Text-Bild-Ansicht Band 282

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einem Gummischlauch und durch diesen in einer etwas gekrümmten Glasröhre.

Die Arbeit ist nun folgende: Die Bohre sei mit irgend einer Zuckerlösung gefüllt; nach deren Beobachtung lässt man die nächstfolgende durch das Trichterrohr einfliessen, wobei am anderen Ende ebenso viel der vorhergehenden abfliesst; es muss nur das Ganze so aufgestellt sein, dass das Abflussrohr nicht als Heber wirkt und die Röhre immer voll bleibt. Man lässt die Flüssigkeit über ein untergestelltes Gefäss, das als Ablauf dient, münden. Alsdann treibt die einfliessende Lösung den Inhalt der Röhre vor sich her und man hat bald eine klare Flüssigkeit; ist eine genügende Menge durchgelaufen, so kann man die Beobachtung vornehmen. Da diese nur dann möglich ist, wenn der Inhalt der Röhre wirklich vollkommen verdrängt ist und die vorher entstandenen Streifen (Schlieren) verschwunden sind, so ist dadurch selbst die Sicherheit der Beobachtung gewährleistet.

Es sind natürlich einige Versichtsmaassregeln zu befolgen, nämlich die nachstehenden:

Zuerst wird die Beobachtungsröhre mit Wasser gefüllt und so der Nullpunkt eingestellt, dann hat man sich zu vergewissern, ob die Enden vollkommen dicht sind, und danach etwaige Abänderung zu treffen. Dann macht man zwei oder drei Bestimmungen mit demselben Saft, um das Wasser vollkommen zu beseitigen, wobei es gut ist, wenn dem Wasser vorher etwas Essigsäure zugesetzt war, damit keine Trübung entstehe. Ist einmal das Wasser verdrängt, so lässt man die folgende Lösung einfliessen und beobachtet, wie oben angegeben. Zahlreiche Versuche haben gezeigt, dass man leicht 120 bis 140 cc Lösung von 200 cc Breimischung mit Wasser und Bleiessig erhält und dass für eine Polarisationsröhre van 400 mm Länge von dem Durchmesser der Proberöhren etwa 50 bis 70 cc Flüssigkeit nöthig sind, um eine vollkommen streifenfreie Füllung zu erhalten.

Man ist im Stande, vier Ablesungen in der Minute zu bewirken, also mindestens doppelt so rasch wie sonst zu arbeiten und ohne Ermüdung bis 1200 Polarisationen in zehn Stunden auszuführen, wenn man sich eines Halbschattenapparates bedient und das Auge vollkommen vor der Einwirkung des Lichtes geschützt ist, wie das ja allgemein üblich ist.

Da es für Samenrüben auf Fehler von 0,2 bis 0,3 Proc. nicht ankommt, so kann man auch leicht obige Zahl noch erheblich vermehren.

Das Durchflussrohr bietet also nach allen Seiten Vortheile vor dem gewöhnlichen und wird bei der Auswahl der Mutterrüben sehr gute Dienste leisten und Untersuchungsreihen gestatten, vor welchen man bei der gewöhnlichen Arbeitsweise zurückscheute.

Ueber die Arbeit mit dem Yanjan-Verdampfapparat (vgl. 1887 266 * 128 und 1888 269 * 126) wurde Folgendes bekannt:

I.

In der russischen Zuckerfabrik Borina (Sapiski, 1890 S. 588. Bull. assoc. chim., Bd. 8 Nr. 9) geschieht die Saftverdampfung mit dem Yaryan-Apparat, dessen Körper je eine Heizfläche von 59,3 qm haben. Nach Ciekhanowitch hat der zugeführte Heizdampf im ersten Körper 1,2 bis 2 k Spannung; die „Luftleere“ ist 7,6 bis 12,7 cm im ersten, 30,5 bis 38,1 cm im zweiten, 58,4 bis 63,3 cm im dritten Körper; die Temperatur des Saftes vor deren Eintritt beträgt 97,5° C., beim Uebergang in den zweiten Körper 95°, vor dem dritten 65° C., beim Austritt als Dicksaft 60° C.

Um die Arbeit zu beurtheilen, hat man die eintretende Saftmenge durch einen Zähler gemessen. Man fand 30962 Gallonen oder etwa 1400 hl in 24 Stunden. Die Dichte betrug beim Eintritt 4°, beim Austritt aus dem ersten Körper 5° B., aus dem zweiten 11°, aus dem letzten 22° B. Das Condensationswasser tritt mit 44° C., das ammoniakalische Wasser mit 81° C. aus. Der Zuckerverlust in den Condensationswässern betrug im Mittel 0,004, bald mehr oder weniger. In den Ammoniakwässern suchte man den Zucker mit α-Naphtol zu bestimmen, erhielt aber keine Reaction.1)

Der Berichterstatter bezeichnet als einen grossen Uebelstand die Reinhaltung des Verdampfapparates. Der erste und zweite Körper müssen jeden Monat, der dritte alle zwei Wochen gereinigt werden2); dies geschieht durch zweistündiges Waschen mit kaustischem Natron und darauf folgendes Auskratzen.

II.

In der Zuckerfabrik Tischnowitz (Mähren) ist im Vorjahre die Verdampfstation nach dem Yaryan-System errichtet worden (Bericht von Strohmer in Oesterreichisch-Ungarische Zeitschrift für Zuckerindustrie, 1891 Heft 7).

Die neue Verdampfstation der Tischnowitzer Zuckerfabrik besteht aus zwei Yaryan-Vierkörperapparaten, welche zusammen eine effective Heizfläche von 700 qm besitzen. Mit Rücksicht auf eine in Aussicht genommene Erhöhung der täglichen Verarbeitung auf 4000 MC. wurde die Verdampfungsanlage gleich von vornherein für diese Verarbeitung hinreichend gross angelegt.

Die Arbeit mit den Yaryan-Verdampfapparaten ist eine continuirliche, und es liefern die Apparate kurz nach Beginn der Operation den fertig concentrirten Saft. Dabei genügt die geringste Verstellung der Schieber in den ersten Körpern, um jede gewünschte Concentration in wenigen Augenblicken zu erhalten.

Der Yaryan-Apparat arbeitet nahezu ohne jede Beaufsichtigung, und genügt, wenn die Bedienung, wie in Tischnowitz, von einer Tribüne aus durchgeführt ist, ein Mann für zwei Apparate.

Der Dünnsaft hatte, wie sich aus den Betriebsbüchern in Tischnowitz ergibt, im Durchschnitt 10,75 B. und wurde gleichmässig auf 48,65 B. eingedickt.

Dem Berichterstatter scheint in dem Umstände, dass in den Yaryan-Apparaten der Saft nur secundenlang der höheren Temperatur ausgesetzt ist, gegenüber den gewöhnlichen Apparaten, wo derselbe oft stundenlang gekocht wird, ein grosser Vortheil zu liegen, denn es ist so bei den Yaryan-Apparaten eine Caramelbildung fast ausgeschlossen; es soll auch, wie mitgetheilt wurde, die Farbenprobe zu Gunsten dieses Systems ausfallen, wenn man concentrirte Säfte von gleichem specifischen Gewichte vergleicht, von denen die eine Probe in einem der gewöhnlichen Verdampfer, die andere im Yaryan-Apparate eingedickt wurde.

1)

Warum kein anderer Nachweis geführt wurde, ist nicht angegeben.

D. Red.

2)

Es ist leider nicht zu erkennen, ob dieser Uebelstand nicht vielmehr durch die Beschaffenheit der Säfte bedingt wird.

D. Red.