die in der Nähe des Wasserbehälters aufzustellende Contactvorrichtung einen eigenen Motor, nämlich ein blechernes Zellenrädchen R, das durch den aus einem dünnen Zweigrohre Z des Abflussrohres ausströmenden Wasserstrahl in gleichmässige Umdrehungen versetzt wird, wozu innerhalb 24 Stunden annähernd 1 cbm Wasser ausreicht. Das Rad R überträgt seine Bewegung gleich der Schwungradachse einer Drehbank durch die Schnurscheiben R1 und R2 auf die Achse x2 und die darauf festsitzende Trommel R5. Auf der Mantelfläche dieser Trommel, welche in Fig. 129 nebenbei in der Draufsicht und in Fig. 130 im Zusammenhange mit den übrigen Haupttheilen des Näheren dargestellt ist, sind neben einander in gleichen Abständen 20 bezieh. 19 Metallrippen (Messingstäbe o. dgl.) von gleichmässig zunehmender Länge so angeschraubt, dass die erste 1, die zweite 2, die dritte 3 u.s.w. Zwanzigstel der Trommel lang ist. Diese Rippen stellen gleichsam einen zwanzigtheiligen Maasstab für die Ganghöhe des Schwimmers dar. Parallel zu R2 liegt auf Lagerschrauben drehbar die Schraubenspindel y1, y2 (Fig. 130), welche bei den Aenderungen des Wasserstandes durch den auf oder nieder gehenden Schwimmer S (Fig. 129) hin bezieh. zurück gedreht wird, da die über die Rollen r1, r2, r