Text-Bild-Ansicht Band 282

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Ein Ventil ist bei der im Gange befindlichen Maschine etwas geringer belastet, als der höchste Druck der brennenden Gase beträgt. Das Ventil a, Fig. 4, ist mit einer bekannten Einrichtung versehen, um es nach Bedarf halb entlasten zu können, eine Maassregel, welche für die Ingangsetzung der Maschine erforderlich ist. Alle anderen Ventile oder Schieber zur Vermittelung der Luftzufuhr, des Auspuffes u. dgl. arbeiten wie bei einer gewöhnlichen Gaskraftmaschine. Von einem Injector b geht das Saugrohr nach dem Behälter d für das betreffende schwere Oel (Erdöl), das Druckrohr nach einem Behälter c, während das dritte Rohr nach dem Raum hinter dem wie oben erwähnten Ventil a führt.

Textabbildung Bd. 282, S. 51
Während der Ingangsetzung der Maschine gestalten sich nun die Kolbenarbeiten bei den einander folgenden Hüben in dieser Weise: beim ersten Aufwärtshube wird atmosphärische Luft eingesaugt; beim zweiten Abwärtshube Luft durch das Rückschlagventil a hindurch nach dem Injector b gedrückt, mit der Wirkung des Ansaugens von Erdöl aus dem Behälter d, der Zerstäubung jenes und Ueberführung des so gebildeten Erdöldunstes in den Behälter c; beim dritten Wiederaufwärtshube werden nun Erdöldünste aus c mit der übrigen atmosphärischen Luft angesaugt, um beim vierten Wiederabwärtshube verdichtet zu werden, worauf die Entzündung des Gemisches durch eine der bekannten Zündvorrichtungen erfolgt.

Nachdem nunmehr das Ventil a voll belastet worden ist, kann die Maschine in ihren regelrechten Betriebsgang übergehen, wobei den einzelnen Kolbenhüben folgende Aufgaben zufallen: Beim ersten Aufwärtshube nimmt der Kolben die von dem entzündeten Gasgemisch geleistete Explosionsarbeit auf. Bei der grössten Druckentwickelung heben die brennenden Gase das Ventil a auf, ein geringer Theil jener tritt in den Injector b über, saugt Oel aus d an und wirkt derart zerstäubend und zersetzend vermöge der in den Gasen enthaltenen Wärmemenge auf dieses Oel ein, dass es in Gestalt von Gas in den Behälter c übertritt; beim zweiten Abwärtshube werden die verbrannten Gase aus dem Maschinencylinder hinausgetrieben; beim dritten Wiederaufwärtshube erfolgt die Ansaugung von Gasen aus dem Behälter c nebst der nöthigen atmosphärischen Luft, worauf beim vierten Wiederabwärtshube das im Cylinder enthaltene Gasgemisch verdichtet wird, um weiterhin im todten Punkte entzündet zu werden. Der nun folgende fünfte Hub entspricht wieder dem ersten u.s.f.

Die für die Ingangsetzung der Maschine wie oben erwähnte halbe Entlastung des Ventils a ist, wie nun ersichtlich, mit Rücksicht auf den Umstand geboten, dass das Ventil während des Betriebsganges für die grössere Spannung der brennenden Gase eingestellt ist und sich daher bei der Verdichtung des Gasgemisches unter geringerem Druck nicht öffnen würde.

Bei der Anwendung der Erfindung auf zwei doppeltwirkende Cylinder oder auf vier Cylinder kann der Behälter c in Wegfall kommen.

Im Falle der Zwillingsmaschine sind die vier Verbrennungsräume zwischen den beiden Cylindern angeordnet worden, so zwar, dass noch ein Mittelraum verbleibt, an welchen alle vier Verbrennungsräume grenzen und welcher sich zur Anbringung der Zündvorrichtungen eignet.

Bei vier neben einander liegenden einfach wirkenden Cylindern kann man anstatt der vier Injectoren im Bedarfsfalle auch mit einem Injector auskommen.

Eine ungewöhnliche, schwerfällige Anordnung hat die in Fig. 5 bis 7 dargestellte Maschine von G. B. Brayton in Boston (Nordamerika) (* D. R. P. Nr. 56918 vom 16. Juli 1890), welche bei der Ausführung übrigens gute Ergebnisse gehabt haben soll.

A stellt ein hohles, rechtwinkliges Untergestell dar, auf dessen Vorderseite ein senkrechter Cylinder B befestigt ist, in dem der Kolben b läuft. Der Cylinder B ist an seinem oberen Ende mit einem doppelwandigen Deckel c versehen, während sein unteres Ende mit dem hohlen Grundgestell in Verbindung steht. Der tiefste Theil des Cylinderdeckels ist um ungefähr die Hälfte des Cylinderdurchmessers über den höchsten Hub des Kolbens entfernt.

Textabbildung Bd. 282, S. 51
Es entsteht so eine Compressions- oder Verbrennungskammer B1, in der das explodirbare Gemisch entzündet werden soll. Der Kolben b ist schalenförmig gebildet und trägt concentrisch ein sich selbst öffnendes Ventil b1, welches geschlossen bleibt, wenn der Kolben durch die in dem Cylinder explodirenden Gase herunter getrieben wird, sich