Text-Bild-Ansicht Band 281

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werden. Von Zeit zu Zeit werden durch Bethätigen der betreffenden Tasten Spatiumstangen, bezüglich deren Gestalt 1889 274 * 476 zu vergleichen ist, aus dem Magazin K ausgelöst und in gleicher Weise wie die Matrizen in den Setzkasten I eingeschoben. Ist auf diese Weise das Setzen einer Zeile vollendet, so wird der Setzkasten gehoben, d.h. die Zeile wird zwischen zwei Arme L nach oben geschoben, welche sie sofort nach links durch die Führung M in den Schlitten N einschieben.

Ist dies geschehen, so führt der Schlitten N sofort die Reihe nach abwärts vor die Form des Formrades O, welche ihrerseits ihre wagerechte Normalstellung annimmt. Sobald die Matrizenzeile diesen ihren Abwärtsgang vollendet hat, bewegt sich das Formrad heran und bringt seine Form vor die Zeile. Jetzt beginnt das Ausschliessen der letzteren in seinem ersten Theil, d.h. die Spatiumstangen werden eine nach der anderen gehoben, worauf das Schmelzgefäss sich gegen die Rückseite der Form legt und gleichzeitig die Matrizen fest gegen einander gepresst werden. Hierauf vollendet sich das Ausschliessen und Festlegen der Matrizenzeile und die Pumpe des Schmelzgefässes presst geschmolzenes Metall in die Form ein.

Ist so der Guss erfolgt, so geht die Vorrichtung zum Ausschliessen nach abwärts, der Pumpenkolben hebt sich, das Schmelzgefäss geht von der Form zurück und diese von den Matrizen. Hierauf macht das Formrad O eine Drehung und bringt dadurch die Form vor einen Ausstösser, welcher die fertige Letternzeile zu einer Columne sammelt oder einzeln ausstösst.

Gleichzeitig bewegt sich Arm T in seine untere Stellung nach der Bahn R. Während dieser Zeit hebt der Schlitten N die Reihe zur wagerechten Bahn R, ein Gleitstück schiebt die Matrizenzeile in diese Bahn und auf die Schiene t des Armes T.

Dieser Arm schwingt nun nach aufwärts, wobei er die Matrizen zwischen den Spatiumstangen heraushebt, und bringt die Matrizen in die Höhe des Vertheilers A. Die Spatiumstangen bleiben somit in der Bahn R zurück und werden dann von einem Haken wieder nach rechts in ihren Behälter K übergeführt, die emporgehobenen Matrizen dagegen werden von einem vom Arm P bethätigten Schieber von der Schiene t des Armes T herunter in den Vertheiler A eingeschoben, während gleichzeitig das Formrad O wieder in seine Ausgangsstellung zurückgedreht wird, so dass die Gussform wieder die wagerechte Lage einnimmt.

Der Matrizenvertheiler A besteht aus einem Paare Transportschrauben, welche die Matrizen auf einer keilförmigen, mit Längsrippen versehenen Schiene entlang führen. Diese Rippen stimmen mit Einschnitten der Matrizen überein und sind über den Kanälen des Magazins B theilweise weggeschnitten, so dass die Matrizen über ihren zugehörigen Kanälen nicht mehr gehalten werden und in diese hineinfallen, um in der beschriebenen Weise wieder von neuem verwendet zu werden.

Das Zusammenstellen einer Matrizenzeile, das Abgiessen der vorher gesetzten und das Vertheilen der Matrizen bezieh. Spatien einer dritten gehen gleichzeitig vor sich. Der gesammte Mechanismus zum Setzen der Matrizen, sowie derjenige zum Vertheilen derselben in die Magazine werden, wie oben aus einander gesetzt wurde, beständig und unabhängig vom Mechanismus zum Abgiessen angetrieben, welch letzterer intermittirend wirkt. Der Zweck einer solchen Vorkehrung besteht darin, dass man Matrizenreihen, welche der im Guss befindlichen folgen, setzen und andere, welche der im Guss befindlichen vorausgehen, vertheilen kann, ohne in irgend einer Weise von der Wirkung der Giessvorrichtung abhängig zu sein.

Ob diese neue Linotype-Maschine bereits auf den Markt gebracht ist, lässt sich aus unseren Quellen nicht ersehen, sicherlich dürfte sie aber zur Einführung sehr viel besser geeignet sein als die ältere Bauart, und wird wohl auch demnächst eine deutsche Gesellschaft zur Ausnutzung der Patentrechte gebildet werden.

Ueber die ältere Bauart liegen, im Gegensatz zu früheren, sehr absprechenden Meinungen, zur Zeit ziemlich günstige Urtheile vor. Nach einer auf der Maschine gedruckten Nummer der Railway Press (William Burgess, London) führt die Papierzeitung aus, dass der Druck anerkennenswerth sauber aussieht und dass nur hier und da zwischen zwei Buchstaben ein feiner Spiess die Stelle erkennen lässt, wo Staub oder Schmutz das enge Anschliessen zweier Matrizen verhinderte und für das Eindringen flüssigen Metalles eine feine Oeffnung bot. Auch andere Fachblätter sprechen sich anerkennend aus, indem sie u.a. hervorheben, dass die Ausschliessung der Zeilen eine weit bessere sei, als sie heute von der Mehrzahl der Setzer hergestellt wird.

Der schwerwiegendste Einwurf, welcher bisher gegen die Linotype erhoben wurde, bezog sich auf die Schwierigkeit der Correcturausführung. Bei dem kleinsten Buchstabenfehler muss die ganze Zeile verworfen, neu aus Matrizen zusammengefügt und gegossen werden. Nach unserer Quelle ist dieser Missstand nicht so arg, als er aussieht. Die Aneinanderreihung der Matrizen erfolgt vor den Augen des Claviersetzers, und da jede Matrize an der nach vorn gewendeten Seite den betreffenden Buchstaben ein zweites Mal zeigt, so kann der Setzer jederzeit prüfen, was er gesetzt hat, und Berichtigungen vor Beginn des Gusses vornehmen.

Die Correcturen der Linotype fallen im Durchschnitt angeblich sauberer aus, als bei Handsatz. Es sind in dieser Hinsicht nach Paper and Press von Herrn William Rand (in Firma Rand, Mc Nally und Co.) in Chicago vergleichende Versuche betreffs des Zeitverlustes angestellt worden, bei denen für die Correctur einer Linotype-Zeitungsspalte angeblich nur ⅕ der in diesem Falle für Handsatz benöthigten Zeit gebraucht wurde, was allerdings wohl übertrieben sein dürfte.

Bezüglich der Verwendung und der Leistungsfähigkeit der Linotype-Maschine, die in England nicht verkauft, sondern bei 200 Pfd. Sterl. Caution für 80 Pfd. Sterl. jährlich verliehen wird, sei bemerkt, dass ein Linotype-Setzer etwa 6000 m in der Stunde liefern kann wobei er nicht abzulegen braucht, da das die Maschine selbsthätig bewirkt. Demgegenüber setzt ein flinker Handsetzer in der Stunde etwa 1000 m, während ⅓ dieser Zeit zum Ablegen gebraucht wird.

Nach einer Mittheilung des Arbeiterblattes Craftsman aus Louisville, Kentucky, werden die beiden dortigen Zeitungen Courier-Journal und Times im glatten Satz einschliesslich der Börsennachrichten auf Linotype-Maschinen hergestellt. Die betreffende Druckerei hat 30 solcher Maschinen; davon sind in der Regel 22, Sonnabends 27 Maschinen