Text-Bild-Ansicht Band 282

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Gewicht 66 t; letzteres vertheilt sich mit 16 t auf das vordere Drehgestell, mit 30 t auf die beiden gekuppelten Achsen und mit 20 t auf das hintere Drehgestell, dessen Belastung sich jedoch mit der Entleerung des Tenders ändert und schliesslich geringer als diejenige des die Führung der Maschine übernehmenden vorderen Drehgestelles wird.

Die einzelnen bezüglichen Belastungen betragen demnach 24,24, 45,45 und 30,30 Proc. des Totalgewichtes. Diese Lastvertheilung ist eine bedeutend günstigere, als wie sie bei einer grossen Anzahl von Schnellzug-Locomotiven vorhanden ist, deren Adhäsionsgewicht, anstatt sich dem Betrage von 50 Proc. des Gewichtes der Maschine ohne Tender zu nähern, kaum 30 Proc. desselben beträgt, und kann, namentlich wenn diese Maschine sehr lange Strecken ohne Wasser- und Kohlenaufnahme zurücklegen soll, noch dadurch verbessert werden, dass man die entsprechend grösseren Wasserbehälter zu beiden Seiten der Maschine anordnet. Derartige 5 t Kohlen und 13600 l Wasser fassende Tender-Locomotiven besitzen dann ein Dienstgewicht von 74 t und da der grösste Theil dieser Gewichtszunahme auf die Treibachsen kommt, ein noch höheres Adhäsionsgewicht als die erstgenannten Maschinen.

Das Führerhaus hat eine Länge von 3,50 m und bedeckt einen Theil der Feuerbüchse sowie ungefähr die Hälfte des Tenders, so dass Führer und Heizer genügend beschützt sind.

Die Maschine soll auf Steigungen von 1 : 200 bis 1 : 100 Züge von 200 t mit nahezu gleicher Geschwindigkeit fahren.

Vor kurzem hat auch die Gotthardbahn zur Beförderung ihrer Schnellzüge auf der Thalstrecke Luzern-Erstfeld drei von der Firma J. A. Maffei in München erbaute Tender-Locomotiven erhalten, welche nach der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1890 S. 1245, noch insofern besonderes Interesse verdienen, als es, wie die Schweizerische Bauzeitung mittheilt, die ersten Locomotiven der Schweiz sind, welche für eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km construirt wurden. Diese Maschinen besitzen zwei gekuppelte Achsen, zwischen denen wieder die 1600 mm lange Feuerbüchse gelagert ist, und ein zugleich drehbares und seitlich verschiebbares zweiachsiges Untergestell. Die Bauart des vorn liegenden Drehschemels ist die nämliche, wie bei der von der englischen Südostbahn auf der letztjährigen Weltausstellung in Paris vorgeführten Schnellzug-Locomotive (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1889 S. 1186). Die Locomotivrahmen aus 28 mm starkem Stahlblech sind innenliegend, die Kohlenkasten hinter dem auf drei Seiten eingeschlossenen Führerstand und die Wasserkasten zu Seiten des Langkessels angeordnet. Cylinder und Steuerung liegen ausserhalb der Rahmen, der Regulator in einem Dom auf dem vordersten Kesselstoss.

Die Hauptverhältnisse der Maschine sind folgende:

Cylinderdurchmesser 410 mm
Kolbenhub 610 mm
Dampfdruck 12 at
Triebraddurchmesser 1860 mm
Laufraddurchmesser 1030 mm
Gesammter Radstand 6400 mm
Fester „ 2400 mm
Untergestells-„ 2000 mm
Heizfläche 107 qm
Rostfläche 1,62 qm
Wasservorrath 5750 l
Kohlenvorrath 2300 k
Leergewicht 41000 k
Dienstgewicht 54000 k
Gesammtlänge 10400 mm
Höhenlänge des Kessels 1925 mm

Fr.

Stehende Dreifach-Expansionsmaschine von Musgrave und Söhne in Bolton.

Die zum Betreiben einer Mühle in Bombay bestimmte Maschine besteht aus vier zu je zwei über einander stehenden Cylindern, von denen die beiden unteren von je 711 mm Durchmesser die Niederdruckcylinder bilden, über welche der Hoch- bezieh. der Mitteldruckcylinder von 406 mm bezieh. 635 mm Bohrung auf kräftigen gusseisernen Zwischenstücken befestigt sind; es entstehen durch diese Cylinderanordnung zwei Tandemmaschinen, welche auf eine gemeinschaftliche, an ihren äussersten Enden mit um 90° gegenseitig versetzten Kurbeln versehene Schwungradwelle arbeiten, auf deren Mitte das als Seilscheibe ausgebildete Schwungrad von 5,500 m Durchmesser befestigt ist. Der gemeinschaftliche Hub sämmtlicher Kolben beträgt 1067 mm.

Die Dampfzufuhr wird in den vier Cylindern mittels einer bereits 1886 262 * 147 beschriebenen Steuerung mit schwingenden Cylinderschiebern von Musgrave und Söhne geregelt und zwar erfolgt die Dampfvertheilung im Hoch- und Mitteldruckcylinder unter Mitwirkung eines Centrifugalregulators (System Higginson) mit offenen Stangen, an dessen Stellzeug eine Quecksilberwage eingeschaltet ist (vgl. 1889 273 * 253), derartig, dass gleiche Arbeiten auf beide Kurbelseiten übertragen werden und demzufolge die Geschwindigkeit der Maschine eine ziemlich gleichförmige ist. Das verhältnissmässig lang gehaltene Gestell der Maschine mit flacher Kreuzkopfführung zeigt die symmetrische A-Form; es ist mittels breiter Auflageflächen auf der Fundamentplatte festgeschraubt und behufs gehöriger Absteifung durch gusseiserne Träger mit den Umfassungsmauern verbunden; um die einzelnen Theile der Maschine bequem erreichen zu können, sind Treppen und Galerien angeordnet.

Die Lager der aus Martinstahl gefertigten Schwungradwelle haben 280 mm Durchmesser bei je 560 mm Länge; beide Kurbelarme sind aus Schmiedeeisen und die zugehörigen Kurbelzapfen von je 152 mm Durchmesser bei 190 mm Länge aus weichem Stahl hergestellt; die schmiedeeisernen Kreuzköpfe tragen gusseiserne Gleitschuhe mit bedeutenden Gleitflächen und die wieder aus weichem Stahl gefertigten Kolbenstangen von 95 bezieh. 114 mm Durchmesser in den oberen bezieh. unteren Cylindern sind mit Kolben verbunden, welche nach Buckley und Co. durch ovale Spiralfedern angespannte Dichtungsringe (1884 254 * 197) tragen. Die unterhalb der Maschine liegende, in stehender Anordnung ausgeführte Luftpumpe hat 711 mm Durchmesser bei 380 mm Kolbenhub und wird vom Kreuzkopf der einen Maschinenseite aus betrieben. Das mit 22 Rillen für Seile von je 38 mm Durchmesser versehene Schwungrad ist aus acht einzelnen Segmenten zusammengeschraubt und mit einem Radkranz versehen, in welchen beim Andrehen der Maschine ein durch eine besondere kleine Dampfmaschine in Umdrehungen versetztes Getriebe eingreift, welches, nachdem die Todtpunktstellung der