Text-Bild-Ansicht Band 281

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Dies wird dadurch erreicht, dass man die beiden äussersten Enden des Cylinders kurz vor Beginn der Ausströmung mit einander in Verbindung bringt, so dass der Kolben einen Augenblick unter gleichen, entgegengesetzt gerichteten Pressungen, welche der Dampf auf seine beiden Flächen ausübt, im Gleichgewicht gehalten wird und hierauf den eingeschlossenen Dampf auf derjenigen Seite comprimirt, auf welcher nachdem die Einströmung stattfindet.

Textabbildung Bd. 281, S. 260
Man kann den Lauf der Thom'schen Dampfvertheilung an den, Revue industrielle, 1891 S. 93, entnommenen Abbildungen (Fig. 1 bis 6), welche die verschiedenen auf einander folgenden Stellungen eines Allen- oder Trick-Schiebers mit durchbrochener Rückenwand nach System Thom darstellen, leicht verfolgen. Es ist klar ersichtlich, wie gegen Ende des Hubes (Fig. 4) eine Verbindung zwischen den beiden Cylinderkammern entsteht und wie sich der auf diese Weise zugelassene Dampf im unteren Theile des Cylinders comprimirt (Fig. 5) bis zur erneuten Admission (Fig. 6). Man bemerkt auch, dass der innere Kanal des Schiebers niemals mit dem Condensator in Verbindung tritt, so dass sich in demselben nur geringe Dampfmengen condensiren werden. Derartige Schieber arbeiten durchaus zufriedenstellend, sowie bei den grössten Geschwindigkeiten äusserst ruhig und selbst bei Cylindern von 2,6 m Durchmesser.

Das Grundprincip der Thom'schen Dampfvertheilung, die Compression durch Herstellung einer Verbindung zwischen den beiden Cylinderseiten einzuleiten, lässt sich, wie Fig. 7 erkennen lässt, sehr leicht auch bei Kolbenschiebern anordnen, deren Gestalt von selbst eine vollständige Entlastung sichert.

Textabbildung Bd. 281, S. 260
Bei Flachschiebern (Fig. 8) ordnet man in der Regel noch eine besondere Hilfsausströmöffnung E an, die sich gleichzeitig beim erfolgten Verbinden der beiden Cylinderseiten öffnet. Die Entlastung geschieht hier mit Hilfe dampfdicht schliessender Platten P.

Was die Bewegungsenergie des Schiebers nebst zugehörigen Theilen betrifft, so wird diese gegen Ende des Hubes durch den Widerstand eines Kolbens absorbirt, welcher in einem mit Dampf gefüllten Cylinder beweglich ist (vgl. 1891 281 * 102). Der Dampf wird oberhalb und unterhalb der Aussparungen B in dem Cylinder comprimirt, jedoch ist die Compression unterhalb B grösser als oberhalb.

Die Steuerung von Thom erscheint um so beachtenswerther, als dieselbe bereits bei einer grossen Anzahl von Maschinen, deren indicirte Leistungen im Ganzen 120000 betragen, mit Erfolg functionirt.

Fr.

Ueber Fortschritte in der Spiritusfabrikation.

(Patentklasse 6. Fortsetzung des Berichtes S. 214 d. Bd.)

Ueber die Verwendung der Flussäure und der schwefligen Säure zur Erzielung reiner Gährungen erstattete Märcker in der Generalversammlung der Spiritusfabrikanten Deutschlands einen eingehenden Bericht, dem wir nach der Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 14 Ergänzungsheft S. 22, das Folgende entnehmen: Die Anwendung der Desinfectionsmittel kann zweierlei Zwecke verfolgen. Erstens einmal kann sie die Thätigkeit der Diastase unterstützen und stärken, und zweitens kann sie die Thätigkeit der Hefe theils schützen, indem diese Desinfectionsmittel die störenden Nebenorganismen unterdrücken, theils aber auch, indem die Desinfectionsmittel die Hefe selbst zu einer erhöhten Thätigkeit, d.h. zu einer stärkeren Vermehrung und zu kräftigerer Entwickelung der Gährthätigkeit anspornen. Der Verfasser unterzieht zunächst die bisher mit Flussäure und schwefliger Säure ausgeführten zahlreichen Versuche einer kritischen Besprechung, wobei er sehr eingehend die für das Verfahren grundlegenden, interessanten Beobachtungen Effront's bespricht, und kommt zu dem Schluss, dass die bei Anwendung der Flussäure mehrfach zu Anfang beobachteten Misserfolge auf eine falsche Anwendung zurückzuführen sind. Die Anwendung der Flusssäure ist, wie die Versuche von Effront zeigen, auch mit Gefahren verbunden und muss daher mit Vorsicht und Sachkenntniss geschehen. Es genügt nicht, der Maische irgend ein beliebiges Quantum zuzusetzen und dann zu probiren, ob die Alkoholmenge höher oder niedriger wird. Die Anwendung muss in ein vollständiges System gebracht werden, um dabei keinen Schaden anzustiften. Ferner muss eine vollständige Berücksichtigung derjenigen Wirkungen stattfinden, die sich seitens der Desinfectionsmittel schädigend auf die Diastase und die Hefe äussern können. Der Verfasser geht dann zu seinen eigenen Versuchen über, die grösstentheils von Cluss im Laboratorium der Versuchsstation Halle ausgeführt wurden und bisher noch nicht veröffentlicht sind. Die ersten Versuchsreihen beschäftigten sich lediglich damit, wie man durch Einwirkung der Flussäure und der schwefligsauren Salze die Säuerung der Maische eindämmen könnte, und gleich die ersten Versuche, die absichtlich derart ausgeführt wurden, dass eine möglichst starke Säuerung eintreten musste, lieferten den Beweis, dass die Flussäure fast ein souveränes Mittel ist, um die Säuerung einzudämmen. Es zeigen dies folgende Zahlen: 20 ec Maischfiltrat entsprachen Cubikcentimetern Normalnatron: