Text-Bild-Ansicht Band 282

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lässt sich diese jederzeit als Wirkung eines positiven oder negativen Saugkanales bestimmen. Denn besitzt der Abströmmugskanal eine ansteigende oder abwärtsgehende Richtung, so wirkt er je nach seiner Temperatur entweder in der einen oder in der anderen Richtung saugend; dabei kommt aber in beiden Fällen ausser seiner eigenen Höhe auch der Höhenunterschied zwischen der Abströmungsöffnung und der Höhenmitte der dritten Durchlassöffnung als Saughöhe in Betracht, so dass also auch in dem Falle, in welchem der Abströmungskanal wagerecht verläuft, oft noch eine wirkungsvolle Saughöhe verbleibt.

Ist die Richtung des Abströmungskanales von dem zu lüftenden Raume aus ansteigend und seine Temperatur hoher als die der Aussenluft, so übersieht man ohne weiteres, dass, wenn der Druckluftkanal geschlossen ist, Luft von der unmittelbar ins Freie mündenden dritten Durchlassöffnung her in den Raum ein- und durch den Abströmungskanal abströmt. Bezeichnet man die von der bezüglichen disponiblen Saughöhe – nach Abzug der durch die Bewegungswiderstände absorbirten – als effectiv wirksam verbleibende Saughöhe mit h, die Aussentemperatur, wie früher, mit tα und die Temperatur im Abtrömungskanale mit t3, so ist, wenn die besagte dritte Durchlassöffnung so gross ist, dass man den hier auftretenden Contractionswiderstand vernachlässigen kann, die Geschwindigkeit c, mit welcher Luft durch den Abströmungskanal hindurchströmt:

. . . . . . . . . . (3)

Ist beispielsweise h = 3 m (entsprechend einer ungefähren wirklichen Abströmungskanalhöhe von 10 m), t3 = t2 = 20° C. und tα = 0° C, so ergibt die Rechnung c = 2 m. Wenn daher bei geschlossener dritter Durchlassöffnung und geöffnetem Druckluftkanale die von dem Abströmungskanale aus dem Raume abgeführte Luftmenge bei 1 m Geschwindigkeit l2 cbm beträgt, so ist im Falle des Abschlusses des Druckluftkanales und Oeffnens einer grösseren unmittelbar ins Freie führenden dritten Mauerdurchbrechung (etwa eines Fensters) die durch den Abströmungskanal entweichende Luftmenge doppelt so gross als vorher, d. i. 2.l2 cbm.

Sind nun alle drei Maueröffnungen (die Einströmungsöffnung des Druckluftkanales, die Abströmungsöffnung des Abströmungskanales und die dritte Mauerdurchbrechung) gleichzeitig geöffnet, so ist, weil der Abströmungskanal nach wie vor dem Oeffnen des Druckluftkanales, der Einwirkung des auf der dritten Durchlassöffnung lastenden atmosphärischen Druckes unterliegt, die durch ihn entweichende Luftmenge 2.l2.

Da nun hiervon der Druckluftkanal constant die Luftmenge l1 liefert, so könnte – wenn deren specifisches Gewicht dem der Aussenluft gleich wäre – durch die dritte Oeffnung niemals mehr als eine Luftmenge 2l2 – l1 cbm in den Raum eindringen.

Beachtet man aber, dass die Wirkung des durch die dritte Durchlassöffnung hindurch auf den Abströmungskanal einwirkenden Atmosphärendruckes sich auf eine Luftmenge 2l2 von dem specifischen Gewichte γα der äusseren Luft bezieht und dass die Druckluftmenge l1 das specifische Gewicht γ1 besitzt, so wird man sich sagen, dass in Wirklichkeit, wenn lα die durch die dritte Durchlassöffnung in den Raum eindringende Luftmenge (Volumen) bezeichnet, die Beziehung bestehen wird:

lα.γα = 2l2.γα – l1.γ1

oder

Wollte man also bewirken, dass der Druckluftkanal stets eine so grosse Luftmenge liefere, wie sie durch den Abströmungskanal entweicht, sobald eine dritte Mauerdurchbrechung geöffnet wird, so würde man Sorge zu tragen haben, dass

. . . . . . . . . . (a)

oder, wenn man für

den, allgemeinsten Verhältnissen entsprechenden Ausdruck
aus Gleichung (1b) substituirt:

für tα= 0.

Erwägt man, dass meistens die Einströmungsgeschwindigkeit der Druckluft nicht mehr als 3 m beträgt und dass dafür der Werth des Bruches

nur sehr wenig von 1 verschieden ist, so erkennt man, dass allerdings unter mittleren Verhältnissen die Bedingung dafür, dass der Druckluftkanal ebenso viel Luft liefere als der betrachtete Abströmungskanal im Falle des Oeffnens einer unmittelbar ins Freie führenden dritten Mauerdurchbrechung abführt, annähernd der Beziehung l1 = 2l2 entspricht.

Uebrigens hat man zu beachten, dass, wenn die Zuströmungsöffnung (des Druckluftkanales) und die dritte Durchlassöffnung einander sehr nahe liegen, durch diese letztere ein Theil der Raumluft entweichen und dafür eine gleiche Gewichtsmenge der Aussenluft durch diese Oeffnung ein- und dem Abströmungskanale zuströmen kann.

Um dies zu vermeiden, ist es dann eben in solchem Falle nöthig, dass die von dem Druckluftkanale gelieferte Luftgewichtsmenge etwas grösser als die höchstens von der dritten Durchlassöffnung lieferbare sei; d.h. es muss allgemein:

oder

erfüllt werden.

Da nun aber der dem vorliegenden Rechnungsbeispiel zu Grunde liegenden Annahme gemäss für gewöhnlich, d. i. bei abgeschlossener dritter Oeffnung, die Geschwindigkeit, mit welcher die Luft durch den Abströmungskanal entweicht, 1 m ist, so hat man, wenn die Zuströmungsgeschwindigkeit der Druckluft beispielsweise 3 m beträgt, F1 die Fläche der Druckluftzuströmungsöffnung und F2 die Fläche der Abströmungsöffnung bezeichnet, als Bedingung für die Verhinderung, dass andere als die vorgesehene Druckluft in den gelüfteten Raum eindringe – wenn eine dritte Mauerdurchbrechung (Fenster, Thür o. dgl.) geöffnet wird – auch:

oder, da

von 1 nur sehr wenig verschieden ist, auch