Text-Bild-Ansicht Band 282

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Auch der weitere Umstand, dass sich in jedem Momente der Arbeit sehr geringe Mengen Saft im Apparate befinden, scheint eine Annehmlichkeit dieser Apparate zu sein, denn auf diese Art allein ist es möglich, dass mit dem Abstellen des Saftzuflusses in der nächsten Minute auch schon der ganze Apparatbetrieb beendet ist, und somit das oft stundenlange Zuendekochen entfällt.

Ein Uebersteigen oder Verluste an Saft durch Mitreissen scheint durch die Construction des Apparates vollkommen ausgeschlossen zu sein, denn die täglichen, in der Zuckerfabrik Tischnowitz durchgeführten Untersuchungen der Brüden- und Luftpumpenwässer Hessen nie Zucker nachweisen, und ergab auch die äusserst empfindliche α-Naphtolreaction ein negatives Resultat.3)

Die Reinigung der Yaryan-Apparate ist eine leichte und sichere. In der Tischnowitzer Zuckerfabrik werden die Yaryan-Apparate täglich mit Wasser, und ein bis zwei Mal in der Woche mit angesäuertem Wasser (4 l Salzsäure auf 2000 l Wasser) gewaschen.

Lange bevor die Saftbehälter wieder gefüllt worden, sind auch die Apparate wieder betriebsfähig. Dieses einfache und sichere Reinhalten der Heizflächen bei den Yaryan-Apparaten scheint nicht nur den grossen Vortheil zu haben, dass diese Apparate monatelang ohne jede Unterbrechung und ohne die geringste Verminderung der normalen Leistung im Betriebe erhalten werden können, sondern auch den, dass die zur Verwendung gelangenden Heizdämpfe auf das beste ausgenutzt werden, wozu allerdings auch die Verdampfung bei niedrigster Flüssigkeitsschicht sehr viel beiträgt.

Wie bei allen Neuerungen, hatte die Tischnowitzer Zuckerfabrik im Beginne der Campagne mit diesem Apparate grosse Schwierigkeiten zu überwinden. Dieselben lagen aber nicht in der Construction oder Durchführung der Yaryan-Apparate selbst, sondern in der nicht genau bekannten und daher ursprünglich unrichtigen Behandlung derselben, sowie auch in Mängeln der mit den Apparaten verbundenen Nebentheile.

Die Nutzbarmachung der Kanaljauche.

Von E. Rider Cook.1)

Eröffnungsrede des Präsidenten der Society of Chemical Industry.

Es ist nicht abzusehen, in welcher Weise und in welchem Maasse man in Zukunft den Stickstoff der Luft für künstliche Dünger wird verwerthen können, aber es ist wohl nicht zu viel behauptet, dass, wenn wir lernen, die Kanaljauche eines Landes rationell zu verwerthen, wir dasselbe dadurch völlig unabhängig von Chili und seinem Dünger machen können und so jährlich rund 50 Millionen M. sparen, welche wir jetzt für die Einfuhr von Phosphaten und Nitraten auszugeben haben. Auf alle Fälle sollten wir bestrebt sein, die Ausgaben für diese Düngemittel in England zu sparen, so weit sie in den Grenzen unseres Landes verbraucht und nicht exportirt werden, und ebenso die Schwefelsäure, welche in so hohem Maasse für diese Zwecke Verwendung findet.

Folgende Zahlen finde ich in den Abrechnungen unseres Handelsamtes (Board of Trade), welche den Geldwerth für den Import dieser Producte in den letzten drei Jahren angeben:

1888 1889 1890
t M. t M. t M.
Nitrate 19697880 22051660 18072610
Guano 3183580 3203820 2760020
Phosphate 258000 10898380 305000 14074080 313500 16989010
Knochen 66000 6219660 63000 6205260 70000 7440960
–––––––– –––––––– ––––––––
39999500 45534820 45262660
Schwefelsäure 6480000 7360000 8270000
–––––––– –––––––– ––––––––
46479500 52894820 53532660

Nun wird zwar eine bedeutende Menge Kunstdünger exportirt, aber, da Koprolithen und grosse Mengen thierischer Substanzen für die Herstellung von Kunstdünger benutzt werden, und der Werth des exportirten Düngers diese einschliesst, sowie beträchtliche Summen für Arbeitslöhne, Nebenausgaben, Nutzen u.s.w., so ist es schwer, eine bestimmte Summe von obigen Zahlen in Abzug zu bringen; so viel aber ist gewiss, dass England jährlich für Kunstdünger fremdem Ursprungs 40 bis 50 Millionen M. verausgabt.

Im J. 1886 versuchte das „Metropolitan Board of Works“ die Kanaljauche geruchlos zu machen durch Beimischung von übermangansaurem Natrium und Schwefelsäure. Damals betrugen die Kosten dieses Verfahrens jährlich 2141260 M., wenn für 1 cbm nur etwa 28,7 g Permanganat angewandt wurden. Es fiel mir damals auf, dass diese Ausgabe praktisch nutzlos sein musste, und durch Versuche fand ich, dass im Durchschnitt 1 cbm Kanaljauche in 1 Minute 428 g Natriumpermanganat (20 Proc.) verbrauchte, in 5 Minuten 527 g und in 3 Stunden 955 g, oder in 1 Minute würden 1125000 cbm Kanaljauche 287 t Permanganat verbraucht haben, während in Wirklichkeit für obige Menge nur 18,2 t verwendet wurden. Das Verfahren wurde auf Grund dieser Versuche aufgegeben, bezieh. im J. 1887 auf durch Absitzenlassen geklärtes und in die Themse geleitetes Wasser beschränkt. Hierdurch wurden etwa 1 Million M. gespart, da die Kosten nunmehr etwa 1 155 200 M. gegenüber 2 155 200 M. im J. 1886 betrugen.

Man wird zugeben, dass, so gross auch solche Ausgaben sein mögen, dieselben doch gerechtfertigt erscheinen, wenn man bedenkt, dass die Quellen und Flüsse auf die Weise vor zu grosser Verunreinigung geschützt werden können. Welche Folgen die Flussverunreinigungen für die Trinkwasserversorgung haben können, geht daraus hervor, dass einige Städte gezwungen sind, ihr Wasser aus entfernt gelegenen Quellen zu entnehmen. So liefert das Loch Katrine für Glasgow, der Vyrnwy-See für Liverpool und Thirlmere für Manchester das Wasser; für London ist geplant worden, das Wasser den Welsh Mountains zu entnehmen. Die Kosten derartiger Anlagen sind enorm, und die Resultate wären kaum günstig zu nennen.

In Kriegszeiten und bei unvorhergesehenen Naturereignissen kann durch Zerstörung einer solchen Leitung die Wasserversorgung einer Stadt abgeschnitten, und diese in eine schlimme Lage versetzt werden. Bei der stets wachsenden Bevölkerungszahl der meisten Städte werden, ohne dass die Quellen der Wasserverunreinigung gehemmt werden, die Ausgaben für Trinkwasserversorgung unverhältnissmässig wachsen.

Die Kanaljauche eines Landes, wenn dieselbe gehörig ausgenutzt wird, kann mit organischen Resten, wie Knochen, Schlachthausabfällen, Blut u.s.w. vermischt als Kunstdünger dem Lande wieder zu Gute kommen.

Die Nahrungsmittel, welche dem menschlichen und thierischen Organismus zugeführt werden, gehen bekanntlich in Körpersubstanz und gasförmige Producte über, theils werden sie als Excremente (Urin und Fäces) aus dem Organismus altgeschieden. Die gasförmigen Producte gelangen aus den Lungen und Poren wieder in die Luft, die Körper selbst kommen früher oder später ebenfalls zurück zur Erde. Der Stoff macht also einen vollständigen Kreislauf, und wenn die Excremente u.s.w. anstatt in das Wasser entleert zu werden, dem Boden wieder zugeführt würden, so könnten sie wieder für kommende Generationen nutzbar gemacht werden. Wenn wir also in der Kanaljauche diese Stoffe dem Meere zuführen, so müssen wir, um den Boden auf gleicher Güte zu erhalten, aus fremden Ländern Substitute für dieselben kaufen.

Um zu zeigen, in wie weit die Produktion an Nahrungsmitteln in England hinter dem Bedarf zurückbleibt, seien folgende Zahlen erwähnt.

Im J. 1888 importirte England Weizen im Werthe von 439426740 M. und exportirte für 3121400 M., so dass der eigene Bedarf einen Werth von 436305340 M. repräsentirte; 1889 betrug derselbe 447741000 M. und 1890 469017640 M., also im Mittel rund 450000000 M. Der Werth für das nach England importirte Mehl beläuft sich jährlich auf 180000000 M., so dass für fremden Weizen und Mehl etwa 630000000 M. jährlich verausgabt werden. Davon geht nun eine geringe Summe für den Export von Biscuits, Cakes u.s.w. ab, andererseits muss aber eine nicht unbedeutende Summe für fremde Gemüse, Kartoffeln u.s.w., sowie für Hafer und Mais, welche den Thieren zur Nahrung dienen, hinzugerechnet werden, so dass für fremde importirte Nahrungsmittel für Menschen und Thiere mindestens jährlich 700000000 M. gezahlt werden. Dazu ist zu rechnen die jährliche Ausgabe, welche für Beseitigung bezieh. Unschädlichmachung der Kanaljauche aus dem Staatsschatz fliesst, so dass ein Gesammtverlust von rund 800000000 M. verursacht wird:

3)

Siehe obige Bemerkung.

1)

Vgl. Journal of Society of Chemical Industry, 1891 600.