Text-Bild-Ansicht Band 282

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der Abreissfeder p (Fig. 6) reguliren; dies reicht für gewöhnlich völlig aus und zwar für Schwankungen von 10 bis 15 Proc. in der Stärke der Ströme. Sollen zum Drucken grössere Unterschiede in der Stromstärke benutzt werden, so lässt sich bekanntlich der entsprechende Unterschied durch Einschaltung eines angemessenen Widerstandes beim Geber erzielen, wenn man nur dafür sorgt, dass dieser Widerstand beim Aufhalten des Bürstenträgers stets selbsthätig ausgeschaltet wird.

Um endlich die Typenräder in Uebereinstimmung mit dem Bürstenträger bringen und dauernd darin erhalten zu können, ward an der Typenradachse noch ein Anschlag t (Fig. 6) angebracht und der um die Achse o drehbare dreiarmige Hebel wvq hinzugefügt. Der Arm q ist aus einer biegsamen Feder gebildet, welche sich in eine Rinne in der Mantelfläche einer Metallscheibe einlegt und bei dem Umlaufe dieser Scheibe durch die seitliche Reibung – in Fig. 6 nach rechts hin – mitgenommen wird, bis sie schliesslich in der in Fig. 6 voll gezeichneten Lage an einen Anschlagstift antrifft. Durch dieses Mitnehmen gelangen auch die beiden Arme w und v aus den punktirt angegebenen Stellungen in die voll ausgezeichneten; dabei kommt aber der Arm w in den Bereich des Anschlages t, deshalb vermag sich t an w zu fangen und hierdurch wird das Typenrad in seiner schrittweisen Bewegung gehemmt. Dies geschieht stets dann, wenn das Buchstabenblank gerade der Druckvorrichtung gegenüber eingestellt ist. Es gelangt jedoch der Arm q nicht bis zu seinem Anschlagstifte, wenn nicht T wenigstens zwei volle Umläufe machen kann, ohne dass ein Zeichen gedruckt wird. Während des fortlaufenden Telegraphirens dagegen kann der Arm w durch den Anschlag t das Typenrad nicht zum Stillstande bringen, weil bei jedesmaligem Drucken der Stift z am Druckhebel g auf den Arm v wirkt, den Arm w also immer wieder nach rechts bis zu seinem Anschlagstifte schiebt und ihn nicht in den Bereich des Anschlages t kommen lässt.

Will man also die Typenräder der sämmtlichen Empfänger zu irgend einer Zeit in Uebereinstimmung mit dem Bürstenträger des Gebers bringen, so hat man weiter nichts zu thun, als dass man den Bürstenträger zwei oder mehrere Umläufe machen lässt, ohne dabei irgend eine Taste zu drücken; darauf beginnt man das Telegraphiren mit dem Niederdrücken der Buchstabenblanktaste. Nach dem Niederdrücken der nächsten Taste wird dann diese Blanktaste frei gegeben und Bürstenträger und Typenräder laufen von da ab in Uebereinstimmung.

Hat man nun nach Herstellung der Uebereinstimmung Buchstaben zu drucken, so kann man sofort die betreffenden Tasten niederdrücken. Sind dagegen Ziffern, Unterscheidungszeichen u.s.w. zu drucken, so muss man erst noch die in der Klaviatur um vier Tasten weiter nach rechts liegende Ziffernblanktaste drücken, um dadurch zuerst das Typenrad zum Drucken von Ziffern u.s.w. umzustellen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Telephonsender- bezieh. Mikrophon-Patente.

Veranlasst durch einen Erlass der National Telephone Company bezüglich der Gültigkeit der Sender von Hunnings, Blake und Crossley hat A. R. Bennett in dem in London am 10. Juli ausgegebenen Hefte des Electrical Engineer (* S. 30) einige Mittheilungen über die auf Telephonsender, bezieh. Mikrophone ertheilten englischen Patente gemacht. Denselben sind die nachfolgenden kurzen Angaben entnommen.

1. Mehrere Monate vor dem ersten der späteren Patente zeigte Prof. Hughes, wie man aus leitenden Pulvern und Stücken von Holzkohle wirksamere Telephonsender herstellen könne, als alle von Edison angegebenen; da Edison's Patent (Nr. 2909 von 1877) früher ertheilt war und in ihm veränderliche Contacte und Kohle in Form von Lampenruss erwähnt werden, so nahm man an, Edison sei Hughes' Erfindung zuvorgekommen1). Edison's Patent ist am 30. Juli d. J. erloschen. Dieses Patent enthält viel Schlacke und wenig Gold. In Fig. 10 liegen Federn zu beiden Seiten der schwingenden Platte und legen sich mit Graphitspitzen gegen auf der Platte befestigte Platinscheiben; der Druck der Spitzen lässt sich durch Stellschrauben reguliren. In Fig. 24 ist die Benutzung einer Inductorrolle skizzirt; Dr. Wright hatte schon 1876 eine Inductorrolle bei einem Beistehen Sender angewendet und Cromwell Varley später bei einem Musik-Telephon.

Hughes' Erfindung fügte die Benutzung harter Kohle, mehrfacher Contacte und pulverförmiger Leiter hinzu.

2. Hunnings' Patent Nr. 3647 vom 16. Sept. 1878 erstreckt sich wesentlich auf die Benutzung fein gepulverter Kohle, welche locker zwischen zwei Metallplatten untergebracht ist, von denen die eine durch die Stimme in Schwingungen versetzt wird. Hunnings gab der Platinfolie den Vorzug und hat an Platten aus Holz und Kohle nicht gedacht, erst 9 Monate später (Nr. 2497 vom 21. Juni 1879) schützte Marr Kohlenpulver zwischen zwei Holzplatten, auf deren Mitte Kohlenscheiben als Contacte befestigt waren. Auch dieses Patent ist nicht mehr in Kraft. Darauf benutzten Moseley (Nr. 1320 vom 30. Januar 1885) und Berthon (Nr. 2893 vom 4. März 1885) gepulverte Kohle zwischen Platten aus dünner Kohle; das erstere ist verfallen, die Wirksamkeit des zweiten gegenüber Moseley's Priorität mehr als zweifelhaft.

Schon in seinem Vortrage in der Physical Society (am 8. Juni; vgl. Nature vom 27. Juni 1878) hat übrigens Hughes erwähnt, dass die Stromstärke durch den Einfluss des durch Tonschwingungen veranlassten schwachen Druckes auf ein pulverförmiges, faseriges Leitungsmaterial oder auf leitende Flächen sich ändere. Ferner hat Prof. Blyth in Glasgow am 3. Juni 1878 (vgl. Nature vom 13. Juni 1878) in der Edinburger Royal Society einen Geber beschrieben, welcher aus ziemlich groben Stücken von Gaskoks in einer dünnen Holzbüchse bestand, an deren Enden als Contacte dienende Zinnstreifen angebracht waren (vgl. 1878 229 150). Bennett hat sich durch Versuche überzeugt, dass eine solche Büchse gleich gut und sehr gut arbeitet, mag man gegen ihre Seiten, ihren Boden, ihren Deckel oder ihre Enden sprechen.

3. Blake's Patent Nr. 229 vom 20. Januar 1879. Anspruch 1 deckt das Festhalten der Platte durch Federn. Nach Anspruch 2 und 4 wird der eine Contact von einer Feder getragen, der andere soll von einer zweiten Feder getragen, oder unmittelbar an der Platte angebracht werden; dies unterscheidet sich kaum von Edison's Fig. 10, sofern man in letzterer die überflüssige zweite Feder weglässt2). Dagegen hat Blake eine weit bessere Anordnung der Stellschraube (Anspruch 3), als Edison. Anspruch 5 betrifft die Anbringung eines nachgebenden Gewichtes an der einen Feder, das sich der Bewegung der Platte widersetzt und durch seine Trägheit die Druckänderungen beeinflusst. Das ähnelt ganz dem, was Hughes in dem erwähnten Vortrage in der Physical Society beschrieben hat. Hughes hält da die Verstärkung der Trägheit des oberen Contactes durch ein ausgeglichenes Gewicht für nöthig, damit bei kräftigen Schwingungen der Contact nicht unterbrochen werde, und meint, eine Feder könne die erforderliche Trägheit nicht beschaffen. Ein solches Gewicht ist jedoch nicht wirklich nöthig. Ueberdies benutzen Blake und Edison beide Platin für die eine Contactfläche.

4. Crossley's Patent Nr. 412 vom 1. Februar 1879. Etwas Neues vermag Bennett in der vorläufigen Patentbeschreibung nicht zu entdecken, ebenso wenig eine Aehnlichkeit der vorläufigen mit der endgültigen. Die vorläufige ist sehr kurz und erstreckt sich auf ein gewöhnliches Mikrophon („an ordinary microphone“), das auf einer Pergament- oder sich eignenden anderen Platte angebracht ist, in Verbindung mit einer Batterie und Inductorrolle. In der endgültigen Beschreibung wird die Inductorrolle als bloss wünschenswerth hingestellt und es bleibt daher bloss das gewöhnliche Mikrophon; auch auf dieses – mit bloss einem Stift und zwei sich berührenden Flächen – stellt Crossley keinen Anspruch, also bleibt bloss die schon von

1)

Vgl. übrigens auch D. p. J. 1878 227 50. 229 * 147. * 263.

2)

In Fig. 10 liegen aber doch die Federn auf verschiedenen Seiten der Platte, bei Blake auf derselben.

D. Ref.