Text-Bild-Ansicht Band 281

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Eine Hauptursache der häufigen Unglücksfälle bei durch Pferde betriebenen landwirthschaftlichen Maschinen ist in dem Fehlen einer Vorrichtung zu suchen, welche gestattet, vom Sitze des Treibers aus das Göpelwerk jederzeit wirksam zu bremsen. Wohl hat man an den rasch laufenden Wellen der Dresch- und Häckselmaschinen Bremsvorrichtungen angebracht, doch haben gewaltsame Hemmungen an solchen Wellen in der Regel zur Folge, dass die übertragenden Räder bezieh. die Universalgelenke der Verbindungsstange zwischen Göpel und Maschine zerbrechen. Bei derartigen Brüchen wird dann der Widerstand, den die Zugthiere zu überwinden haben, plötzlich ganz aufgehoben oder doch so wesentlich verringert, dass die entlasteten Pferde eine beschleunigte Gangart annehmen, die dann leicht in ein wildes Rennen ausartet, gegen welches der Zuruf des Treibers ebenso fruchtlos ist, wie die Bemühungen der ausserhalb der Rennbahn stehenden Personen, die Pferde zum Stehen zu bringen.

Zwecks Regelung des Betriebes und zum Stillsetzen des Triebwerkes ist der Göpel von Rosemann und Co. in Schönau, Böhmen (* D. R. P. Nr. 55399 vom 30. Juli 1890) mit einer Regulirbremse ausgerüstet. Fig. 5 zeigt die patentirte Einrichtung.

Der Göpel besteht aus der Grundplatte A, welche für die Lagerung der Göpelwelle w mit Spurlager und Bügellager versehen ist. Diese Wellen w trägt aufgekeilt, das Kettenrad R, dann einen lose aufgeschobenen Hebelkopf K und endlich eine aufgekeilte Bremsscheibe B. Am Hebelkopfe K ist der eiserne Zughebel H an zwei Angüssen befestigt und ein Anguss i zur Aufnahme eines Bolzens a als Drehpunkt für den Bremshebel h angegossen. Der letztere hält mittels der Stifte e e das Bremsband n fest, welches in der Art durch die Handkurbel c gespannt oder gelöst wird, dass der Bremshebel in einem Schlitze o eine Schraubenmutter m trägt, welche auf dem Gewinde einer nur drehbaren Bremsspindel k sitzt.

Die Bremsspindel k wird an einzelnen Stellen auf dem Zughebel H, wie es aus der Zeichnung ersichtlich ist, befestigt.

Von dem Kettenrade R geht Ewart's zerlegbare Treibkette T auf ein kleines Kettenrad R1 des Vorgeleges V, welches Kettenrad die Bewegung dem Kegelräderpaare r1 und r2 ertheilt.

Die Wellen w1, w2 der Kegelräder und des Kettenrades sind in entsprechenden Lagern l l gelagert und die Welle w2 des Kegelrades r2 mit der Welle w3 der Riemenscheibe S durch eine Schnepperkuppelung D gekuppelt.

Wird der Göpel in Bewegung gesetzt und ist das Bremsband auf der Bremsscheibe lose, so wird sich der Hebelkopf mit dem Zughebel H und dem Bremsbande um die Göpelwelle w bewegen, nachdem der Hebelkopf auf der Welle w lose aufgeschoben ist. Beim allmählichen Anspannen des Bremsbandes, was durch die Kurbel k geschehen soll, wird nach und nach die Bewegung des Zughebels auf die Göpelwelle w übertragen, während das entgegengesetzte Drehen der Handkurbel das Bremsband schlaff macht und somit die Maschine ausser Betrieb setzt.

Durch die Anordnung der Bremse hat man es in der Hand, sofort oder allmählich die Maschine abstellen zu können oder die Maschine nach und nach in Gang zu setzen, was nicht nur Schonung der Maschinentheile, sondern auch die Schonung der Zugthiere zur Folge hat.

Textabbildung Bd. 281, S. 179
Die Firma A. Dinger Söhne in Gumbinnen (* D. R. P. Nr. 55701 vom 1. Juli 1890) benutzt zu gleichem Zwecke gemäss Fig. 6 eine festliegende Bremsscheibe mit beweglichem Bremsbande, dessen Spannung durch einen Kniehebel bewirkt wird.

Zwischen dem oberen Halslager und dem Deichselschuhe befindet sich ein freier Raum von etwa 12 cm, und dieser Raum dient zur Aufnahme der Bremsvorrichtung. Eine gedrehte Bremsscheibe s s ist mittels zweier angegossenen Lappen durch vier Schrauben auf den Lagerhölzern h h derartig festgeschraubt, dass sie die Welle w concentrisch umgibt.

Ein stählernes Bremsband B ist mit seinem einen Ende an einem Knaggen k des Deichselschuhes d d fest verbunden, so dass es sich mit diesem um die Bremsscheibe dreht. Das andere Ende des Bremsbandes steht durch ein Scharnierstück g mit einem Kniehebel in Verbindung, dessen Drehpunkt a ebenfalls mit dem Deichselschuhe fest verbunden ist. Der Hebelarm H steht senkrecht neben dem Sitze des Treibers und kann von diesem leicht vor- oder rückwärts bewegt werden. Durch die Bewegung des Hebels in der Pfeilrichtung wird bewirkt, dass sich der Punkt b im Kreise um a dreht; der Winkel a b c wird also grösser und somit der Punkt c, d.h. das zweite Ende des Bremsbandes mit einer Kraft nach links gedrängt, die bewirkt, dass sich das Band fest um die Scheibe legt.

Die Wirkung der Bremse berechnet sich demnach wie folgt: Ein Pferd am Göpel leistet eine Kraft von 45 k. Nimmt man als Maximum eine Bespannung von 6 Pferden an, die an Deichseln von 3,1 m Radius wirken, so wirkt am Umfange der Bremsscheibe von 66 cm eine Kraft von

Ist K die Kraft, die ein Mann am Hebel leistet, so ist bei einem Hebelverhältniss von

mit Bezug auf den Winkelhebel: