Text-Bild-Ansicht Band 281

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Gesellschaft Bestellungen im Werthe von über Mk. 400000 haben soll. Einen noch grösseren Umfang hat indess die Einführung von Setzmaschinen, wie erwähnt, in Amerika angenommen, indem hier, speciell in New York und Chicago, die grössten Zeitungen in der Hauptsache mit Setzmaschinen arbeiten, so dass ein grosser Theil der Zeitungssetzer in New York schon überflüssig geworden ist bezieh. noch werden wird. Ferner hat sich daselbst eine „Gesellschaft für mechanischen Satz“ mit einem Grundkapital von 75000 Dollars (300000 Mk.) gebildet mit einem der bedeutendsten Buchdrucker, Thes. L. De Vinne, an der Spitze, welche die Einführung von Setzmaschinen im Grössen plant und die auch bereits nach längeren Versuchen 50 Maschinen nach dem System Mac Millans bestellt hat. Ueber diese Maschine ist in D. p. J. bereits 1889 274 * 460 berichtet worden.

Textabbildung Bd. 281, S. 79
Diese Gesellschaft beabsichtigt eine grossartige Setzerei zu begründen, in der ihre Mitglieder beliebig viel Satz hergestellt erhalten können, dessen Preis sich hierbei, wie man veranschlagt, auf höchstens 20 Cents für 1000 m stellen wird, während man jetzt 40 bis 45 Cents dafür zahlen muss. Man will übrigens für das Setzen keineswegs Mädchen, sondern Mitglieder des Setzer Vereins verwenden, falls dieselben nicht eine feindliche Stellung gegenüber den Maschinen einnehmen, und man berechnet, dass dieselben im Durchschnitt 4000 m in der Stunde bequem liefern können.

Der Hauptgrund zur Errichtung einer solchen Maschinensetzerei sind die hohen in New York zu zahlenden Satzpreise, welche es den Druckern der benachbarten kleineren Städte ermöglichen, die meisten Verlegerarbeiten aus der Hauptstadt weg und zu sich zu ziehen. Diese Benachtheiligung soll nun in der genannten Weise gehoben werden und beabsichtigt de Vinne, der Drucker der bedeutendsten amerikanischen Monatsschrift, des Century Magazine, auch dieses in der neuen Maschinensetzerei herstellen zu lassen.

In ähnlicher Weise haben sich andere Setzmaschinen einzuführen vermocht, so der Lagerman'sche Setz- und Ausschliessapparat (1889 274 * 463 und * 471), von welchem z.B. für Oesterreich-Ungarn bereits 45 Exemplare bestellt worden sind, und der Winder'sche Setz- bezieh. Ablegeapparat (1889 274 474), der Mk. 200 bezieh. Mk. 1000 kostet. Mit dem Setzapparat sollen sich in der Stunde 3000 m, d.h. soll sich Satz im Werthe von 3000 Gevierten setzen und ausschliessen lassen, während die Leistungsfähigkeit des Ablegeapparates auf 8000 bis 9000 Lettern in der Stunde angegeben wird.

In noch höherem Grade wie diese Setzmaschinen hat indess die Mergenthaler'sche Matrizen-Setzmaschine Linotype, über welche in D. p. J. 1889 274 * 475 berichtet worden ist, das Interesse der Fachwelt erregt. Den Vertrieb dieser Maschine für England und das Festland bewirkte das Linotype-Syndicat, welches anfangs in seinen Bestrebungen zur Bildung einer Actiengesellschaft mit einem Kapital von 1000000 Pfd. Sterl. nicht viel Erfolg hatte, indem nur etwa 50000 Pfd. Sterl. gezeichnet wurden. Die geplante Gesellschaft ist indess später unter dem Namen The Linotype Co. Limited zu Stande gekommen und hat eine grosse Anzahl Maschinen in englischen Druckereien untergebracht.

Neuerdings hat nun die Linotype-Maschine, deren Vertrieb in Amerika die National Typographie Company in Washington bewirkt, eine völlig neue Construction erhalten, derart, dass eigentlich nur der Arbeitsgang der Maschine derselbe geblieben ist. An die Stelle des Luftstromes, welcher die durch Tastendruck ausgelösten Matrizen die schiefe Ebene hinabblies, ist ein Führungsband getreten, die elektrischen Bewegungsmechanismen sind beseitigt worden, die Zuführungs- und Ablegeeinrichtung ist einfacher und verlässlicher geworden u.s.w. Ueberhaupt dürfte die Construction in ihrer Gesammtheit und in ihren Einzeltheilen, soweit sich das an der Hand der uns vorliegenden Zeichnungen beurtheilen lässt, als eine wesentlich vollkommenere, abgerundetere bezeichnet werden, und lässt sie zugleich erkennen, mit welcher Energie an der Verbesserung der Linotype-Maschine gearbeitet wird. Wir führen die neue Bauart, die übrigens auch in Deutschland unter Nr. 57318 vom 16. September 1890 an patentirt worden ist, in einer Gesammtansicht vor, und sei über den Arbeitsgang der Maschine Folgendes bemerkt:

Indem der Bethätiger der Maschine zur Zusammenstellung einer Reihe nach und nach die Tasten D der auf einander folgenden Buchstaben drückt, werden die entsprechenden Matrizen aus dem Magazin B ausgelöst, von wo sie durch die Kanäle C auf den Riemen H fallen. Letzterer überliefert sie nach einander in aufrechter Stellung dem Setzkasten I, in welchen sie, eine nach der anderen, durch ein umlaufendes Bogendreieck eingeschoben