Text-Bild-Ansicht Band 279

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durch andere von beliebiger Grosse ausgewechselt werden kann. Sodann ist der Antrieb mit einem Handrad versehen, so dass der Arbeiter nicht in die Speichen der Antriebvorrichtung greifen muss, um den Stuhl zurückzudrehen, was gefährlich und zugleich aus dem Grunde umständlich ist, da sich die Antriebscheibe an der hinteren Seite des Stuhles befindet. Das Handrad ist glatt mit vollem Boden ohne Speichen und mit zum Anfassen gerundetem, abgedrehtem Rand, so dass durch dasselbe kein Unfall hervorgerufen werden kann. Es befindet sich an der Vorderseite des Stuhles und ist dadurch vom Arbeiter bequem zu erreichen. Der Schützenschlag ist mit einer Ausrückvorrichtung versehen, welche Bruch verhütet, sobald durch unrichtige Einstellung der Schützenzellen die Zwischenwand der letzteren ein Hinderniss für den Treiber bildet. Diese Ausrückvorrichtung befand sich bisher in der Regel zwischen den bewegenden Theilen des Schlagzeugs eingeschaltet, wodurch letzteres erheblich erschwert wurde und dadurch die Stösse beim Schützenschlag vergrössert wurden. Bei der neuen Ausrückung (Fig. 2 und 3) ist dieser Uebelstand fortgefallen, indem der vom Holzschlaghebel nach dem auf der Schlagwelle befindlichen Hebel führende Riemen nicht an letzterem direct befestigt, sondern über eine an dem Endpunkt dieses Hebels befindliche Rolle geleitet und an einem unten auf dem Holzrahmen gelagerten Hebel befestigt ist.

Textabbildung Bd. 279, S. 84

Letzterer Hebel ist durch eine federnde Kerbe in seiner Stellung für gewöhnlich fest gehalten, und nur ein allzu starker Stoss, wie er eben entstehen muss, wenn der Treiber nicht gegen den Schützen trifft, sondern durch irgend ein Hinderniss festgehalten wird, veranlasst den Hebel aus der Kerbe auszuspringen und damit durch das Nachlassen des Riemens den Stoss des Schützenschlages zu brechen. – Der siebenfache Schützenwechsel ist ausserordentlich vereinfacht, alle Zwischenhebel und Schieber beseitigt, so dass einestheils weit weniger Reibung vorhanden ist, wie bei den seitherigen Systemen, andererseits die Einstellung des Wechsels die denkbar einfachste und handlichste ist (Fig. 4). – Auch auf die Bauart des Gestelles ist besondere Sorgfalt verwendet und besonders dahin gewirkt, dass die beim Schützenschlag entstehenden Stösse nach einem, dem Stuhl als Unterlage dienenden starken Holzrahmen geleitet sind.

Textabbildung Bd. 279, S. 84

In letzter Zeit tauchen wieder einige Versuche auf, die Doppelsammetstühle zur Herstellung von Plüschen, in welchen die einzelnen den Flor bildenden Fadenbündel im Versatz stehen (sogen. Diagonalbindung), in Anwendung zu bringen. Während nämlich diese Stühle sich für einpohlige Sammetgewebe, in welchen die ganze Kette eine Reihe Florbüschel bildet, vorzüglich eignen, will es nicht gelingen, einen guten Plüsch, bei welchem nur jedesmal die Hälfte der Fäden die einzelne Florbüschelreihe bildete, mit denselben zu erzielen. Es liegt dies darin, dass der einzelne Florfaden bei der letzteren Bindung nicht doppelt liegt und so ein Büschel bildet, sondern abwechselnd in das obere ödere untere Gewebe tritt, dadurch vereinzelt und nach entgegengesetzter Richtung stehend erscheint und demgemäss einen Flor bildet, welcher eine ungleiche Oberfläche hat (sperrt).

Textabbildung Bd. 279, S. 84

Ein letzthin erschienenes Patent scheint einigen Erfolg bezüglich Beseitigung dieses Nachtheils zu bieten, indem die Florkette hierbei für das Ober- und Untergewebe für sich genommen und beide Theile zwischen den Geweben durch eine Dreherbindung um einander geschlungen werden. Das richtige Functioniren der das Drehergewebe bildenden Schafte ist aber bei der erforderlichen dichten Einstellung sehr fraglich, auch wird eine weitere Schwierigkeit entstehen, das zwischen den Geweben schneidende Messer so zu stellen, dass der Schnitt genau zwischen die obere und untere Schlinge trifft. Ein Haarbreit zu hoch oder niedrig wird zur Folge haben, dass sich im unteren oder oberen Gewebe nicht aufgeschnittene Schlingen vorfinden. Von denselben Erfindern wird ein Verfahren gebracht, mittels sogen. Verriegelungsschlussfäden die Bindung derartig zu gestalten, dass die Florfäden gleichmässig stehende Büschel bilden; doch hat auch dieses Verfahren manches Bedenkenerregende. Die Bindung der Florfäden liegt dabei unterhalb des Grundgewebes, wodurch letzteres verdickt und ein bedeutender Mehrverbrauch an Garn der Lohnersparniss durch die mechanische Herstellung ziemlich stark die Wagschale halten wird.