Text-Bild-Ansicht Band 282

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vom 19. September 1891, folgende (Fig. 1 und 2): Ein im Raume A befindlicher, dreiflügeliger Ventilator wird mittels der Riemenscheibe a getrieben und macht 2000 Umgänge in der Minute. Von der Ventilatorachse aus wird die Bewegung, durch zweimalige Verwendung eines Schneckenradgetriebes verlangsamt, auf die Trommel B übertragen, welche von einem Blechcylinder umschlossen ist. Die Trommel besteht aus ringförmig angeordneten Holzstäben, welche bei dem Umgange in das am Boden des Cylinders befindliche Wasser tauchen. Der Wasservorrath wird durch das Zuführungsrohr b und zwar durch die hohle Achse des Cylinders B hindurch eingeführt, so dass dasselbe die Holzstäbe wirksam benetzen kann. Ein etwaiger Ueberschuss wird durch das Ueberlaufrohr c abgeführt.

Textabbildung Bd. 282, S. 61
Die Luft, welche vom Ventilator angesaugt wird, sei es von ausserhalb oder aus dem Inneren des zu lüftenden Saales, durchstreicht den mit den feuchten Stäben ausgekleideten Ring der Trommel B, und kommt somit mit einer ausgedehnten angefeuchteten Fläche in Berührung, an welcher sie sich vollständig mit Feuchtigkeit sättigen kann. Sie durchstreicht den Apparat in der Richtung der Pfeile und gelangt in den zu lüftenden Raum. Der in den Figuren dargestellte Lüfter soll stündlich 2500 cbm Luft liefern.

Soll der Lüfter zugleich zur Regelung der Temperatur dienen, so verwendet man nach Bedarf in der Trommel B mehr oder weniger gewärmtes (Condensationswasser) oder gekühltes Füllwasser. Will man die Luft des Saales benutzen, so muss man dieselbe bei ihrem Eintritte einer Filtration unterwerfen. Da sich die Filter leicht versetzen, so sind dieselben zum Auswechseln einzurichten. Die Entnahme der Luft von auswärts ist jedenfalls vorzuziehen.

Auf das Arbeiten in Spinnereien soll der beschriebene Apparat von sehr günstigen Folgen gewesen sein, so dass nach Angabe der Erfinder sich die Menge der gelieferten Arbeit um 10 bis 15 Proc. erhöht hat.

Der Apparat wird für Versammlungsräume, Theater und Hospitäler empfohlen; im letzteren Falle soll der Frischluft, wenn erforderlich, ein Fäulniss hindernder Zusatz gegeben werden. Als Fabrikanten führt unsere Quelle die Firma d'Espine, Achard und Co. an.

Neuheiten in der Explosivstoffindustrie und Sprengarbeit.

Mit Abbildungen.

In der österreichisch-ungarischen Armee ist seit einiger Zeit an Stelle des Dynamites ein neuer Sprengstoff, das Ecrasit eingeführt, welches wesentlich aus dem Ammonsalze des Trinitrokresols bestehen soll und von den Chemikern Kubin und Siersch der Nobel'schen Dynamitfabrik in Pressburg entdeckt wurde. Das Ecrasit wurde schon vor mehreren Jahren zur Füllung von Granaten verwendet, und Versuche damit in Gegenwart des Kaisers auf dem Steinfelde angestellt, wobei nach dem Berichte von Beobachtern ein bräunlicher Rauch, manchmal vermischt mit dunklen Flecken zu bemerken war. Nun wurde es auch als Normalsprengstoff für die Genietruppe eingeführt, jedoch bedarf es Zündhütchen von 2 g Füllung, um mit Sicherheit zur Explosion gebracht zu werden.

Versuche mit Trinitrokresol an Stelle von Trinitrophenol (Pikrinsäure) wurden vom Referenten und Anderen schon vor sechs Jahren gemacht, und seither ist Trinitrokresol mehrfach zur Zusammensetzung von Explosivstoffen verwendet worden, wie es wahrscheinlich auch einen Hauptbestandtheil des französischen Cresylite ausmacht. Man hat auch um dieselbe Zeit Pikrinsäure durch Ammonpikrat zur Füllung von Granaten ersetzt.

Zur Erprobung der Kraft des Ecrasits wurde eine neue Stauchprobe normirt, welche von Oberstlieutenant Hess in Mitth. über Geg. d. Artill. und Geniewesens, 1891 S. 215, mitgetheilt ist. 50 g Ecrasit, welche in einer cylindrischen Weissblechbüchse von 40 mm äusserem Durchmesser und 31 mm äusserer Höhe (Blechstärke 0,5 mm) einlaborirt sind, werden mit Hilfe eines verdämmten Zündhütchens von 2 g Füllung auf einer Unterlage detonirt, welche aus einer eisernen Platte, zwei Bleicylindern (30 mm Höhe, 40 mm Durchmesser) und zwei Stahlscheibchen (40 mm Durchmesser, 4,5 mm Höhe) besteht, und gegen vier Stifte an der Unterlagsplatte durch Drahtverschnürung fixirt ist. Die Mittelwerthe für o + u sind 38,0 und 35,1 mm, für u (den unteren Cylinder allein) 27,0 und 24,0 mm.

Mitte Juli d. J. wurden in Pressburg grössere Sprengungen mit dem Ecrasit vorgenommen. Nach österreichischen Berichten ist es von schwefelgelber Farbe, fühlt sich fett an, und wird durch Pressen, bezieh. Stampfen mit hölzernen Stempeln leicht in zusammenhängende Patronen geformt. Es soll gegen Feuchtigkeit, Temperaturunterschiede, Stoss und Reibung, selbst Gewehrschüsse unempfindlich sein, bei 100° schmelzen, und, directer Glut oder Flamme ausgesetzt, bloss verbrennen. Die verschiedenen Sprengungen zeigten grosse Ueberlegenheit gegen Dynamit, angeblich doppelt so starke Wirkung.

Ein Apparat zum Nitriren von Cellulose der Rheinischwestfälischen Sprengstoff-Actiengesellschaft in Köln (D. R. P. Nr. 54077, vom 22. Februar 1890) besteht aus einer gusseisernen Pfanne A (Fig. 1) mit Siebboden S, welche in ein Kühlgefäss B eingesetzt ist. Ein an der Seite angegossener