Text-Bild-Ansicht Band 282

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Treibachsen zu erbauen. Der Durchmesser der Treibräder wurde auf 2 m, die grösste Achsenbelastung auf 15 t, also die Gesammtadhäsionsbelastung auf 30 t festgestellt. Der normale Kesseldruck soll 12 at betragen. Der dreiachsige Tender hat 12 cbm Wasser, sowie 4 cbm Kohlen zu fassen und soll im Dienste 28 t wiegen. Die grösste Fahrgeschwindigkeit ist mit 120 km in der Stunde festgesetzt.

Der mit Dampfmantel umgebene Hochdruckcylinder hat einen Durchmesser von 540 mm, der Niederdruckcylinder einen solchen von 800 mm, der Kolbenhub beträgt 610 mm. Bei einer Ausnutzung der Dampfspannung im Kessel von 50 Proc. ergibt sich eine Zugkraft von 5000 k, die allerdings nur bei günstigen Adhäsionsverhältnissen voll ausgenutzt werden kann. Bei der grössten Fahrgeschwindigkeit der Locomotive machen die Treibräder 318,5 Umdrehungen in der Minute, während die entsprechende Kolbengeschwindigkeit 388,5 m beträgt. Die sammt dem umschliessenden Receiver aus einem einzigen Stück gegossenen Cylinder, deren Dimensionen ganz aussergewöhnlich grosse sind, liegen unter dem Kessel und hinter einander in der Längsachse der Locomotive zwischen den Treibachsen; es werden demnach die störenden Bewegungen des nicht in Federn hängenden Theiles der Locomotive vermindert.

Textabbildung Bd. 282, S. 29
Ausser den zwei festen Treibachsen ist an jedem Ende der Locomotive und in einer Entfernung von 2 m von der zunächst liegenden Treibachse noch eine Laufachse angebracht. Beide Laufachsen sind radial verstellbar und nach jeder Seite bis zu 30 mm Abstand von der Mittelstellung verschiebbar. Unterhalb der Achse ist ein System von Spiralfedern angebracht, welches bei der Einfahrt in eine Bahnkrümmung zusammengepresst wird, bei der Mittelstellung der Achse in einer Geraden jedoch wieder in die normale Stellung zurückgeht. Der Gesammtradstand der Locomotive beträgt 7,5 m, der feste Radstand 3,5 m.

Beim Anfahren kann die Locomotive durch einen einzigen Zug vom Führerstande aus in eine gewöhnliche Zwillingsmaschine umgewandelt werden. Jeder Cylinder wird durch eine Coulissensteuerung regiert, deren Bewegung von der zugehörigen Treibachse erfolgt; beide Steuerungen sind jedoch derart verbunden, dass die Umsteuerung der Locomotive durch eine einzige Steuerschraube am Führerstande bewerkstelligt werden kann. Die Kraftübertragung von den Kolben auf die Treibachsen kann auf zweierlei Art erfolgen, je nachdem die Maschine mit gekröpften oder geraden Treibachsen ausgeführt werden soll. Die erstere Anordnung ist in Fig. 5 und 6 dargestellt; bei der letzteren Anordnung wird die Entfernung der zwei Treibachsen, also der feste Radstand der Locomotive auf 2,6 m verkürzt. Die Gesammtheizfläche des Kessels beträgt 160 qm; es kann demnach bei grossen Fahrgeschwindigkeiten eine Leistung von rund 1000 entwickelt werden, entsprechend einer Leistung von 6 auf 1 qm Heizfläche.

Als Nachtheile der Construction werden die hohe Kessellage, die ungenügende Tiefe der Feuerkiste, die Länge der Kuppelstangen und die Verwendung von Kurbelachsen bezeichnet; als Vortheile gelten: die vermehrte effective Zugkraft bei Anwendung von nur zwei Cylindern, geringere Maschinenreibung, bequemere Anbringung von Cylinderdampfmänteln, Receiver und Dampfleitungen, leichter Bau, grössere Stabilität der Maschine und Verminderung der störenden Bewegungen. Letztere beiden Eigenschaften sind namentlich dem Eisenbahningenieur von besonders hervorragendem Werthe.

Auch die Construction einer für Schnellzüge bestimmten Tender-Locomotive mit Verbundwirkung rührt von dem vorgenannten Ingenieur Brunner in München her.

Wie Moniteur industriel vom 16. October 1890 mittheilt, besitzt diese Locomotive wegen der an ihrem hinteren Ende angeordneten, verhältnissmässig grossen Kohlen- und Wasserbehälter von 2 t bezieh. 8200 l Fassungsraum eine bedeutende Länge und ruht aus diesem Grunde sowohl mit ihrem vorderen als auch hinteren Ende auf zweiachsigen Drehgestellen, welche sich um 51 mm seitlich verschieben und damit bequem in Curven von 300 m Radius einstellen können. Die Feuerbüchse liegt zwischen den beiden gekuppelten Treibachsen, welche 2,6 m von einander und von den nebenliegenden Drehgestellen gleich weit entfernt sind, während die Laufachsen der letzteren einen Radstand von 2 m besitzen; der Gesammtradstand der Maschine beträgt 10,60 m und die totale Länge derselben 13,45 m. Die Treibräder haben 2 m Durchmesser und die Räder der Laufachsen 1 m.

Die Mitte des im cylindrischen Theil mit 2,4 m Durchmesser ausgeführten Kessels liegt 2,30 m über Schienenoberkante und die Länge der Feuerbüchse beträgt 2,4 m. Der geneigt liegende Rost erhebt sich, wie es bei den Locomotiven der bayerischen Bahnen üblich, in einer Curve nach der Rohr wand zu, wodurch eine Vergrösserung der Rostfläche von ungefähr 20 Proc. erzielt werden soll; letztere beträgt im vorliegenden Falle 2,6941 qm. Die 225 vorhandenen Rohre haben 48 mm äusseren Durchmesser und zwischen den Rohrwänden eine Länge von 3,3 m. Die totale Heizfläche der Maschine beträgt 123,9299 qm; hiervon kommen 11,9842 qm auf die Feuerbüchse und 111,9457 auf die Rohre. Das Verhältniss der Rost- zur Heizfläche stellt sich auf 1 : 46.

Die Kesselspannung beträgt 12,3 k, ist demnach geringer als diejenige der neueren Compoundmaschinen, welche z.B. die französische Nordbahn vor kurzem in Dienst gestellt hat (vgl. 1890 275 * 586). Die aussenliegenden Cylinder von 470 bezieh. 710 mm Durchmesser und 610 mm Kolbenhub entwickeln nach den obigen Abmessungen eine Zugkraft von 10 t.

Das Leergewicht der Maschine beträgt 52 t, das dienstfähige