Text-Bild-Ansicht Band 282

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anzunehmen geneigt ist, so seien hier Vieille's Schlussfolgerungen wörtlich wiedergegeben:

„Die Verbrennung einer explosiven Ladung im geschlossenen Raume gibt gleichmässige Drücke auf die Wände des Gefässes in jedem Augenblicke nur unter der Bedingung, dass diese Ladung gleichmässig vertheilt sei. Im Falle von Gefässen mit geringem Durchmesser genügt es zur Erreichung desselben Erfolges, dass diese Verkeilung in der Richtung der grossen Dimension des Probemörsers gleichmässig sei.

„Sobald diese Bedingung nicht mehr erfüllt ist und besonders, wenn die Ladung an einem Ende des Gefässes concentrirt ist, sieht man eine besondere Art der Vertheilung der Pressungen entstehen, welche in eine Art Balanciren der Gasmasse in der Richtung der grossen Achse des Probemörsers endigt. Es entstehen daraus Condensationen, deren Bedeutung mit der Gasabgabe der Ladung wächst, d.h. mit der Brisanz des Explosivstoffes oder für denselben Stoff mit der Ladedichte.

„Die Condensationen zeigen sich abwechselnd an den beiden Enden des Probemörsers in Zeiträumen, welche im Verhältnisse zu seiner Länge sind und sehr nahe der Dauer für die Fortpflanzung des Schalles in den Zersetzungsproducten bei der Explosionstemperatur (1100 bis 1200 m in der Secunde für die Pulver B und 600 bis 700 m für die Schwarzpulver).

„Die Pressungen, welche aus diesen Condensationen entstehen, können in dem Probemörser von 1 m Länge selbst das Dreifache des normalen Druckes erreichen, welcher der vollständigen Verbrennung der Ladung entspricht. Man bemerkt sie bei den geringsten Ladedichten, entsprechend einem Normaldrucke von 1000 k mit den brisantesten Explosivstoffen, wie das gekörnte Schiesswollpulver oder Jagdpulver; aber man erhält sie ebenso mit Stoffen mittlerer Brisanz bei grösserer Ladedichte, entsprechend einem Normaldrucke von 2500 k.

„Die Bedeutung dieser Gascondensationen vermindert sich rasch mit der Länge des Probemörsers. Mit keinem Explosivstoffe konnten wir davon die geringste Spur finden, weder durch die Stauchungen, noch durch die Diagramme, wenn der Probemörser 15 cm lang war.“

Für die Sprengarbeit lassen sich aus Vieille's Arbeit bedeutungsvolle Schlüsse auf die Wirkung hohlgeladener Schüsse, sowie auf die Notwendigkeit gleichmässigen Verrammens der Ladung im Bohrloche ziehen.

Die grosse Explosion im Pulvermagazine „Vigna Pia“ bei Rom ist durch die Tagesblätter genügend bekannt gemacht worden. Nach dem Esercito Italiano waren darin 265000 k Pulver, 24000 Geschützladungen, 35000 Zünder und 1000 Signalraketen aufbewahrt. Wenn man von der ungewöhnlich grossen Menge von explosivem Materiale absieht, welche in einem einzigen Magazine aufbewahrt war, so muss es doch auffallen, dass trotz vielfacher Unglücksfälle fertige, adjustirte Patronen und gar Signalraketen zugleich mit 265 t Pulver eingelagert wurden, Raketen enthalten häufig solche Beimischungen, welche unter ungünstigen Umständen Zersetzung und Selbstentzündung hervorrufen können, und es ist wahrscheinlich, dass auch die Explosion im Magazine Vigna Pia auf diese Weise entstand. Die Wirkung der Explosion war auf 40 km Entfernung zu hören, sie zerstörte sämmtliche Gebäude im Umkreise von 1 km und das Barometer in Rom fiel um 15 mm.

In einer dem Referenten verspätet zur Kenntniss gelangten Notiz in der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1890 S. 486, wird berichtet, dass in Zbeschau (Mähren) ein Arbeiter vor dem Abthun der Schüsse vorschriftsmässig die Funkenlänge an der Zündmaschine prüfte und dass dabei die Schüsse explodirten, trotzdem er die Leitungsdrähte nicht eingeschaltet hatte. Angestellte Versuche ober Tage zeigten, dass, wenn ein Draht auf dem Hartgummirande der Zündmaschine auflag, die zweite Polkugel aber nicht mit der Erde in Verbindung war, dennoch drei von fünf Schüssen explodirten, wobei die Rückleitung jedenfalls durch die Erde erfolgte, der Funke aber über den Hartgummirand hinüber in den Leitungsdraht sprang. Es haben mit dem Referenten wohl auch andere Fachgenossen häufig abenteuerlich klingende Geschichten über frühzeitige Explosionen von mit elektrischen Zündern versehenen Schüssen gehört; es wäre eine dankenswerthe Arbeit, einmal eingehende Versuche mit solchen Schüssen anzustellen.

(Schluss folgt.)

Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Druckverfahren.

Von Dr. J. M. Eder und E. Valenta in Wien.

Unterrichtsanstalten.

Die k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien wurde im Schuljahre 1889 bis 1890 von 189 Schülern besucht.

Ausser den regelmässigen Cursen wurden Specialcurse über Steindruckwesen und über Glasätzung mittels eines photographischen Umdruckverfahrens an genannter Lehranstalt abgehalten.

Es erhalten bekanntlich an dieser Anstalt die Schüler ihre Ausbildung in theoretischer wie praktischer Beziehung, wozu vier Aufnahmeateliers für Porträts, Reproduction und Copirverfahren, eine Druckerei mit zehn Pressen u.s.w. den Praktikanten zur Verfügung stehen.

In den Versuchslaboratorien der genannten Anstalt wurden zahlreiche Versuche über neu auftauchende Erfindungen u.s.w. gemacht, welche in der Phot. Correspondenz, sowie in Eder's Jahrbuch für Photographie und Reproductionsverfahren mitgetheilt sind.

In Berlin wurde im Februar 1890 eine Abendfachschule für Photographie eröffnet; Prof. Vogel trug über photographische Kunstlehre (Phot. Correspondenz; Bd. 26 S. 337) vor. Diese Curse werden 1891 fortgesetzt.

Im Lette-Verein in Berlin wird photographischer Unterricht für Frauen und Mädchen im Anschlusse an die dortige Setzerinnen- und Zeichenschule ertheilt; den Unterricht leitet Herr Dr. Schultz-Henke.

Die praktische Lehranstalt für Photographie u.s.w. von W. Cronenberg in Grönenbach hatte im Schuljahre 1889 bis 1890 36 Schüler aus verschiedenen Ländern.

Einzelne Curse über Photographie finden in Deutschland ferner statt: an der technischen Hochschule in Braunschweig (Prof. Dr. Max-Müller); an der technischen Hochschule in Karlsruhe (Leiter: J. Schmidt); an der technischen Hochschule in München (Dr. Edelmann); ferner in der Schweiz: am Züricher Polytechnicum (Prof. Dr. Barbièri).

Die vom Pariser Gemeinderath gegründete Fachschule für das Buchgewerbe hat den Zweck, Arbeiter für die