Text-Bild-Ansicht Band 281

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in Betrieb. 22 Maschinen lieferten in 7 Tagen 2902000 Gevierte Satz. Die Arbeiter an den Maschinen erhalten 20 Cents für 1000 m und verdienen täglich 3 bis 6 Dollars. Den Druckereibesitzern kostet das Tausend m Maschinensatz 26 Cents, so dass sie gegenüber dem Handsatz (35 bezieh. 40 Cents) ansehnliche Ersparniss erzielen.

Ausser den genannten Tageszeitungen haben auch die Chicago News und das Providence Journal Linotype-Maschinen aufgestellt, von welchen Druckereien der Linotype-Gesellschaft am Ende vorigen Jahres Gutachten über die bisherigen Leistungen der Maschine ausgestellt worden sind. Der Oberfactor der New York Tribüne theilt mit, dass die in deren Druckerei aufgestellten Linotype-Maschinen in den letzten 12 Monaten etwa 274472000 m (Gevierte) geliefert haben und zwar zu einem Preise, der um etwa 80000 Dollars niedriger ist als der übliche Satzpreis. In dieser Ersparniss ist der Fortfall der Anschaffungskosten für neue Schrift noch nicht inbegriffen. Der Herausgeber des Louisville Courier Journal, Walter Haldeman, gibt die Leistung seiner Linotype-Maschinen in einem Jahre auf 184102800 m, die erzielte Ersparniss auf 35000 Dollars an, und der Verleger der Chicago News. schätzt seine Ersparniss auf über 50 Proc.

Bemerkt sei noch, dass die Erfolge der Linotype-Maschine in Amerika bereits zu einer Nachbildung und starken Concurrenz geführt haben, und zwar ist es besonders die Rogers'sche Maschine (1889 274 * 461), welche nach dem Vorbilde der Linotype-Maschine umgebaut ist. Unter anderem kommen hier an Stelle der aus auf einander parallel verschiebbaren, mit Keilflächen versehenen Theilen bestehenden Mergenthaler'schen Spatiumstangen keilförmig verlaufende Spatiumscheiben zur Verwendung, die bei der Ausschliessung auf einander verdreht werden. Einfacher dürfte nur das der Rogers'schen Maschine eigenthümliche Ablegen der an Drähten hängenden gesetzten Matrizen sein, was durch Hochklappen des Oberrahmens erfolgt, so dass die Matrizen auf ihren Drähten wieder hinter ihre Sperrungen zurück gleiten. Im Uebrigen macht bei einem eingehenden Vergleiche beider Constructionen die neue Mergenthaler'sehe Linotype-Maschine auf den Schreiber dieses einen vollendeteren Eindruck als die Rogers'sche Maschine. Auf diese Maschine wird, sobald praktische Ergebnisse vorliegen, in D. p. J. zurückgekommen werden.

Alle die genannten Daten beweisen, dass die Einführung von Setzmaschinen heute kein kühnes unwirthschaftliches Project mehr ist, sondern greifbare Gestalt angenommen hat. Die im letzten Berichte (1889 274 459) ausgesprochene Ansicht hat daher bald Bestätigung gefunden. Dass dabei diese Frage in Amerika und England einen rascheren Verlauf nimmt, ist eine natürliche Folge der dort herrschenden theueren Lebensverhältnisse, während in Deutschland ein derartig starkes Interesse des Ersatzes der Handarbeit durch mechanische Arbeit zur Zeit noch nicht vorliegt, wiewohl der Verlauf der Setzmaschinenfrage in den genannten Ländern natürlich nicht ohne Rückwirkung auf die deutschen Verhältnisse bleiben wird. Durch die Einführung von Setzmaschinen wird zunächst allerdings eine Anzahl Schriftsetzer beschäftigungslos und ist deren Widerstreben daher begreiflich. Diese Abneigung und Furcht dürfte indess unbegründet sein, denn die Geschichte der technischen Entwickelung lehrt, dass die Arbeitsgelegenheit durch vervollkommnetere Verfahren und Maschinen nicht vermindert wird, sondern nur andere Formen annimmt. Die Abneigung gegen die Setzmaschine wird daher schwinden und wird deren Einführung auch in unseren Druckereien in nicht zu ferner Zeit erfolgen.

R. Knoke.

Neuerungen im Metallhüttenwesen und in der chemischen Metallbearbeitung.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 277 * S. 481.)

Georg Nahnsen in Hannover hat Untersuchungen über die Wirkung der Abkühlung zinksalzhaltiger Elektrolyte angestellt.

Bei der elektrolytischen Gewinnung von Zink arbeitete man bisher mit sehr hohen Stromdichten, da bei Verringerung desselben das Zink sich in schwammiger, nicht zusammenschmelzbarer Form niederschlug. Gleichzeitig musste man zur Erzeugung grosser Stromstärken in den schlechtleitenden Zinksalzlaugen unverhältnissmässig hohe Spannung aufwenden.

Nahnsen hat nun durch Versuche festgestellt, dass die anwendbaren Stromdichten von den Temperaturen der Elektrolyte abhängig sind, wobei verschiedene Salze und verschiedene Concentrationen nur geringen Einfluss zeigen.

Nachstehende Tabelle veranschaulicht diese Abhängigkeit der Stromdichte von der Temperatur.

Der Zinkniederschlag ist bei einer:

Stromdichte von
Amp/qm
und bei einer Temperatur von
10° 20° 30° C.
10 fest schwammig schwammig schwammig
50 fest schwammig schwammig
beginnend
schwammig
100 fest fest schwammig schwammig
beginnend
150 fest fest fest schwammig
200 fest fest fest fest

Will man also mit einer Stromdichte von 100 Amp/qm arbeiten, so muss man gleichzeitig die Temperatur des Elektrolyten auf unter 20° C. halten. Es empfiehlt sich jedoch im Grossbetriebe, um an elektrischer Arbeit zu sparen, mit einer Stromdichte von 50 Ampère und darunter zu arbeiten und demgemäss den Elektrolyten dauernd und gleichmässig kühl zu halten, was zweckmässig durch eine Kältemaschine geschieht.

Bei der Elektrolyse von Zinkschaum löst sich das Zink an den Anoden vor den übrigen, gewöhnlich mit demselben legirten Metallen, wie Kupfer, Silber, Blei u.a. auf, und die fremden Bestandtheile gehen in den Schlamm über. Die Scheidung ist im weitgehendsten Maasse von der Anodenstromdichte abhängig. Dieselbe erfordert in der Regel noch geringere Stromdichten, als wie sie bei der Raffination des Kupfers gebräuchlich sind. Die für die Anoden anwendbaren Stromdichten sind in jedem einzelnen Falle durch Versuch festzustellen. Dieselben sind in der Hauptsache von dem Legirungsverhältniss, daneben auch von der physikalischen Beschaffenheit der Anoden abhängig. Im Allgemeinen wird dieselbe sehr selten über 50 Amp/qm betragen können und erheischt dann eben, um das Zink in fester, brauchbarer Form niederzuschlagen, die Anwendung mittels Kältemaschinen gekühlter Elektrolyte (vgl. D. R. P. Nr. 56700 vom 20. Juni 1890).