Text-Bild-Ansicht Band 282

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von Polarisationserscheinungen bei Krystallen (Compt. rend., 1890 S. 83). Statt des monochromatischen Natriumlichtes verwenden sie das Licht eines Spectrums, von dem sie mittels einer einfachen Vorrichtung nur eine bestimmte Farbe in den Apparat fallen lassen.

A. Gleave empfiehlt die Momentphotographie zu Aufnahmen bei Schiessübungen auf der See, sowie zum Photographiren des Inneren der Geschütze. (Photogr. Corresp., 1890 S. 227.)

Der elektrische Schnellseher oder das Elektrotachyshop ist ein Apparat, welcher dazu dient, durch eine Reihe von Aufnahmen, welche in rascher Aufeinanderfolge dem Auge vorgeführt werden, eine Bewegung (Sprung eines Pferdes, Mannes, Lauf eines Menschen, Vogelflug u. dgl.) bildlich wiederzugeben. Anschütz erzielte in dem kurzen Zeitraume von 0,72 Secunden 24 auf einander folgende Aufnahmen eines sich bewegenden Gegenstandes. Werden nun diese 24 Bilder in Form biegsamer Diapositive auf einer um eine Achse drehbaren Trommel nach einander in der Reihenfolge der Aufnahme angebracht, welche Trommel sich in einem Kasten mit einem entsprechenden Ausschnitte befindet, und wird die letztere entsprechend rasch gedreht, während beim jedesmaligen Anlangen eines Bildes vor dem Ausschnitte eine hinter einem Opalglas befindliche Geisler'sche Röhre durch einen kräftigen elektrischen Funken erleuchtet wird, so erhält der Beschauer das Bild des scheinbar in Bewegung befindlichen Gegenstandes. (Eder's Jahrbuch für Photographie für 1891, S. 35.)

Ueber die Mittel der Photographie vom Luftballon berichtet Dr. Stolze. (Photogr, Nachr., 1890 S. 131.)

Photographie und Meteorologie.

Dr. Regenbach in Basel photographirte in gelungener Weise die sogen. Cirrhus-Wolken, richtete jedoch den Apparat nicht direct gegen den Himmel, sondern gegen eine in Ruhe befindliche Wasserfläche, welche ein Spiegelbild der Wolken gab, das sich besser photographiren lässt, als die Wolken selbst. (Phot. News, 1890 S. 136.)

Whipple berichtet über Fortschritte der Photographie in Bezug auf Meteorologie (Phot. News, 1889 S. 845), Dr. Spitaler über jene der astronomischen Photographie. (Eder's Jahrbuch für Photographie, 1891 S. 258 und 264.)

Ueber Photogrammetrie und deren Anwendung zu Terrainaufnahmen.

Die Verwendung der Photographie in der praktischen Messkunst wird eine immer allgemeinere. Sie bietet wesentliche Vortheile vor den bisher verwendeten Verfahren und namentlich für Militärzwecke ist man immer mehr bestrebt, photogrammetrische Methoden in Anwendung zu bringen. Prof. F. Schiffner in Pola berichtet in Eder's Jahrbuch für Photographie für 1891 über die Fortschritte der Photogrammetrie. G. Le Bon (Les levers photographiques et la photographie en voyage, II. Partie, Paris, Gauthier-Villars et fils, 1890) beschreibt unter anderen ein vereinfachtes Instrument zur Aufnahme von Monumenten und des sie umgebenden Terrains, das Telestereometer. Das sehr handliche Instrument hat nur die Grösse eines Fingers und wird bei Beobachtungen in der Hand senkrecht nach abwärts gehalten. Die von einem Objecte einfallenden Lichtstrahlen werden von einem 45 gradigen Prisma total nach aufwärts reflectirt und treffen, nachdem sie ein Diaphragma passirt haben, in der Entfernung von 12 mm ein Objectiv von 26 mm Brennweite. Das Bild wird auf einem in 1/10 mm getheilten Mikrometer aufgefangen und durch ein Ocular betrachtet, welches aus einer gewöhnlichen Linse mit 21 mm Brennweite und einer vorgesetzten planconvexen Linse besteht. Der verhältnissmässig grosse Gesichtsfeldwinkel und die Form des Instrumentes, die ein unauffälliges Operiren damit erleichtert, sprechen sehr zu seinen Gunsten. Beim Gebrauche werden die gewöhnlichen photogrammetrischen Formeln verwendet.

Es nehme z.B. das Bild eines Objectes von der Höhe H auf dem Mikrometer n Theile ein, so muss es sich in einer Entfernung

befinden; für den Höhenwinkel α hat man
, wenn n die Anzahl Theilstriche am Mikrometer, f die Brennweite des Objectives in 1/10 mm (hier 260) ist.

Leider verzichtet man beim Gebrauche des Teleostereometers auf den Hauptvortheil der Photogrammetrie, nämlich darauf, dass man mit einer einzigen Aufnahme (welche ja auch unauffällig mittels Momentapparat gemacht werden kann) über die Lage vieler Punkte Aufschluss erhält.

Schiffner zieht deshalb seine Methode für Geheimaufnahmen (Photogr. Corresp., 1890. – Photogrammetrische Studien und Mittheilungen a. d. Geb. d. Seewesens, 1890. – Ueber die photogrammetrische Aufnahme einer Küste im Vorbeifahren) vor. Derselben liegt der Gedanke zu Grunde, dass man mit Benutzung von Momentphotographien die Winkel construirt oder berechnet, unter denen zwei Strecken vom Aufstellungspunkte aus erscheinen, und mit Zuhilfenahme dieser Winkel im Sinne der Pothenot'schen Aufgabe den Standpunkt ermittelt.

Prof. Steiner in Prag gibt eine Reihe zum Theil völlig neuer Untersuchungen in den Technischen Blättern, Prag 1889 Heft 3 und 4.

In denselben ist neben anderen die Fundamentalaufgabe gelöst: Standpunkt und Bildweite einer beliebigen Photographie zu finden, wenn fünf Punkte des Bildes fünf Punkten der Natur entsprechen, deren Lage man kennt. Die Lösung der Aufgabe (im Grunde nichts anderes als das erweiterte Pothenot'sche Problem) wird unmöglich, wenn die fünf gegebenen Punkte und der gesuchte Standpunkt zufällig auf einem Kegelschnitte liegen.

Eine weitere für die Photogrammetrie wichtige Aufgabe besteht in der Ermittelung der wahren Lage des Bildhorizontes, wenn ganz angenähert die Richtung einer Horizontalen und die Lage und Höhe dreier Punkte des Bildes gegeben ist.

Als für die graphische Durchführung besonders verwendbar führen wir das Verfahren an, welches direct die Seehöhe eines Punktes des Bildes angibt, wenn die Höhe des Standpunktes bekannt ist, von welchen aus er aufgenommen wurde.

Von Prof. Steiner ist ein Lehrbuch der Photogrammetrie erschienen (Verlag von Lechner, Wien).

Mikrophotographie.

Zu erwähnen ist das höchst sorgfältig bearbeitete Werk von Marktanner-Turneretscher: Die Mikrophotographie als Hilfsmittel naturwissenschaftlicher Forschung (Verlag von Knapp, Halle a. S., 1890). Ferner erschien ein umfassendes